Arbeitsrecht – nicht nur fürs PJ
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17. March 2016 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Vom Hörsaal in die Apotheke

Arbeitsrecht – nicht nur fürs PJ

Wer von der Uni ins Berufsleben startet, beginnt dies mit einem „sanften Einstieg“, dem Praktischen Jahr (PJ). Dieses ist noch Teil der Ausbildung und soll die im Studium nicht gut vermittelbaren praktischen Inhalte ergänzen. Aber der Aufbruch in den Apothekenalltag ist mit vielen Fragen verbunden. Ein Interview mit ADEXA-Rechtsexpertin Minou Hansen.

UniDAZ: Frau Hansen, wie gut sind Pharmaziestudierende auf arbeitsrechtliche Fragen und Probleme im PJ und später im Apothekenalltag vorbereitet?

Hansen: Im Studium müssen so viele pharmazeutische Themen vermittelt werden: Da bleibt für die Auseinandersetzung mit arbeitsrechtlichen Fragen schlicht keine Zeit. Im Rahmen der Begleitenden Unterrichtsveranstaltungen wird dies bei vielen Apothekerkammern nachgeholt und das Fachwissen mit betriebswirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Unterrichtseinheiten ergänzt.
Relativ gut vorbereitet sind Studierende, die vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und vielleicht sogar schon in einer Apotheke gearbeitet haben. Ihnen fehlen zwar die speziell für Approbierte geltenden Erfahrungen, aber der Einblick in den Apothekenalltag hat schon ein Problembewusstsein geschaffen.

UniDAZ: Wie ist der Infostand bezüglich der Vergütung für Pharmazeuten im Praktikum, der Verdienstmöglichkeiten und weiterer tariflicher Ansprüche?

Hansen: Zumindest in Bezug auf die Vergütung im PJ wissen die Pharmaziestudierenden in den höheren Semestern vielfach Bescheid. Dies ist ja auch wichtig, wenn man den Lebensunterhalt hiervon selbst bestreiten muss. Positiv ist, dass erst kürzlich die tarifliche Vergütung für PhiP durch Tarifabschlüsse von ADEXA mit den Arbeitgeberverbänden deutlich angehoben wurde: Sie erhalten jetzt während der gesamten zwölf Monate des PJ 880 Euro monatlich als Vergütung. Das ist ein Plus von insgesamt 780 Euro.
Auch die Tarifgehälter für die angestellten Approbierten sind in allen Kammerbezirken (außer Sachsen) ab dem 1. Januar 2016 erhöht worden, sodass auch die Berufseinsteiger profitieren. Gerade bei der Frage der Vergütung gibt es ein paar Kniffe für die Formulierung im Arbeitsvertrag, mit denen man sich einigen zukünftigen Ärger ersparen kann. Weitere tarifliche Ansprüche und Pflichten – wie die Pflicht, Notdienstbereitschaften zu leisten – sind den meisten Studierenden im Detail eher unbekannt.
Vieles davon sollte man aber schon vor Unterschrift des Vertrags zum PJ kennen. Deshalb bietet ADEXA in Zusammenarbeit mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) eine kostenlose Infoveranstaltung speziell für Pharmaziestudierende im 7. oder 8. Semester an.

UniDAZ: Welche Fragen werden Ihnen von den Studierenden besonders häufig gestellt?

Hansen: Wichtig sind den Studierenden Themen wie die Wirksamkeit von mündlichen Arbeitsverträgen, die Berechnung von Teilzeitgehältern und auch die Verpflichtung zum Ableisten von Notdiensten. Auch Fragen zum richtigen Verhalten bei einer Kündigung und den Voraussetzungen des Kündigungsschutzgesetzes höre ich oft.
Für Studierende mit Berufserfahrung stellt sich auch die Frage nach der Anrechnung bei den Berufsjahren. Eine Studentin hatte zum Beispiel schon eine abgeschlossene Ausbildung als PTA. Diese Ausbildung und auch eine mögliche Berufstätigkeit werden zwar nicht automatisch auf die Berufsjahre angerechnet. Dies ist aber zum Beispiel bei Doktoranden oder Dozenten der Fall: Sie könnten zum Beispiel ihre an pharmazeutischen Instituten verbrachten Zeiten auf die Berufsjahre anrechnen und würden dann nicht mit dem Gehalt für das erste Berufsjahr, sondern schon in der zweiten Gehaltsstufe starten. Aber auch der Studentin mit der PTA-Ausbildung konnte ich den Tipp geben, ihre besonderen Kenntnisse als Pluspunkt in die Gehaltsverhandlungen einzubringen.
Da erfahrungsgemäß gerade das erste Vorstellungsgespräch für viele Studierende etwas angstbesetzt ist, liegt ein Schwerpunkt der Veranstaltung von ADEXA und apoBank in der Vorbereitung der Bewerbung und der richtigen Gesprächsführung. Ganz wichtig aus meiner Erfahrung in der ADEXA-Rechtsberatung sind auch die Fragen danach, wie man sich am besten verhält, wenn man einen Arbeitsvertrag vorgelegt bekommt.

UniDAZ: Worauf sollte man denn beim Arbeitsvertrag achten?

Hansen: Meine dringende Bitte ist, diesen Vertrag nicht vor Ort zu unterschreiben, sondern ihn zu Hause noch einmal in Ruhe durchzulesen. Alles, was man nicht gleich versteht oder womit man nicht einverstanden ist, sollte man sich markieren und dann noch einmal mit dem zukünftigen Arbeitgeber besprechen. Damit präsentiere ich mich als verantwortungsbewusster Vertragspartner, der sich auch gegenüber Kunden souverän und informiert verhalten wird. Und ich stelle sicher, dass ich Klarheit über meine Rechte und Pflichten habe, um mich dann meinen eigentlichen Aufgaben im Apothekenbetrieb zu widmen.
Auch ein mündlicher Arbeitsvertrag ist zwar wirksam und wird leider immer noch in manchen Apotheken praktiziert. Aus unserer Erfahrung gibt es aber ohne schriftlichen Vertrag bei Unklarheiten oder zum Beispiel einem Verkauf der Apotheke häufig Probleme, weil sich nicht belegen lässt, was genau vereinbart war.

UniDAZ: Welche Beratungsmöglichkeiten und Informationsquellen gibt es sonst noch?

Hansen: Die Studierenden, die bei uns – während des Studiums beitragsfrei – Mitglied werden, können ab dem Moment des Beitritts kostenfrei Rechtsrat einholen und zum Beispiel ihre PJ-Verträge oder auch ihre ersten Arbeitsverträge durch unsere Juristen prüfen lassen. Auch die Apothekerkammern stehen den Pharmazeuten im Praktikum bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Viele Informationen finden sich auch in der Literatur, auch aus dem Deutschen Apotheker Verlag, oder im Internet. So sind auf www.adexa-online.de die Tarifverträge einsehbar und wir haben viele Tipps rund ums PJ zusammengestellt. Eine gute Adresse ist auch die Internetseite des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland, www.bphd.de.

UniDAZ: In der Praxis hapert es häufig daran, die eigenen Ansprüche durchzusetzen …

Hansen: In der Apotheke geht es um ein „Miteinander“ und nicht um ein „Gegeneinander“. Deshalb muss man lernen, seine Wünsche und Bedürfnisse so zu formulieren, dass der Arbeitgeber sich darauf einlassen kann. Für eine gute Kommunikation ist es zwar unerlässlich, dass man seine Rechte und Pflichten sicher kennt, damit man seinem Gesprächspartner selbstbewusst gegenübertreten kann. Man muss aber – von Naturtalenten abgesehen – erst lernen, konstruktiv zu kommunizieren.
In unserer Infoveranstaltung legen wir den Schwerpunkt auf Tipps für das Bewerbungsgespräch. Es gibt aber auch Hilfestellung für spätere Vertragsverhandlungen.

UniDAZ: Welche abschließende Empfehlung haben Sie für die Studierenden?

Hansen: Gerade bei der Wahl des ersten Arbeitsplatzes kann es sinnvoll sein, nicht nur auf die wirtschaftlichen Bedingungen zu achten, sondern auch darauf, wie viel an Fortbildungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter geboten wird.
Als Gewerkschaft will ADEXA dazu beitragen, weiterhin gute Arbeitsbedingungen für die angestellten Apothekerinnen und Apotheker in der öffentlichen Apotheke zu schaffen – dazu gehört auch das Ziel, künftig besondere Qualifikationen tariflich zu vergüten.

UniDAZ: Frau Hansen, vielen Dank für das Interview!

ADEXA im Kurzporträt

ADEXA ist die Gewerkschaft für das ganze Apothekenteam – auch für Auszubildende, Schüler, Pharmaziestudierende und PhiP. Sie ist die einzige Tarifvertretung auf Arbeitnehmerseite und verhandelt mit den Arbeitgeberorganisationen die Tarifgehälter und Rahmenbedingungen wie Urlaubsanspruch, Sonderzahlungen etc. Außerdem bietet ADEXA ihren Mitgliedern beruflichen Rechtsschutz und vertritt die Interessen der Angestellten in der Berufs- und Gesundheitspolitik. Im Referat Schulen & Unis ist Rechtsanwältin Minou Hansen Ansprechpartnerin für die Fachschaften.

Kontakt: m.hansen@adexa-online.de

Weitere Infos unter www.adexa-online.de

Fragen: Dr. Sigrid Joachimsthaler