Inhalationssysteme richtig anwenden
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17. March 2016 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Praxiswissen

Inhalationssysteme richtig anwenden

Dank den Vorlesungen in Pharmazeutischer Technologie sind Pharmaziestudierende in der Theorie bestens mit Inhalationssystemen vertraut. Doch gerade zu Beginn der Apothekenlaufbahn können die unterschiedlichen Geräte für Verwirrung sorgen, zumal nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, um welches System es sich handelt. Und auch bei Inhalatoren, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren, kann die konkrete Handhabung unterschiedlich sein. Im Folgenden werden daher die grundsätzliche Anwendung der aus Sicht der Autorin gängigsten Geräte beschrieben und einige Zusatztipps gegeben.

In Apotheken werden täglich mehrere ärztliche Verordnungen über Inhalationsgeräte eingelöst. Viele Patienten, die an Asthma oder COPD (chronic obstructive pulmonary disease) leiden, wenden ihr Asthmaspray schon seit mehreren Jahren an und sind damit bestens vertraut. Es gibt aber immer wieder Patienten, vor allem ältere Menschen, die mit einem Inhalationsgerät nicht so gut klarkommen oder auch solche, denen entweder zum ersten Mal eines verschrieben wurde oder die zuvor ein anderes Modell hatten. Auch können sich von Zeit zu Zeit Fehler im Gebrauch einschleichen. Es liegt an uns Apothekern, Patienten genau über die Anwendung aufzuklären. Da Probleme und Fragen zumeist erst zu Hause auftreten, ist es am sinnvollsten, die Handhabung mit dem Patienten zusammen in der Apotheke durchzugehen und auch die richtige Atemtechnik zu erläutern. Denn nicht nur der richtige Wirkstoff ist bei einer Bronchialerkrankung von Bedeutung, sondern auch, dass er am Wirkort ankommt. Eine korrekte Nutzung des Inhalators ist also essenziell. Und nicht nur für den Patienten ist es ein gutes Gefühl, wenn der Apotheker ohne größere Schwierigkeiten die Anwendung eines Inhalators erklären kann.

Foto: Teva GmbH

Dosieraerosol Foto: Teva GmbH

Dosieraerosole

Dosieraerosole sind seit Ende der 50er-Jahre auf dem Markt. Der Wirkstoff befindet sich zusammen mit dem Treibgasmittel in einem Druckbehälter. Zahlreiche Wirkstoffe können in diesem System verwendet werden.

Vorteile: Der Inhalator ist besonders alltagstauglich, da er klein und handlich ist. Ein wichtiger Vorteil gegenüber den Pulverinhalatoren ist, dass konstante Dosen unabhängig vom Atemvolumen die Bronchien erreichen. Somit ist es ein optimales Notfallmittel.

Nachteile: Einige Patienten empfinden den bei der Inhalation auftretenden Kältereiz als störend. Auch ist nicht immer die Koordinationsfähigkeit zwischen Auslösen des Inhalators und Einatmen gegeben.

Handhabung: Vor dem Gebrauch Schutzkappe entfernen und kräftig schütteln (Ausnahme: Foster® Dosieraerosol, da hier die Wirkstoffe schon gemischt vorliegen). Das Dosieraerosol zwischen Daumen und Mittel- oder Zeigefinger halten, hierbei sollte der Daumen (und damit das Mundstück) nach unten und der Behälterboden nach oben gehalten werden. Vor der Inhalation langsam und entspannt ausatmen. Dabei nicht in den Inhalator atmen! Nun das Mundstück mit den Lippen umschließen und den Kopf leicht nach hinten neigen. Langsam und tief einatmen (etwa fünf Sekunden) und mit dem Beginn des Einatmens den Wirkstoffbehälter nach unten drücken. Dadurch wird der Sprühstoß ausgelöst. Der Atem sollte angehalten werden (ca. zehn Sekunden) damit das Mittel seine Wirkung in den Bronchien entfalten kann. Dosieraerosol aus dem Mund nehmen und langsam durch die Nase und fast geschlossene Lippen (sogenannte Lippenbremse) ausatmen. Wenn eine zweite Inhalation erfolgen soll, dann 30 Sekunden warten und den Inhalator vor Gebrauch erneut schütteln. Nach Benutzung des Inhalators die Schutzkappe wieder auf das Mundstück aufsetzen. Vor der allerersten Anwendung wird das Dosieraerosol geschüttelt und zwei Sprühstoße in die Luft gegeben um die Funktion zu überprüfen.

Reinigung: Dosieraerosole sollten regelmäßig gereinigt werden. Das Mundstück muss hierfür mit einem trockenen Tuch abgewischt werden.

Präparatebeispiele: Aarane® N Dosieraerosol, Atrovent® Dosieraerosol, Berodual® N Dosieraerosol, Flutide® Dosieraerosol, Junik® Dosieraerosol, Salbulair® Dosieraerosol, Salbutamol-ratiopharm® Dosieraerosol

Inhalierhilfe Foto: Hexal

Foto: Hexal

Exkurs Inhalierhilfen

Patientengruppen, die die Koordination zwischen Auslösen des Sprühstoßes und Einatmen bei einem klassischen Dosieraerosol nicht beherrschen (z.B. Kinder), können eine Inhalierhilfe, auch Spacer genannt, verwenden (z.B. AeroChamber®). Diese Vorschaltkammer wird auf das Mundstück des Inhalators aufgesetzt und hat am anderen Ende eine Maske oder ein Mundstück, sodass das Aerosol einfach aus der Kammer eingeatmet werden kann. Das Aerosol verbleibt im Allgemeinen bis zu zehn Sekunden dort, sodass genug Zeit zum Inhalieren des Wirkstoffs bleibt. Der Treibgasdruck wird vermindert, der Wirkstoff gelangt besser in die Lunge und weniger Partikel verbleiben im Mund- und Rachenbereich.

Foto: Teva GmbH

Autohaler Foto: Teva GmbH

Autohaler

Es gibt Dosieraerosole, die erst durch das Einatmen einen Sprühstoß auslösen. Autohaler sind hilfreich für Patienten, die Probleme mit der Koordination von Auslösen und Einatmen haben.

Handhabung: Die Benutzung eines Autohalers ist identisch zu den oben beschriebenen Dosieraerosolen. Hier muss der Patient lediglich vor Gebrauch eine Feder spannen und nach Gebrauch wieder entspannen. Dazu zieht der Patient den Kipphebel bis zum Einrasten hoch und nach Gebrauch drückt er diesen wieder herunter.

Beratungstipp: Beim Einatmen ist ein Klacken zu hören. Das ist ein Hinweis für die Wirkstofffreisetzung und eine erfolgreiche Inhalation.

Präparatebeispiele: Bronchospray® Autohaler®, Junik® Autohaler®, Salbulair® N Autohaler®, Ventolair® Autohaler®

Pulverinhalatoren

In den 70er-Jahren, knapp 15 Jahre nach den Dosieraerosolen, wurden die Pulverinhalatoren entwickelt. Es gibt unterschiedliche Modelle, von denen einige im Folgenden vorgestellt werden.

Vorteile: Pulverinhalatoren haben einige Vorteile gegenüber den Dosieraerosolen. Es gibt weder Koordinationsprobleme bei der Atemtechnik noch unterliegt die Mund- und Rachenschleimhaut einem Kältereiz. Die ozonschädigende Wirkung von FCKW entfällt, da keine Fremdenergie nötig ist, um den Wirkstoff freizusetzen. Somit sind Pulverinhalatoren umweltfreundlicher. Ein weiterer Vorteil ist, das größere Wirkstoffmengen pro Sprühstoß und ein breiteres Wirkstoffspektrum verarbeitet werden können als bei Dosieraerosolen.

Nachteile: Ganz frei von Nachteilen sind die Pulverinhalatoren natürlich nicht. Die Wirkung ist stark abhängig von der Atemleistung des Patienten. Einige ältere Patienten wie auch viele COPD-Patienten haben keinen ausreichenden Atemfluss, um die Wirkstofffreisetzung auszulösen. Bei akuter Atemnot kann ebenfalls nicht ausreichend kräftig eingeatmet werden, sodass in diesen Fällen immer ein Notfallspray mit Treibgas zur Hand sein sollte. Einige Patienten beklagen, dass sie – aufgrund des fehlenden Kältereizes – nicht merken, ob die Inhalation funktioniert hat.

Reinigung: Das Mundstück der Pulverinhalatoren sollte regelmäßig mit einem trockenen Tuch gereinigt werden.

Beratungstipp: Pulverinhalatoren sind feuchtigkeitsempfindlich. Der Arzneistoff kann unter Umständen verklumpen: Daher müssen die Inhalatoren trocken gelagert werden und die Patienten dürfen keinesfalls in das Gerät ausatmen.

Novolizer Foto: Astellas Pharma

Novolizer Foto: Astellas Pharma

Novolizer

Handhabung: Das Pulver mit dem Wirkstoff befindet sich in einer Patrone, die vom Patienten in das Gerät eingesetzt werden muss. Vor der Inhalation wird die Schutzkappe vom Mundstück abgezogen, dabei ist das Kontrollfenster am Gerät noch rot. Dann wird die Dosiertaste bis zum Anschlag durchgedrückt. Das Kontrollfenster springt auf grün um, das bedeutet, dass die Einzeldosis zur Inhalation bereitsteht. Die Taste nun loslassen. Tief und vollständig ausatmen. Das Mundstück wird mit den Lippen fest umschlossen, dann tief und kräftig einatmen. Es ertönt ein Klickgeräusch und das Kontrollfenster wird wieder rot. So kann der Patient feststellen, ob die Inhalation erfolgreich war. Nach dem Einatmen den Atem für fünf bis zehn Sekunden anhalten, das Gerät absetzen und anschließend langsam durch die Nase bzw. den fast verschlossenen Mund wieder ausatmen. Die Schutzkappe auf das Mundstück aufsetzen.

Beratungstipp: Die Patrone kann immer nur in einer Position eingesetzt werden, sodass dem Patienten hierbei kein Fehler unterlaufen kann. Wichtig ist, dass der Novolizer während der gesamten Anwendung waagerecht gehalten wird. Das Gerät nicht schütteln, wenn die Anzeige bereits auf grün gesprungen ist. Auf dem Zählwerk wird eine schraffierte Null angezeigt, wenn eine neue Patrone eingesetzt werden muss. Durch Betätigen der Dosiertaste kann immer nur eine Dosis freigesetzt werden, sodass eine versehentliche Überdosierung durch mehrfaches Drücken im Allgemeinen ausgeschlossen werden kann.

Präparatebeispiele: Budecort® Novolizer®, Formatris® Novolizer®, Formotop® Novolizer®, Novopulmon® Novolizer®, Salbu Novolizer®, Ventilastin® Novolizer®

Easyhaler Foto: Hexal

Easyhaler Foto: Hexal

Easyhaler

Handhabung: Schutzkappe vom Mundstück abziehen und den Easyhaler drei bis fünf Mal kräftig schütteln. Gerät senkrecht halten und zwischen Daumen (der unten am Mundstückanliegt) und Zeigefinger einmal kräftig zusammendrücken, bis ein Klickgeräusch zu hören ist. Danach in die Ausgangsposition zurückgleiten lassen. Normal ausatmen. Dann das Mundstück mit den Lippen fest umschließen. Nun muss der Patient stark und tief durch den Easyhaler einatmen um die Dosis aus dem Gerät zu inhalieren. Anschließend das Gerät entfernen und fünf bis zehn Sekunden den Atem anhalten. Langsam ausatmen. Schutzkappe wieder aufsetzen.

Beratungstipp: An einem Zählwerk auf dem Easyhaler kann die Anzahl noch vorhandener Einzeldosen abgelesen werden. Nach jeder fünften Anwendung bewegt sich das Zählwerk. Erscheint ein roter Balken, sind nur noch 20 Einzeldosen vorhanden und der Patient sollte das Gerät ersetzen.

Präparatebeispiele: Beclomet Easyhaler®, Budesonid Easyhaler®, Formoterol Hexal® Easyhaler®

Breezhaler Foto: Novartis

Breezhaler Foto: Novartis

Breezhaler

Bei diesem Pulverinhalator befindet sich die Einzeldosis abgepackt in einer Kapsel. Diese muss vor der Anwendung aufgestochen werden.

Handhabung: Zunächst wird die Schutzkappe des Breezhalers abgezogen und das Gerät geöffnet, indem das Mundstück weggeklappt wird. Anschließend wird die Kapsel in das vorgesehene Fach gelegt und das Gerät wieder verschlossen. Um die Kapsel aufzustechen wird der Breezhaler nun aufrecht, also mit dem Mundstück nach oben, gehalten und beide Bedienungsknöpfe gleichzeitig einmal gedrückt. Es erklingt ein klickendes Geräusch und die Knöpfe können wieder losgelassen werden. Die Inhalation erfolgt wie beim Novolizer und Easyhaler bereits beschrieben. Anschließend öffnet man das Gerät und entsorgt die leere Kapsel. Dabei sollte der Patient überprüfen, ob die Kapsel leer und die Inhalation dementsprechend vollständig erfolgt ist.

Präparatebeispiele: Onbrez® Breezhaler®, Seebri® Breezhaler®, Ultibro® Breezhaler®

Diskus Foto: GSK

Diskus Foto: GSK

Diskus

Auch beim Diskus, einem Pulverinhalator, ist die Wirkstoffdosis in einer Einzelpackung im Gerät vorportioniert.

Handhabung: Zuerst wird der Diskus geöffnet, indem man den Daumengriff wegschiebt, sodass das Mundstück und ein Hebel zu sehen sind. Den Hebel von sich wegschieben bis ein Klicken ertönt. Dadurch wird der Diskus gespannt und der Wirkstoff aus der Einzeldosis steht zur Verfügung. Ein kleines Loch im Mundstück öffnet sich. Anschließend die gleiche Atemtechnik ausführen wie bei den anderen Pulverinhalatoren. Nach der Inhalation den Diskus durch Zurückschieben des Daumengriffes schließen. Damit wird gleichzeitig der Hebel zur Freisetzung des Wirkstoffes aus der Einzeldosis wieder auf die Ausgangsposition geschoben. Für eine weitere Inhalation müssen alle Schritte wiederholt werden.

Beratungstipp: Das zu inhalierende Pulver ist oftmals mit Milchzucker versetzt. Dieses verursacht einen süßlichen Geschmack im Mund und kann als Nachweis einer erfolgreichen Inhalation dienen. Ein Zählwerk zeigt genau an, wie viele Wirkstoffdosen der Diskus noch enthält.

Präparatebeispiele: atmadisc® Diskus®, Flutide® Diskus®, Serevent® Diskus®, Viani® Diskus®

Respimat Foto: Boehringer Ingelheim

Respimat Inhaler Foto: Boehringer Ingelheim

Respimat Inhaler

Neben den beschriebenen Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren gibt es noch den Respimat Inhaler. Dieser Inhalator setzt eine feine und langanhaltende Sprühwolke frei. Die Freisetzung erfolgt hierbei sehr langsam und ohne Hilfe jeglicher Treibmittel oder elektrischer Energie. Der Wirkstoff befindet sich in einer Patrone. Vor der ersten Anwendung muss die Patrone eingesetzt und der Inhalator gebrauchsfertig gemacht werden.

Handhabung: Um die Patrone einzusetzen wird das Gehäuse geöffnet, indem der Sicherheitsknopf gedrückt und das Gehäuseunterteil abgezogen wird. Anschließend die Patrone einschieben, wobei das schmale Ende nach oben zeigen muss. Den Patronenboden bis zum Einrasten auf eine feste Oberfläche (z.B. auf eine Tischplatte) drücken. Nun das Gehäuseunterteil wieder aufstecken. Bis zum nächsten Wechsel nicht mehr öffnen oder die Patrone entfernen! Anschließend muss das Gerät gespannt werden, indem das Gehäuseunterteil in Pfeilrichtung bis zum Einrasten gedreht wird. Bevor der Inhalator regulär verwendet werden kann, muss die Schutzkappe bis zum Anschlag geöffnet und der Auslöser gedrückt werden bis eine Sprühwolke sichtbar ist. Das Spannen und Betätigen des Auslösers vier bis sechs Mal wiederholen. Dann kann das Gerät in Gebrauch genommen werden. Um die Einzeldosis bei Inhalation freizusetzen, muss das Gerät wie oben beschrieben gespannt, das Mundstück mit den Lippen umschlossen und anschließend der Auslöser betätigt werden. Nach erfolgter Inhalation die Schutzkappe wieder schließen.

Beratungstipp: Beim Spannen des Inhalators nie die Schutzkappe öffnen, um ein frühzeitiges Austreten des Wirkstoffes zu verhindern. Wenn der Anzeiger den roten Bereich der Skala erreicht, sind noch 14 Hübe vorhanden.

Präparatebeispiele: Berodual® Respimat®, Spiriva® Respimat®, Striverdi® Respimat®

Nicht den Überblick verlieren

Neben den hier beschriebenen Geräten liegen zudem zahlreiche Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen in diesen Systemen vor, zumeist von mehreren Firmen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Inhalationsgeräte. Daher kann man schnell den Überblick verlieren. Es ist sehr ratsam, vor Beginn des Praktischen Jahres (PJ) die erlernte Theorie aufzufrischen und im PJ mithilfe von Demogeräten die Anwendung zu üben. Diese können bei der jeweiligen Firma angefordert werden. Alternativ oder ergänzend kann man sich mit der Handhabung auch durch Beschreibungen bzw. Videos der Firmen (auf der jeweiligen Internetseite) vertraut machen oder die entsprechende Passage in der Packungsbeilage lesen. So oder so, die Patienten werden einem für die praktischen Tipps dankbar sein.

Wichtig zu wissen!

Für alle Inhalatoren, die einen Cortison-haltigen Wirkstoff enthalten, gilt: Nach Gebrauch des Inhalators muss der Mund sofort mit Wasser ausgespült und optimalerweise eine Kleinigkeit gegessen werden. Dies beugt möglichen Nebenwirkungen des Cortisons, wie beispielsweise dem Mundsoor (Pilz), entgegen.

Von Helena Shalibeik,
Apothekerin in Hamburg