„Für Apotheker, die etwas bewegen wollen!“
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17. March 2016 Drucken Empfehlen
Berufsstart
MBA Gesundheitsmanagement

„Für Apotheker, die etwas bewegen wollen!“

Das Pharmaziestudium ist erfolgreich beendet, die erste Berufserfahrung gesammelt – und dann? Fort- und Weiterbildung ist ein wichtiges Thema für viele Apotheker, und die Möglichkeiten sind zahlreich. Apotheker Kent Blake entschied sich für den berufsbegleitenden Studiengang MBA Gesundheitsmanagement in Hamburg. In der UniDAZ gibt er spannende Einblicke in die Aufgaben einer klinikversorgenden Apotheke und erklärt, worum es beim MBA geht – und warum sich die Zusatzausbildung für Apotheker lohnt.

Kent Blake ist Leiter der Klinikversorgung der antares-apotheken in Hamburg. Die drei  Apotheken haben sich neben der Klinikversorgung auf Schwerpunktbereiche wie Onkologie, multiple Sklerose und Rheumatologie spezialisiert.

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Apotheker Kent Blake, Leiter der Klinikversorgung der antares-apotheken, hat den Studiengang MBA Gesundheitsmanagement in Hamburg absolviert. Foto: Institut für Weiterbildung e.V.

Die antares-apotheke versorgt ungefähr 7000 Betten in 80 Kliniken im städtischen und ländlichen Bereich. Darunter finden sich größere Krankenhäuser mit über 800 Betten sowie Häuser mit 40, 100 oder 200 Betten. Auch kleinere Schönheitskliniken werden beliefert. „Wir haben eine sehr breite Spanne von unterschiedlichen Kunden“, erklärt der Apotheker. „Diese haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse und stellen auch andere Anforderungen an uns.“ Denn die Klinikversorgung beschränkt sich nicht nur auf die bloße Lieferung von Arzneimitteln und Medizinprodukten, sondern geht weit darüber hinaus. „Für eine Beautyklinik ist es beispielsweise wichtig, dass wir in der Beratung flexibel für einzelne Fragen da sind. Für ein großes Krankenhaus stehen dagegen die Pharmazeutische Visitenbegleitungen und die Pharmakoökonomie im Vordergrund.“ Dabei gilt es, die Arzneimittellogistik so über die EDV darzustellen und Systeme zu automatisieren und zu optimieren, dass alles rund ums Arzneimittel möglichst wenig Ressourcen bindet. Laut Blake ist das Personal einer der höchsten Kostenfaktoren und muss sehr sorgfältig und zielorientiert eingesetzt werden. „Wir bieten eine individuelle Leistung an, die es braucht, um Abläufe im Krankenhaus – und damit deren Service – zu verbessern“, fasst Blake zusammen. „Denn Arzneimittel liefern kann jeder. Vielmehr geht es darum, was man als Apotheke darüber hinaus tun kann.“ Um ein passgenaues Dienstleistungsangebot zu erstellen, sei es wichtig, die Strategie und das Umfeld der jeweiligen Klinik zu verstehen.

Pharmazeutische Leistungen

Natürlich geht es nicht nur um betriebswirtschaftliche und prozessoptimierende Unterstützung: Auch die pharmazeutische Kompetenz ist ein wichtiger Pfeiler in der Klinikversorgung. Apotheker gehen auf Station, beraten Ärzte bei der Visite zu pharmazeutischen Fragestellungen, überprüfen die Medikation anhand von Patientenakten und bieten Vorträge zu arzneimittelrelevanten Themen an. Jeder Apotheker, der in der Klinikversorgung tätig ist, betreut eines oder mehrere Krankenhäuser. Zusätzlich sind viele von ihnen sogenannte Indikationsapotheker und fungieren für ihre Kollegen als kompetente Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um Spezialfragen zu Antibiotika oder zu Arzneimitteln aus dem Bereich Neurologie geht.

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Der MBA-Studiengang vermittelt das nötige Hintergrundwissen in Sachen Gesundheitswesen, Betriebswirtschaft und Kommunikation. Foto: Rawpixel.com (fotolia)

Nutzen des MBA

Um die Bedürfnisse des Krankenhauses zu verstehen sowie fundierte Lösungen und Leistungen zu erarbeiten, braucht man allerdings das nötige Hintergrundwissen in Sachen Gesundheitswesen, Betriebswirtschaft und Kommunikation. All das ist Gegenstand des MBA Gesundheitsmanagement, den Apotheker Blake in Hamburg absolviert hat. Durch das praxisnah vermittelte Wissen rund um die richtige Sprache und die nötigen Instrumente könne man als Apotheker viel im Gesundheitswesen bewegen. „Wenn man die Zusammenhänge begreift und die Bedürfnisse der anderen Berufsgruppen erkennt, lassen sich schlussendlich die eigenen Anliegen als Apotheker passend und wirkungsvoll adressieren.“

Die richtige Kommunikation

Ein wichtiger Baustein beim MBA ist die Kommunikation. „Man lernt, seine eigenen Inhalte auch in Bereiche zu kommunizieren, die einem primär fachfremd sind“, erklärt der Apotheker. Denn wenn man die eigenen Ziele erreichen möchte, muss man die richtige Sprache sprechen und nicht emotional oder ethisch, sondern eher wirtschaftlich argumentieren können. Im Kurs wurden die Teilnehmer dafür sensibilisiert und erfuhren, welche Mechanismen es gibt, um die Kommunikation auf allen Ebenen zu verbessern. „Das ist ein sehr langsamer Prozess, und man merkt erst im Verlauf, dass man ein anderes Verständnis für sein Gegenüber entwickelt hat und dafür, mit welchen Argumenten man sein eigenes Anliegen besser darstellen kann.“ Die richtige Sprache ist natürlich auch im Apothekenalltag von Bedeutung. Denn Menschen kommunizieren unterschiedlich und benötigen demzufolge eine individuelle Ansprache.

MBA Gesundheitsmanagement in Hamburg 

Seit dem Jahr 2005 bietet das Institut für Weiterbildung an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg den berufsbegleitenden Masterstudiengang „MBA Gesundheitsmanagement“ an. Dieser richtet sich primär an Hochschulabsolventen, die im Gesundheits- oder Sozialbereich arbeiten, beispielsweise in Krankenhäusern, in der stationären oder ambulanten Pflege, bei Gesundheitsbehörden, bei Kranken- und Pflegekassen oder in der pharmazeutischen Industrie.Ziel des Studienganges ist es, den Teilnehmern das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, um betriebswirtschaftlich zu handeln und Führungsaufgaben zu übernehmen. Mithilfe eines Planspiels sollen die beruflichen Erfahrungen der Studierenden in die Lerninhalte integriert werden. Da unterschiedliche Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen im Kurs vertreten sind, wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die fächerübergreifende Betrachtung eines Problems bzw. eines Lösungsansatzes trainiert. Die Dozenten sind zum einen Professoren aus der Uni, zum anderen externe Referenten mit entsprechender Berufserfahrung. So wird dem wissenschaftlichen und berufspraktischen Anspruch Genüge getan. Die Inhalte werden in drei Semestern vermittelt, anschließend haben die Studierenden zwei Semester Zeit, um ihre Abschlussarbeit zu verfassen. Der Kurs findet einmal im Jahr statt und ist auf 25 Teilnehmer begrenzt. Mehr Informationen zum MBA Gesundheitsmanagement in Hamburg gibt es auf der Internetseite www.wiso.uni-hamburg.de/weiterbildung/.

Instrumente erlernen und nutzen

Die reine Rhetorik reicht natürlich nicht aus, um Leistungen zu entwickeln und seine Ziele zu erreichen. „In dem Aufbaustudiengang wurden uns Instrumente aus den unterschiedlichsten Bereichen an die Hand gegeben, sei es auf betriebswirtschaftlicher oder kommunikativer Ebene“, bestätigt Blake. Und auch Themen wie Marketing, Controlling im Krankenhaus, Investitionen und Finanzierung sowie Buchführung waren Teil des Kurses – immer mit Blick auf das Gesundheitswesen. „Dieses Studium ist wirklich gemacht für Akteure im Gesundheitswesen“, bekräftigt der Apotheker.
Weiterhin seien verschiedene Institutionen im Gesundheitswesen von allen möglichen Seiten beleuchtet worden, und die Teilnehmer lernten, sich in den unterschiedlichen Bereichen mit anderen Akteuren und deren Sichtweisen auseinanderzusetzen.
Auch eher abstrakte Vorlesungen wie Wissenstheorie standen auf dem Programm: Wo kommt das Wissen her, wie verbreitet es sich und wie geht man damit um? Dadurch habe man ein gewisses Grundverständnis erlangt, so Blake. „Diese Erkenntnisse haben mich nicht nur beruflich, sondern auch menschlich weitergebracht.“
Als Akteur im Gesundheitswesen brauche man aber nicht nur das nötige Fachwissen, sondern müsse auch das Umfeld und die Bedürfnisse des Gegenübers kennen. „Je mehr und je besser man es kennt, desto eher ist man auch als Person akzeptiert, die eine Lösung bereitstellen kann.”

Highlight: Realistisches Planspiel

Begeistert zeigte sich der Leiter der antares Klinikversorgung von der Praxisnähe des Masterstudiengangs. Denn gleich im ersten Semester startete der Kurs mit einem Planspiel im Krankenhaus. „Es wurden problematische und praxisnahe Situationen mitsamt realistisch skizzierten Personen wie dem Chefarzt und dem Geschäftsführer dargestellt, und man war aufgefordert, diese Situationen mit seinem eigenen Wissen zu lösen“, erläutert Blake. „Nach und nach werden einem dann die Instrumente an die Hand gegeben, die man noch dafür nutzen kann. Somit wird es nie abstrakt, es bleibt immer nah an dem konkreten Fall.“ Da die Kursteilnehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen des Gesundheitswesens kamen, wurden die Probleme aus allen Blickwinkeln beleuchtet. Das Planspiel sei ständig erweitert worden, sodass verschiedenste Aspekte behandelt wurden. Diese ließen sich schnell in den Alltag integrieren: „Zum Teil hat man etwas an einem Wochenende im Kurs gelernt und konnte es in der darauffolgenden Woche am Arbeitsplatz anwenden.“

Gelebtes Projektmanagement

Im Rahmen des Projektmanagements musste außerdem jeder Teilnehmer ein Projekt an seinem Arbeitsplatz finden und im Alltag mit allen möglichen Konsequenzen umsetzen. „Das heißt, man bekam nicht das fiktive Beispiel unter idealen Bedingungen“, macht Blake deutlich. Er stellte ein Projektteam zusammen, und „da wurde man mit den lebensechten Problemen konfrontiert: Keine Zeit, keine Lust und natürlich noch ein paar andere Dinge zu tun. Natürlich sorgte auch die vorher abgesprochene Zeitschiene für einen gewissen Druck – aber halt auch für reale Bedingungen.“ Der Apotheker erinnert sich: „Auch wenn es anstrengend war und wir uns zu Beginn alle dagegen gesträubt haben, war es im Nachhinein das Richtige und sehr lehrreich.“

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Die im Masterstudiengang geknüpften Kontakte mit den unterschiedlichsten Akteuren des Gesundheitswesens sind von großem Wert. Foto: green (fotolia)

Kontakte knüpfen

Da alle Studierenden im selben Boot saßen und mit den gleichen Problemen und Themen konfrontiert waren, entstanden Kontakte und Freundschaften, die bis heute andauern. „Durch die gemeinsame Zeit ist eine Vertrautheit entstanden, die einem weiterhilft und vieles vereinfacht.“ Viele Absolventen sind in Führungspositionen in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitswesens tätig. Diese Kontakte – aus denen sich weitere Verbindungen ergeben – sind von großem Wert. Aber: „Diese persönlichen Kontakte, die einem auch im Berufsleben weiterhelfen können, werden bei den Apothekern, glaube ich, zu diesem Zeitpunkt noch unterschätzt.“ Eines wäre ihm ohne den Studiengang übrigens gar nicht so bewusst gewesen: „Das Gesundheitswesen ist wie ein Dorf. Man weiß ganz genau, wer wo Geschäftsführer ist und wer ein potenzieller Nachfolger sein könnte.“

Großer Bedarf an Apothekern

Der Bedarf an Apothekern ist Blake zufolge in den verschiedensten Bereichen des Gesundheitswesens da. Dazu benötige man jedoch Apotheker mit gesundheitspolitischem und wirtschaftlichem Hintergrundwissen, die den Bedarf des Gegenübers erkannt haben und ihr Anliegen in der richtigen Sprache vermitteln können. „Um sich erfolgreich zu positionieren, muss man sich erst einmal im Klaren darüber sein, welche Position man besetzen möchte, und die entsprechenden Grundlagen lernen, um dorthin zu kommen“, fasst der Leiter der antares Klinikversorgung zusammen. Darauf sei der MBA ausgerichtet: „Dass man weiß, wie Dinge im Gesundheitswesen funktionieren, worum es geht und wie man seine eigenen Interessen darstellen kann, sodass sie für andere Akteure relevant sind.“ Schlussendlich sei der Studiengang für Apotheker geeignet, „die etwas bewegen wollen, Probleme erkennen und mit geeigneten Instrumenten proaktiv Lösungen herbeiführen möchten. Für die, die mehr wollen.“ Nur so könne sich der Berufsstand der Apotheker weiterentwickeln, zeigt sich Blake überzeugt.

Von Annette Lüdecke,
Apothekerin und freie Journalistin in Wedel