Die Welt zu Gast in Deutschland
Foto: Angela Sester
17. March 2016 Drucken Empfehlen
Studium
FIP-Kongress in Düsseldorf

Die Welt zu Gast in Deutschland

Der Weltapothekerverband FIP lud im letzten September zum 75. FIP World Congress of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences nach Deutschland ein. Nach zwei Jahren fand der weltgrößte Apothekerkongress wieder auf dem europäischen Kontinent statt, und etwa 3000 Apotheker aus 100 Ländern waren in Düsseldorf zu Gast – darunter auch einige Studenten und Jungapprobierte. Denn auch für Letztere hatte der FIP-Kongress einiges zu bieten.

Der FIP-Kongress (FIP steht für Fédération Internationale Pharmaceutique bzw. International Pharmaceutical Federation) findet jährlich in den Sommermonaten statt, abwechselnd auf verschiedenen Kontinenten. Der Kongress hat stets ein sehr vielseitiges Programm: Es gibt Vorträge, Workshops und kleine Diskussionsgruppen. Zudem können Teilnehmer ihre Forschungsergebnisse auf Postern oder im Rahmen einer Session live vorstellen. Generell geht es auch darum, zu networken und neue Leute zu treffen, etwas über Pharmazie und Gesundheit in anderen Ländern zu lernen und allgemein viel Neues zu erfahren, was das Verständnis über den eigenen Beruf erweitern kann. Zeitgleich fand auch die Expopharm statt und lud zusätzlich zum Entdecken ein.

„Die Teilnahme am FIP-Kongress hat mir nicht nur geholfen, einen besseren Einblick in mein eigenes Berufsfeld zu bekommen, sondern auch die Möglichkeit gegeben, meine Praxiserfahrung mit den weltweiten Standards zu vergleichen. Das Students‘ Package ist ideal für viele Jungapprobierte, die, wie ich, in Entwicklungsländern leben und am Kongress teilnehmen möchten. Ich fühle mich geehrt, dass ich dabei sein konnte. Hier bot sich auch die perfekte Möglichkeit, meine Arbeit als Poster auf dieser internationalen Plattform vorzustellen. Ich möchte mich herzlich bei dem Students‘ Package und allen Leuten bedanken, die mir die Chance gegeben haben, meinen Traum wahr werden zu lassen. Die mir Mut zugesprochen haben, dass Apotheker aus Entwicklungsländern etwas für den Apothekerberuf tun können.“

Feroza Parveen, Krankenhausapothekerin, Pakistan

Für jeden etwas dabei

Innerhalb der regulären Themenreihen (Offizinpharmazie, Medizinische Information, Krankenhauspharmazie, Industrie, Militär- und Notfallpharmazie, Wissenschaft, Pharmazie in der Ausbildung und Berufsvertretung, Politik, Zulassung sowie Verwaltung und Soziales) gab es auch viele interessante Programmpunkte für den pharmazeutischen Nachwuchs, bei denen man zum Mitreden aufgefordert war. Ein Referent einer finnischen Universität erzählte beispielsweise, dass seit 2015 das Fach „Pharmazie und Umwelt“ fest im finnischen Curriculum verankert sei und nun zum Beispiel auch gelehrt würde, welche Auswirkungen Arzneimittel im Abwasser hätten und wie man diese minimieren könne. An einer anderen Stelle wurde diskutiert, wie man das Pharmaziestudium effizienter und die Inhalte praktischer und lernbarer gestalten könnte. Dabei wurde festgestellt, dass in manchen Ländern Pharmazie bereits basierend auf einem Krankheitsbild oder Therapiegebiet gelehrt wird, wodurch man sich für seinen eigenen Lernweg inspirieren lassen konnte.

„Ich habe am FIP-Kongress teilgenommen, um internationale Kontakte zu knüpfen, mehr über die verschiedenen Bereiche in der Pharmazie zu lernen und insgesamt mein Wissen zu erweitern. Der Kongress war sehr inspirierend und nützlich für mich. Es gab über die ganzen fünf Tage hinweg viele interessante Themen, die von verschiedenen Experten aus unterschiedlichen Ecken der Welt vorgestellt wurden. Ich habe viel Erfahrung in verschiedenen Feldern der Pharmazie und der Patientenbetreuung sammeln können, von denen ich im Studium nie erfahren hätte. Das Students‘ Package war gut organisiert, und es gab jeden Tag ein anderes Abendprogramm, bei dem ich auch viel über die Kulturen der Teilnehmer und über sie selbst kennenlernen konnte. Ich kann jedem nur empfehlen, einmal an einem FIP-Kongress teilzunehmen – weil man dort Dinge über Pharmazie lernen kann, die man nicht geahnt hätte.“

Adham Mokhless, Pharmaziestudent, Ägypten

Foto: Angela Sester

Bei der Students‘ Networking Session konnten sich die Interessenten über die verschiedenen Arbeitsbereiche des FIP informieren. Foto: Angela Sester

Session für Studenten und Jungapprobierte

Daneben gab es auf dem Kongress speziell für den pharmazeutischen Nachwuchs zugeschnittene Programmpunkte. Denn jedes Jahr organisiert die IPSF (International Pharmaceutical Students‘ Federation) eine Session für Studenten und Jungapprobierte. Thema diesmal war der Übergang vom wissenschaftsbasierten und theoretischen Studium zur Berufspraxis. Martine Ruggli (pharmaSuisse, Schweizerischer Apothekerverband) etwa präsentierte Fallbeispiele, bei denen politisches Engagement von Apothekern Einfluss auf Richtlinien hatte. Diese wiederum wirkten sich auf Serviceleistungen der Schweizer Apotheken aus, wie beispielsweise die Durchführung von Impfungen oder die Erstellung von Medikationsplänen. Sie verdeutlichte zudem, wie Akkreditierung von beruflichen Weiterbildungen die Zusammenarbeit mit und Anerkennung von anderen Gesundheitsberufen unterstützen kann. Des Weiteren zeigte Cody Midlam (Clinical Pharmacist, USA) eine faszinierende Übersicht der Technologien, die in den USA bereits in der Pharmazeutischen Betreuung und Praxis Anwendung finden. Von mobilen Apps, die Blutdruck- und Blutzuckerwerte aufzeichnen können, über clevere eCAP™ Adhärenztechnologien (Aufzeichnung der Öffnungsrate eines Tablettenröhrchens) und die Rolle von Cloud-Computing beim Austausch von Gesundheitsinformationen bis hin zu mTrac, einem System, das Arzneimittelengpässe in Liefer- und Verteilungsprozessen verhindern kann. Somit wurde deutlich, wie Technologie die Praxis stetig verändert.
Bei der Students Networking Session des Students‘ Packages konnten Studenten und Jungapprobierte den Weltapothekerverband FIP besser kennenlernen. Mitglieder der FIP-Arbeitsgruppen erzählten etwas zu ihren Tätigkeitsfeldern und gaben so einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten, die das Apothekerdasein bietet. So konnten die Teilnehmer in entspannter Atmosphäre Fragen stellen, Meinungen äußern, Kontakte knüpfen und lebhafte Diskussionen führen.

Auf den FIP-Kongress bin ich durch Informationen vonseiten des BPhDs aufmerksam geworden. Speziell dabei gelockt hat mich das für Studierende organisierte Students’ Package. Zu Beginn des Kongresses machte ich mir zwar Sorgen, ob meine während des Studiums eingerosteten Englisch-Kenntnisse ausreichen würden, um den Vorträgen zu folgen oder um mich mit anderen Personen annähernd fachlich unterhalten zu können. Diese Sorge verflog aber relativ schnell. Während der einzelnen Events des Students‘ Packages und auch beim gemeinsamen Essen im Hostel konnte man gut mit den anderen Studierenden Kontakte knüpfen und sich über das Studium und die internationalen Unterschiede austauschen. Auch waren die von mir besuchten Vorträge sehr interessant, mitreißend und breit aufgestellt. Alles in allem haben sich die fünf Tage und die investierten 300 Euro in Düsseldorf für mich gelohnt. Ich habe viele interessante Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt und auch fachlich sehr viel mitgenommen.“

Julian Thimm, Pharmaziestudent, Deutschland

Das Students‘ Package

Bereits das dritte Mal fand mit der Unterstützung der FIP das Students‘ Package statt, welches besonders attraktiv für Studenten und Jungapprobierte ist. Im Package enthalten waren nebst Kongressticket auch Unterkunft, Verpflegung, Transport und Abendprogramm. Teilgenommen haben 72 Studenten und Jungapprobierte aus 25 Ländern aller Kontinente. Die meisten waren das erste Mal auf einem FIP-Kongress, ein Teilnehmer hat dafür sogar das erste Mal überhaupt sein Heimatland verlassen. Es war eine bunte Mischung an Leuten und sehr spannend, diese Tage miteinander zu erleben, zu entdecken und sich über das Leben und die Pharmazie in den einzelnen Ländern auszutauschen. Für die Umsetzung dieses Projektes haben sich der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), die europäische (EPSA, European Pharmaceutical Students‘ Association) und die internationale Studierendenvertretung (IPSF) zusammengetan und im Oktober 2014 mit den Vorbereitungen begonnen. Ob und in welcher Form es auch für den nächsten FIP-Kongress ein Students‘ Package geben wird, ist noch nicht klar. Interessierte können sich auf der Facebookseite informieren (facebook.com/PharmazieMeetsAusland) oder jederzeit gerne eine E-Mail an ausland@bphd.de schicken.

„Ich war mit zuerst nicht sicher, in welchem Bereich ich nach der Uni weitermachen wollen würde. Deshalb wollte ich gerne eine Veranstaltung besuchen, bei der sich viele Experten treffen und man einen guten Einblick bekommen kann, was Apotheker im „richtigen Leben“ eigentlich machen. Glücklicherweise kam das Students‘ Package genau richtig. Das Thema des FIP-Kongresses, Evidence-Based Medicine, hat mich sofort interessiert, und der faire Preis des Students‘ Package hat sein Übriges getan. Der FIP-Kongress hat mir geholfen zu verstehen, wie Pharmazie in den verschiedenen Ländern gelebt wird.“

Nisa Masyitah, Pharmaziestudentin, Indonesien

Weitere Termine

Die nächste Gelegenheit, an einem FIP-Kongress teilzunehmen bietet sich vom 28. August bis 1. September 2016 in Argentinien (http://buenosaires2016.fip.org/). Im Jahr 2017 findet der Kongress in Südkorea und 2018 wieder in Europa, genauer in Glasgow, statt. Andere Möglichkeiten, mit kürzerer Anreise eine Veranstaltung zu besuchen und Pharmazeuten aus verschiedenen Ländern kennenzulernen, bieten sich auch schon zu einem früheren Zeitpunkt. Sowohl der europäische als auch der internationale Studierendenverband organisieren regelmäßig Kongresse oder Austausche.
Zu guter Letzt sei den Ausrichtern des Students‘ Packages gedankt für ihre Ausdauer und ihre guten Ideen, den vielen tatkräftigen Helfern und unseren Sponsoren (DPhG, Klocke, Apothekerverband Nordrhein, Belsana, mysize, WIV-Apotheker, GOVI-Verlag), ohne die der Besuch dieses Kongresses vielen Studenten und Jungapprobierten sicherlich nicht möglich gewesen wäre.

„Ich war begeistert davon, wie viele Leute ich kennengelernt habe und welchen Einfluss man als Apotheker auf der Welt haben kann. Die ganze Woche hat mir sehr geholfen, ein klareres Bild davon zu bekommen, was ich als Apothekerin möchte und wie ich wirklich mithilfe einer Organisation wie FIP etwas ändern kann. Ich möchte jeden ermutigen, wenigstens einmal einen FIP-Kongress zu besuchen – denn es wird sicher deine Sichtweise auf die Pharmazie verändern.“

Sheena Patel, Offizinapothekerin, USA

Von Daniela Kolberg,
FIP Students´ Package