Schnupperwochen im Krankenhaus
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17. March 2016 Drucken Empfehlen
Studium
Famulatur

Schnupperwochen im Krankenhaus

Von Beginn an mischt die Praxis im Pharmaziestudium mit. Ein wichtiger Teil dabei ist die Famulatur, die alle Nicht-PTAs im Grundstudium absolvieren müssen. Nach vier Wochen in der öffentlichen Apotheke bleibt einem die freie Entscheidung für die weiteren vier Wochen. Es lohnt sich, noch einmal andere Luft zu schnuppern. 

Den zweiten Teil meiner Famulatur wollte ich unbedingt nutzen, um ein anderes Betätigungsfeld kennenzulernen. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, die vier Wochen in einer Krankenhausapotheke zu verbringen. Ein Anruf genügte, und schon konnte ich die Bewerbungsunterlagen rausschicken. Da ich mich bereits frühzeitig um den Platz gekümmert hatte, stand meinem Wunschtermin nichts im Wege.

Apothekenalltag im Krankenhaus

Zunächst war es sehr ungewohnt für mich, jeden Morgen kurz nach fünf Uhr aufzustehen und bereits um sieben Uhr anzufangen. Noch nicht einmal die Uni fordert ihre Studierenden auf, vor acht Uhr anwesend zu sein – zumindest nicht täglich.
Der Arzneimittelbestand der Krankenhausapotheke kann kaum mit dem einer öffentlichen Apotheke verglichen werden. Auch der Betäubungsmittel-Vorrat, ebenso wie die Dokumentation, nahm viel größere Ausmaße an. Da die Abgabe von Arzneimitteln vorrangig nach Hausliste erfolgte – und nicht wie in der Apotheke nach Rabattverträgen –, gab es größere Mengen eines Fertigarzneimittels. Für mich ungewöhnlich war auch die Sortierung nach Wirkstoffen, was daher rührte, dass sich die Hausliste von Zeit zu Zeit ändert. Wäre das Mittel unter dem Präparatenamen einsortiert, hätte sich der Lagerplatz nach einem Wechsel der Hausliste möglicherweise geändert. Obgleich die Orientierung anfangs schwierig war, erhielt ich dadurch einen guten Einblick in die verschiedenen Wirkstoffnamen, die hinter den Fertigarzneimitteln stecken. Tagesziel war es zunächst, die Stationen zu versorgen und anschließend die neuen Lieferungen ins Lager einzupflegen.

Persönliche Highlights

Die Zentralapotheke verfügt über eine eigene Zytostatikaherstellung, sodass ich zumindest von außen einmal sehen durfte, wie so etwas vonstattengeht. Interessant war die Tätigkeit des Apothekers, die damit zusammenhängt: Er hat unter anderem die Verordnungen überprüft und gegebenenfalls mit dem Arzt Rücksprache gehalten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker hat mich an dieser Stelle sehr angesprochen.
Weiterhin durfte ich an einer Visite teilnehmen. Den Alltag der Ärzte zu sehen und wie die Arzneimitteltherapie angepasst wird, hat mich sehr beeindruckt. Auch hier spielte die Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker eine große Rolle. In meiner Famulatur konnte ich darüber hinaus an einer Unterrichtsstunde für angehende Pfleger und Schwestern teilnehmen, in der die sichere Arzneimittelanwendung besprochen wurde. Da alle Teilnehmer bereits einen praktischen Teil absolviert hatten, konnte ich einen Einblick gewinnen, wo es Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis gibt und wie man sich in solchen Situationen verhält.

Wärmste Empfehlung!

Es hat mir großen Spaß gemacht, einen Teil meiner Ausbildung in der Krankenhausapotheke zu absolvieren, und ich bin dankbar für die Vielzahl an interessanten Einblicken und Erfahrungen. Daher kann ich es jedem nur wärmstens empfehlen, einen Teil der Famulatur außerhalb der öffentlichen Apotheke zu verbringen und dadurch andere Aspekte des Apothekerberufs kennenzulernen.

Von Alice Stephan,
Pharmaziestudentin in Greifswald