Onkologie im Fokus
Foto: Leonie Ripke
17. March 2016 Drucken Empfehlen
Studium
8. Sommerakademie der DGOP für Studierende

Onkologie im Fokus

Um sich mit dem Thema „Klinische Pharmazie für Menschen mit Krebs“ intensiv auseinanderzusetzen, besuchten 30 Pharmaziestudierende aus ganz Deutschland die dreitägige Sommerakademie der Deutschen Gesellschaft für onkologische Pharmazie (DGOP) in Hamburg. Der Titel des Intensivseminars für Pharmazeuten im Hauptstudium lautete „ARS pharmaceutica – Kunst und Können in der Pharmazie“. 

Das Seminar wurde durch Herrn Dr. Tilman Schöning aus Heidelberg mit dem Thema „Einführung in die Pharmazie und Onkologie“ eröffnet: Die Menschen werden im Zuge des demografischen Wandels immer älter, und dadurch nimmt der medikamentöse Bedarf zu. In diesem Zusammenhang spielt der Apotheker eine immer wichtiger werdende Rolle in der Patientenversorgung. Er optimiert und unterstützt die Arzneimitteltherapie bezüglich Applikation, Dosierung und Darreichungsform und hat auch Interaktionen und Nebenwirkungen im Blick. Auf Station im Krankenhaus übernimmt er die Arzneimittelanamnese bei Neuaufnahme und die pharmazeutische Patientenberatung. Zudem berät der Apotheker die Ärzte bei den verschiedenen Arzneimitteltherapien. „In der Onkologie stehen neben diesen Aufgaben zusätzlich die aseptische Herstellung von Zytostatika, die Teilnahme an Tumorkonferenzen, das Schmerzmanagement, die Ernährungsberatung und die Supportivmaßnahmen im Vordergrund“, erklärte Dr. Schöning.

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Die Pharmaziestudierenden erhielten in der dreitägigen Sommerakademie wertvolle Einblicke in unterschiedlichste onkologische Themengebiete. Foto: Leonie Ripke

Offenes Ohr für die Patienten

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Garten des Hotels Lindtner folgte am Nachmittag ein Vortrag zum Thema „Patientenbetreuung durch den Apotheker“. Frau Dr. Gisela Sproßmann-Günther berichtete von ihrer Tätigkeit in einem Berliner Krankenhaus: Sie unterstützt Ärzte und Patienten unter anderem bei der Schmerztherapie oder der parenteralen Ernährung. Individuelle Betreuung bekommen die Patienten in ihrer Arzneimittelsprechstunde, hier klärt die Apothekerin sie über ihre Therapiemöglichkeiten auf, nimmt ihnen ihre Ängste und beantwortet wichtige Fragen. „Wie kann ich mich schminken, wenn die Wimpern fehlen?“ oder „Was kann ich essen, wenn alles einen metallischen Beigeschmack hat?“, sind nur einige Fragen, die die Betroffenen beschäftigen.
Den Seminarteilnehmern nahm sie die Angst davor, im Berufsalltag mit diesen und ähnlichen Fragen konfrontiert zu werden. „Auch wir können nicht alles wissen. Wir lernen ständig dazu. Das Wichtigste ist die Lernbereitschaft und ein offenes Ohr, um zu lernen, wie der Patient seine Situation wahrnimmt und damit umgeht.“ Und sie rät den angehenden Apothekern: „Geht auf die Menschen zu und bittet sie darum, sie auf ihrem Weg der Erkrankung begleiten zu dürfen, und fragt sie, wie sie mit Schmerzen, Ängsten und Alltagssituationen umgehen. Dadurch könnt ihr ein Gespür für das Wohlbefinden des Patienten erlernen.“
Die Psychoonkologin Susanne Bertels aus Hamburg berichtete von ihrer Arbeit in der Betreuung von Krebskranken. Sie betrachtet alle seelischen Faktoren des Krebsleidens und kümmert sich um die Betroffenen und um das soziale Umfeld. Dieser Aspekt wurde in einer Gruppenarbeit und mit einem Film behandelt. Das sollte uns dabei helfen, die Sach- und Gefühlsebene des Patienten wahrzunehmen, um so noch besser auf die Patienten in der Apotheke eingehen zu können.

Kunst und Pharmazie 

Am zweiten Tag begannen wir nach einem ausgiebigen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein mit dem Action Painting. Schnell schlug das Wetter um, aber voller Tatendrang und Vorfreude ließen alle den Regen Regen sein, zogen Schuhe und Socken aus und stürzten sich ins Getümmel.

Diese Art von Kunst hat nichts damit zu tun, wie man sonst im Uni-Labor fein säuberlich jeden Milligramm Wirkstoff genau abwiegen oder darauf achten muss, dass kein Tropfen Lösung daneben geht. Vielmehr war es ein Ausdruck des inneren Gefühls und der Freiheit, das zu tun, was der Moment beschließt – diese Aktion hat uns allen gut gefallen. So wurde aus anfänglich zaghaften Klecksen und Strichen Kunst aus Farben und Formen, Fußabdrücken, Regentropfen und einer Menge Spaß.

Unterstützende Maßnahmen

Viele Patienten suchen aufgrund der Nebenwirkungen einer Chemotherapie Rat in der Apotheke. Erbrechen, Mundtrockenheit, chronische Müdigkeit (Fatigue) und Haarausfall gehören dazu. Frau Dr. Annette Freidank, leitende Apothekerin im Uniklinikum Fulda, zeigte mit ihrem Vortrag, wie wichtig die Beratung des Patienten über die Nebenwirkungen ist. So werden heute fast alle Therapien durch die Behandlung des Erbrechens unterstützt. Ergänzend hierzu hob der Klinikapotheker Michael Höckel aus Kassel die Bedeutung der Compliance des Patienten und der pharmazeutischen Betreuung von Krebspatienten hervor: „Wenn ich meinen Patienten über alles Wichtige aufkläre, dann hat er Verständnis für seine Arzneimitteltherapie. Gut ist es, offene Fragen in einer Beratung zu stellen. Damit kann ich abklären, ob der Patient mich verstanden hat“, so Höckel.

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Das Action Painting lieferte tolle Ergebnisse und sorgte für eine Menge Spaß unter den Teilnehmern. Foto: Leonie Ripke

Therapie bei Krebserkrankungen

Am letzten Vormittag standen die Therapie von Tumorerkrankungen und Wirkstoffe bei Krebs auf dem Programm. Prof. Dr. med. Günther Wiedemann aus Ravensburg berichtete in seinem Vortrag, dass Krebs früher fast ausschließlich durch Bestrahlung oder Operationen behandelt wurde. „Aber heute sind mehr als 500 Stoffe in der klinischen Entwicklung. Die Zahl an oralen Arzneistoffen und damit die Betreuung in der Apotheke steigen stetig an.“

Fallbeispiele aus der Apotheke

Zum Abschluss des Seminares beschäftigten wir uns in Fallbeispielen mit der Beratung eines Krebspatienten in der Apotheke und stellten das Ergebnis in Rollenspielen vor. In Gruppen erarbeiteten wir nach dem sogenannten SOAP-Schema eine Lösung für den jeweiligen Fall. Zuerst wurden die subjektiven (S) Beschwerden des Patienten erfasst und danach die Probleme objektiv (O) betrachtet. Mit dem Hintergrundwissen der vergangenen Tage und einer Internetrecherche erfolgte anschließend eine Analyse (A), um einen Plan (P) zur Lösung des Problems zu finden. Diese Übung zeigte uns auch, wie wichtig die Zusammenarbeit mit angrenzenden Gesundheitsberufen wie Ärzten oder Psychologen ist, und dass es wünschenswert ist, umfassende Kenntnisse im Bereich der Onkologie zu erwerben.
Mein Fazit: Ich kann jedem Studierenden nur empfehlen, an der Sommerakademie teilzunehmen. Es ist ein super Angebot der DGOP. Drei Tage lang berichteten renommierte Referenten von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen über die Krebstherapie – und obendrein gab es eine ausgezeichnete Unterkunft und tolles Essen.

Die DGOP 

Die Deutsche Gesellschaft für onkologische Pharmazie (DGOP) hat sich zum Ziel gesetzt, die internationale Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Anwendung von Arzneimitteln in der Krebsbehandlung zu unterstützen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei unter anderem in der engmaschigen und interdisziplinären Betreuung der onkologischen Patienten, getreu dem Leitsatz Onkologische Pharmazie – über Bereichsgrenzen hinweg und zum Nutzen onkologischer Patienten“.

Als Student kannst du kostenloses Mitglied bei der DGOP werden. Neben Kontakten zu anderen Pharmazeuten im Bereich der Onkologie bietet der Verein – nicht nur für Mitglieder  – interessante Weiterbildungsmöglichkeiten wie die Sommerakademie in Hamburg oder die jährlichen NZW-Kongresse in Hamburg, Dresden und München an. Zudem erhalten Mitglieder die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Onkologie Pharmazie“.

Übrigens: Die nächste Sommerakademie findet vom 4. bis 6.August 2016 im Lindtner Hotel in Hamburg-Harburg statt. Mehr dazu unter www.dgop.org.

Von Leonie Ripke,
Pharmaziestudentin in Kiel