Pizza, Pasta und Pharmazie!
Foto: Sara Chafii-Badavi
17. March 2016 Drucken Empfehlen
Internationales
Auslandssemester in Italien

Pizza, Pasta und Pharmazie!

Auslandsaufenthalte sind in vielen Studiengängen eine Selbstverständlichkeit – nicht so in der Pharmazie. Ich entschied mich dennoch, ein Semester in Italien zu verbringen. Allerdings kamen mit diesem Wunsch auch viele Fragen auf. Wie muss ich mein Auslandssemester organisieren? Reichen meine Sprachkenntnisse aus? Wie geht es weiter, wenn ich zurück in Deutschland bin?

Für mich war schon vor dem Studium klar, dass ich gerne eine Zeit im Ausland studieren möchte. Etwas Abstand vom oft sehr fordernden Unialltag in der Pharmazie kann schließlich nicht schaden. Und wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, das Studentendasein in einem anderen Land kennenzulernen und ganz nebenbei seine Sprachkenntnisse zu verbessern? Wohin es gehen sollte, war schnell entschieden: Italien! Während der Vorbereitungen für das erste Staatsexamen habe ich mich dann immer wieder mit den Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes beschäftigt. Mit dem Examen in der Tasche wurden meine Pläne konkreter, und ich besuchte gezielt Informationsveranstaltungen zum Thema Auslandspraktika und Auslandsstudium für Naturwissenschaftler, die vom International Office der Universität Frankfurt angeboten wurden. Schnell kristallisierte sich heraus, dass das Erasmus-Programm für mich die richtige Wahl ist. Durch die Kooperation, die zwischen dem Fachbereich der Goethe-Universität Frankfurt und der Università degli Studi in Perugia besteht, rückte sogar ein Aufenthalt in meinem Wunschland Italien in greifbare Nähe.

Gut zu wissen! 

Das Erasmus-Programm beinhaltet ein monatliches Stipendium und entbindet den Studierenden von den Studiengebühren an der Gastuniversität. Ob man darüber hinaus weitere Stipendien oder Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen kann, sollte individuell und am besten mit genügend Vorlaufzeit abgeklärt werden. Im Gastland muss eine bestimmte Anzahl an Kursen belegt werden, die einer vorgegebenen Anzahl an Credit-Points entsprechen muss. Die gewählten Veranstaltungen werden im Learning Agreement festgehalten, das zusammen mit der Confirmation Period of Study (Aufenthaltsbestätigung) das wichtigste Dokument für einen Erasmus-Studenten ist. Die Anrechnung von Studienleistungen gestaltet sich in der Pharmazie in der Regel dennoch schwierig. Man sollte sich daher vorher mit den entsprechenden Lehrstühlen in Verbindung setzen und eventuell ein Urlaubssemester beantragen.

Unkomplizierte Organisation

Ein Auslandssemester braucht etwas Vorlaufzeit und Organisation. Daher fing ich ca. zwölf Monate vor dem im achten Semester geplanten Aufenthalt in Italien mit den Formalitäten an. Zunächst musste ich mich beim zuständigen Erasmus-Koordinator meines Fachbereiches bewerben. Da ich die einzige Studentin war, die das Semester in Italien verbringen wollte, war dieser Teil schnell erledigt. Nach der Anmeldung an der Gastuniversität musste ich die Kurse wählen, die ich während meines Semesters in Perugia belegen wollte. Im Zuge dessen füllte ich auch einige Unterlagen für die italienische Universität aus, wie beispielsweise ein Motivationsschreiben, und durchforstete das Online-Kursprogramm meines Fachbereiches in Italien für das Learning Agreement. Bei Fragen konnte man sich immer an das International Office in Frankfurt oder an die zuständigen Personen in Perugia wenden. Dabei wurde ich auch auf die Möglichkeit aufmerksam, im Gastland einen vorbereitenden Sprachkurs zu besuchen. Diese sogenannten EILC-Kurse (Erasmus Intensive Language Courses) werden im Rahmen des Erasmus-Programms für seltener gesprochene Sprachen angeboten, wobei man sich separat für einen Platz und das zugehörige Stipendium bewirbt. Grundsätzlich wird empfohlen, Sprachkenntnisse auf Niveau B1 (fortgeschrittene Kenntnisse) vorweisen zu können. Allerdings habe ich in Italien genügend Studierende getroffen, die vorher gar keine Italienischkenntnisse hatten. Mir selbst war es allerdings sehr wichtig, die Sprache zu lernen, weshalb ich bereits in Deutschland mit dem Vokabellernen anfing.

Foto: Sara Chafii-Badavi

Die Altstadt von Perugia. Foto: Sara Chafii-Badavi

Alles auf Anfang

In Perugia angekommen musste ich mich zuallererst um eine Unterkunft kümmern. Dabei waren meine rudimentären Italienischkenntnisse von Vorteil, und ich konnte schon bald ein Zimmer in einer netten WG mitten in der Altstadt beziehen. Kurz darauf fing bereits der EILC-Sprachkurs an, den ich ebenfalls in Perugia besuchte. In den knapp vier Wochen machte ich viele neue Bekanntschaften und konnte mein Italienisch erheblich verbessern. Über den Sprachkurs wurden auch Exkursionen organisiert, die den Studierenden das Land und die Kultur näherbringen sollten. So konnte ich bereits in meiner ersten Woche an einem Wochenendausflug nach Neapel, Pompei und Capri teilnehmen. Während der Konversationskurse besprachen wir auch aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und der Kultur Italiens, was auch für den weiteren Aufenthalt interessant und hilfreich war. Alles in allem kann ich solch einen Sprachkurs jedem nur empfehlen!

Studienalltag auf Italienisch

Mit dem offiziellen Semesterbeginn fing auch mein italienischer Studienalltag an. Das Pharmaziestudium in Italien ist ähnlich aufgebaut wie in Deutschland. Allerdings werden die Inhalte viel theoretischer vermittelt, Laborpraktika finden im geringeren Maße statt. Faszinierend war für mich von Anfang an, wie sehr die Studierenden an den Lippen der Dozenten hängen! Sie schrieben praktisch jedes Wort mit. Mir selbst fiel es mit der Zeit immer leichter, den Vorlesungen zu folgen, und ich konnte mir schnell neue Vokabeln aneignen. Insgesamt war ich doch überrascht, wie gut die Universität in Perugia organisiert war, und auch die Qualität der Lehre fand ich überzeugend. Als Erasmus-Student sollte man dennoch viel Eigeninitiative mitbringen und sich regelmäßig bei den Dozenten nach Studienmaterialien und Stundenplänen erkundigen. Über die uni-interne Erasmus-Organisation ESN (Erasmus Student Network) standen uns zudem studentische Ansprechpartner zur Verfügung. Die Gruppe organisierte auch regelmäßig Veranstaltungen für uns Austauschstudenten, wie beispielsweise Kochkurse, Tandemabende oder Konzerte.

Foto: Sara Chafii-Badavi

In der Region finden sich viele kleine malerische Orte, etwa die Blumenstadt Spello. Foto: Sara Chafii-Badavi

La dolce vita

Natürlich dürfen während eines Auslandsaufenthaltes auch die Freizeitmöglichkeiten nicht zu kurz kommen. Perugia ist die Hauptstadt der Region Umbrien, die landschaftlich mindestens genauso reizvoll ist wie die Toskana, aber weniger überlaufen. Die Stadt selbst ist etruskischen Ursprungs und bietet von den vielen Terrassen und Aussichtspunkten einen herrlichen Überblick über die Umgebung, an der man sich auch nach Wochen noch nicht sattgesehen hat! In der Region gibt es zudem viele kleine Orte, die sich ihren ursprünglichen Charme bewahrt haben. Auch Ausflüge in die nahe gelegene Toskana oder nach Rom lassen sich sehr leicht organisieren. Man sollte es sich auch nicht nehmen lassen, es den Italienern gleich zu tun und „il dolce far niente“ kennenzulernen. Das „süße Nichtstun“ lässt sich besonders gut mit einem Eis in der Hand oder einem knusprigen Stück Pizza auf den Treppen des Doms von Perugia genießen. Die kulinarische Vielfalt des Landes sollte man ebenfalls nicht unbeachtet lassen! Zahlreiche Straßenfeste und Messen wie die Eurochocolate, ein Festival rund um Schokolade, sorgen darüber hinaus für regelmäßige Abwechslung und Stimmung in der kleinen Studentenstadt.

Arrivederci Perugia!

Nach sechs Monaten in Italien musste ich mich von Perugia verabschieden. Die Zeit war unglaublich schnell verflogen, und ich verließ die Stadt nicht nur mit vollen Koffern, sondern auch mit dem Kopf voller neuer Eindrücke! Zurück in Deutschland reichte ich meine Bescheinigungen über die Aufenthaltsdauer und die Kursbelegung im International Office meiner Universität ein, woraufhin mir mein offizielles Erasmus-Teilnehmer-Zertifikat ausgehändigt wurde. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hatte mich der deutsche Studienalltag wieder, auch wenn ich mich noch ab und zu dabei erwischte, wie ich auf Italienisch meinen Gedanken nachhing. Der Wiedereinstieg in das Semester war ebenfalls unproblematisch, und ich hatte schnell wieder Anschluss bei meinen Kommilitonen gefunden.

Bereichernde Erfahrung

Der Studienaufenthalt in Italien war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Er bot mir die Möglichkeit, den Studienalltag in einem anderen Land kennenzulernen und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ganz nebenbei konnte ich meine Sprachkenntnisse verbessern und die Kultur und die Menschen Italiens besser verstehen lernen. Ich würde mich rückblickend wieder für ein Semester in Perugia entscheiden, da es ein einmaliges Erlebnis war. Ich kann jedem nur empfehlen, ein Auslandssemester in Erwägung zu ziehen, da man so auch die Möglichkeit bekommt, sich selbst besser kennenzulernen und vieles mit neuen Augen zu sehen. Mit genügend Vorlaufzeit hält sich der organisatorische Aufwand in Grenzen, und aufgrund der bestehenden Kooperationen zwischen den Universitäten entfallen auch zeitintensive Bewerbungen bei der Gastuniversität. Daher ist das Erasmus-Programm gerade für die häufig stressgeplagten Pharmaziestudierenden eine gute Option, um einen Auslandsaufenthalt zu realisieren.

Von Sara Chafii-Badavi,
Apothekerin in Mannheim