Bewerbungsmarathon – auf geht’s!
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17. March 2016 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Stellensuche für das Praktische Jahr

Bewerbungsmarathon – auf geht’s!

Das sechste Semester ist in vollem Gange und langsam spricht sich herum, dass bereits die ersten Kommilitonen feste PJ-Plätze haben. Natürlich verunsichert es diejenigen, die sich bisher noch gar keine Gedanken darüber gemacht haben. Werde ich noch einen Platz in der Krankenhausapotheke oder in der pharmazeutischen Industrie finden? 

Das Praktische Jahr (PJ) ist der Teil unserer Ausbildung, an den wohl jeder große Erwartungen hat. Ich freue mich auf den praktischen Teil – endlich einmal einen tieferen Einblick in den Ablauf eines Apothekenalltags bekommen oder auch Industrie-, Krankenhaus-, Forschungs- oder Behörden-Luft schnuppern!
Wenn sich das PJ mit großen Schritten nähert, wird es auch Zeit, sich um einen Platz zu kümmern. Ich habe oft gehört, dass Bewerbungen ein bis anderthalb Jahre vorher für die pharmazeutische Industrie und die Krankenhausapotheke eingeplant werden müssen und dass bei Apotheken circa sechs Monate oder kürzer noch ausreichend sind. Meiner Erfahrung nach haben sich viele Kommilitonen wirklich mindestens anderthalb Jahre vor dem Beginn des Praktischen Jahres um eine Stelle in der Krankenhausapotheke bemüht. Besonders die Unikliniken sind sehr beliebt. Für die Industrie reicht in der Regel ein Jahr aus. Oft habe ich sogar noch Anzeigen von Pharmafirmen ein bis zwei Monate vor Praktikumsbeginn gesehen.

Was will ich?

Ich hatte bereits durch meine Famulatur Erfahrungen in der Krankenhausapotheke gesammelt und habe mich entschieden, im PJ auf jeden Fall einen neuen Bereich kennenzulernen. Da lag die pharmazeutische Industrie sehr nahe. Ich wusste zwar, dass es die Bereiche Zulassung, Produktion, Qualitätssicherung, Forschung und Entwicklung gibt. Aber auch durch die Recherche im Internet habe ich nur einen groben Überblick über die Aufgabenbereiche bekommen. Eine konkrete Vorstellung habe ich dadurch eher nicht erlangt. Frei nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ dachte ich mir, dass das PJ die beste Möglichkeit bietet, sich selber ein Bild von einem Arbeitsplatz in der Pharmazeutischen Industrie zu machen.

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Um Stellenangebote für Pharmazeuten im Praktikum zu finden, bietet sich eine Recherche im Internet an. Foto: Antonioguillem (fotolia)

Recherche nach PJ-Stellen

Bevor ich anfangen konnte, Bewerbungen zu schreiben, brauchte ich natürlich konkrete Stellenausschreibungen. Viele aktuelle Stellenanzeigen von Firmen und Apotheken fanden sich auf dem Schwarzen Brett in unserem Fachbereich. Auch die PJ-Börse auf der Internetseite des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) ist hilfreich. Im Weiteren begann ich, gezielt nach Pharmaunternehmen zu suchen. Einige gängige Unternehmen kannte ich schon vor dem Studium. Mit dem Internetauftritt vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) habe ich mir einen Überblick darüber verschafft, welche weiteren Firmen es gibt und wo sie lokalisiert sind. Anschließend habe ich auf deren Internetseite nach Stellenausschreibungen gesucht.
Ein Jahr vor Praktikumsbeginn waren bereits viele Anzeigen online und ich wurde schnell fündig. Mich interessieren sowohl die Laborarbeit in der Pharmazeutischen Technologie als auch die Bereiche Arzneimittelzulassung und Pharmakovigilanz. Ich entschied mich für drei bis vier Stellen, auf die ich mich bewerben wollte – und dann begann der schwierige Teil des Bewerbungsprozesses.

Anschreiben und Lebenslauf – aber wie?

Es ist lange her, dass ich eine Bewerbung schreiben musste. Wahrscheinlich das letzte Mal in der neunten Klasse für ein Schulpraktikum. Also musste ich erstmal die neuen Anforderungen für Lebenslauf und Co. wieder in Erfahrung bringen. Eine gute Übersicht bietet das vom Deutschen Apotheker Verlag herausgegebene Karriereheft (CHANCEPharmazie). Aber auch im Internet findet man zahlreiche Tipps und Beispieltexte.
Der Lebenslauf war schnell erstellt und auch das Bewerbungsfoto war im Kasten. Doch das Anschreiben stellte eine Herausforderung dar. Es soll unter der Masse von Bewerbungsschreiben herausstechen und die persönlichen Stärken hervorheben. Aber es wird doch jeder schreiben, dass er teamfähig ist, oder?
Mit der Hilfe von Freunden und Familie habe ich es dennoch geschafft, ein Anschreiben zu formulieren, das meinen Erwartungen entsprach. Grundsätzlich gehört in das Anschreiben ein kurzer Einblick in den Lebenslauf, die eigenen Erwartungen an das Praktikum und die Antwort auf die Frage, warum man sich gerade in diesem Unternehmen für diese Tätigkeit bewirbt. Dass man diese Punkte nicht mal eben aus dem Ärmel schüttelt, ist klar. Beim Schreiben ist also Geduld gefragt.

Warten, warten, warten

Das siebte Semester hat bereits begonnen und zwischen Wahlpflichtpraktikumsbericht schreiben, Stellenausschreibungen suchen und Bewerbungsunterlagen zusammenstellen habe ich dann endlich Ende Oktober meine Bewerbungen in den jeweiligen Online-Portalen hochgeladen und abgeschickt. Es kamen auch sofort Eingangsbestätigungen per E-Mail. Gleich am nächsten Tag hatte ich eine E-Mail aus Hamburg in meinem Postfach: Ich sollte innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Online-Test machen. Weil ich es schnell hinter mir haben wollte, begann ich sofort mit der Bearbeitung. Es dauerte circa eine Stunde, und nach vielen Logikfragen und Verknüpfungsaufgaben, die man in einer bestimmten Zeit beantworten musste, war der Test auch schon vorbei. Dann hieß es erst einmal warten. Etwa ein bis zwei Wochen später kam dann die nächste Anfrage für einen Online-Test. Dieser war ganz anders als der erste, ich musste viele Texte lesen und dazu Fragen beantworten. Nach den beiden Online-Tests verstrichen die Wochen. Der November näherte sich bereits dem Ende und dann stand der Dezember vor der Tür.

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Bewerbungsgespräche können sehr unterschiedlich ablaufen. Man sollte sich auf jeden Fall gut vorbereiten. Foto: Alexander Raths (fotolia)

Endlich eine Einladung!

Endlich eine E-Mail in meinem Postfach. Eine Einladung zum Bewerbungsgespräch nach Hamburg. Ich war sehr erleichtert und froh. Doch wann sollte ich denn überhaupt zum Bewerbungsgespräch fahren? Jeden Tag in der Woche waren Pflichtveranstaltungen vorgesehen und die wenigen erlaubten Fehltage werden ungern in Anspruch genommen. Zum Glück standen die Weihnachtsferien an und die Firma war mit einem Termin in der ersten Januarwoche einverstanden. Da ich noch keine weiteren Rückmeldungen erhalten hatte, wollte ich mich noch auf einige Stellen bewerben. Ich fand eine interessante Anzeige aus Berlin, die erst vor wenigen Tagen hochgeladen wurde. Ich änderte das Anschreiben ab und schickte die Bewerbung los. Schon wenige Tage später habe ich Terminvorschläge für ein Bewerbungsgespräch erhalten. Das war echt praktisch! Schnell hatte ich mein zweites Gespräch Anfang Januar in der Tasche.

Intensive Vorbereitung

Zwei Gespräche in einer Woche. Ich war sehr gespannt und bereitete mich intensiv mithilfe der Internetauftritte der jeweiligen Unternehmen darauf vor. Einige Präparate sollte man kennen, ebenso den Aufbau des Unternehmens. Es gab viel zu recherchieren. Ich suchte einige Fakten heraus, wieso ich unbedingt zu dem Unternehmen möchte und überlegte mir Fragen, die ich während des Gesprächs stellen wollte (z.B. wie der Arbeitsalltag eines Praktikanten aussieht).

Unterschiedliche Bewerbungsgespräche

In Hamburg angekommen stand mir ein zweistündiges Gespräch mit drei Gesprächspartnern bevor. Aber es war eine angenehme Atmosphäre und mir wurden viele Standardfragen gestellt: Was haben Sie bisher gemacht, wieso wollen Sie zu unserem Unternehmen, warum haben Sie Pharmazie studiert und wieso in Marburg? Auch welche Vorstellungen man von dem Praktikum hat, wurde gefragt. Um mir einen Einblick zu geben, wurde mir anschließend die Arbeit im Unternehmen erläutert. Zum Abschluss folgte ein Rundgang durch das Labor. Insgesamt hatte ich einen sehr positiven Eindruck von dem Unternehmen, dennoch war ich erleichtert, als das Gespräch vorbei war. Ich stieg wieder in den Zug, um nach Hause zu fahren, denn am nächsten Tag ging es nach Berlin.
Wie unterschiedlich alles ablaufen kann, merkte ich beim zweiten Gespräch. In Berlin hatte ich zwei Gesprächspartner, die erst einmal Wissenswertes über das Unternehmen erzählt und anschließend die Stellenausschreibung erläutert haben. Nach den Standardfragen wurden dieses Mal aber kniffligere Fragen gestellt: Wie ich mit schwierigen Personen in einem Team arbeiten würde? Wie ich Probleme angehen würde? Was mache ich, wenn ich die Arbeit zeitlich nicht schaffe und sie dennoch bis morgen erledigt werden muss? Ich wusste bei den Fragen nicht genau, was sie von mir erwarten. Nach rund einer Stunde habe ich auch dieses Vorstellungsgespräch gemeistert.

Geschafft!

Nach ungefähr zwei Wochen fand ich eine Zusage für die Hamburger Firma in meinem E-Mail-Postfach. Ich sagte zu und mir wurden die Vertragsunterlagen zugeschickt. Es war spannend, diese durchzulesen: Urlaubstage sind darin geregelt, Arbeitszeit, Gehalt und vieles mehr.
Das Arbeitsleben beginnt bald, was gleichzeitig auch das Ende der Studienzeit bedeutet. Die Lernphasen werde ich sicher nicht vermissen, dafür aber alles andere! Dennoch freue ich mich auf das Praktische Jahr – endlich Berufserfahrungen sammeln und verschiedene Tätigkeiten kennenlernen! Ich wünsche allen, die auf der Suche nach einer PJ-Stelle sind, viel Erfolg beim Bewerbungsprozess!

Hilfreiche Internetseiten

www.bphd.de (PJ-Börse, Tipps fürs PJ)

www.vfa.de (Mitglieder: forschende Pharmafirmen)

www.progenerika.de (Mitglieder: Generikaunternehmen)

www.jobpharm.de (Jobportal speziell für Apotheker und PTA)

Internetseite der jeweiligen Landesapothekerkammer (PJ-Stellen in der Apotheke)

www.abda.de (Leitfaden für die Ausbildung im PJ)

Von Jennifer Hong,
Pharmaziestudentin in Marburg