Wissenswertes zur Apothekerversorgung
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5. March 2015 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Standeseigene Altersvorsorge

Wissenswertes zur Apothekerversorgung

Je näher das Ende des Studiums rückt, desto häufiger stellt man sich eine Reihe von praktischen Fragen – unter anderem, wie „das eigentlich mit der Rente läuft“. Pauschal lässt sich sagen: Ein bisschen anders. Denn Apotheker haben eine standeseigene Altersvorsorge. Sie können sich – wenn angestellt tätig – in der Regel von der Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen und zahlen ihren Beitrag stattdessen in das berufsständische Versorgungswerk, die Apothekerversorgung, ein.

Berufsständische Versorgungswerke sind Sondersysteme, die für die kammerfähigen Freien Berufe – dazu gehören neben den Apothekern unter anderem Ärzte, Architekten und Rechtsanwälte – die Pflichtversorgung im Alter, also die Rente, sicherstellen. Jeder Berufsstand hat seine eigenen Versorgungswerke.

Struktur der Versorgungswerke

Während die gesetzliche Rentenversicherung im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Sozialversicherung durch den Bund organisiert wird und dieser durch Bundeszuschüsse eine finanzielle Garantie übernimmt, stellen die Länder als föderaler Gesetzgeber für die berufsständischen Versorgungswerke lediglich die rechtliche Basis und den Rahmen für die Gründung bereit. Die Rechtsgrundlagen finden sich im Heilberufsgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Weiteres wird in den Satzungen der Apothekerkammern (berufsständische Selbstverwaltung) geregelt, denn ein Versorgungswerk ist grundsätzlich von einer Apothekerkammer errichtet und gehört dieser an. Ein Versorgungswerk ist somit prinzipiell für das Gebiet einer Landesapothekerkammer – und damit für deren Mitglieder – zuständig. Insgesamt gibt es hierzulande aber 17 Kammerbezirke und nur neun Versorgungswerke. Grund hierfür ist, dass einzelne Versorgungswerke für mehrere Bundesländer bzw. Kammerbezirke zuständig sind. So ist zum Beispiel die Bayerische Apothekerversorgung nicht nur für Bayern, sondern auch für Baden- Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig. Rechtsgrundlage hierfür sind jeweils Staatsverträge zwischen den beteiligten Bundesländern.

Foto: DAZ/Schelbert

Apotheker haben eine standeseigene Altersvorsorge. Foto: DAZ/Schelbert

Apotheker sind Pflichtmitglieder

Apotheker sind automatisch Mitglieder des Versorgungswerkes. Dabei wird folgende Systematik angewandt: Wer seine Approbation als Apotheker erhält, muss sich bei der zuständigen Apothekerkammer anmelden. Und wer Pflichtmitglied in der Kammer ist, der ist auch Pflichtmitglied des – für den Zuständigkeitsbereich dieser Kammer errichteten – berufsständischen Versorgungswerks. Die Kammer informiert zumeist das Versorgungswerk über den Neuzugang, sodass diese auf den Apotheker zukommen kann. Natürlich kann man sich auch direkt beim Versorgungswerk anmelden. Für Pharmazeuten im Praktikum gilt: Wenn sie Mitglied in der Apothekerkammer sind, sind sie auch Pflichtmitglied im berufsständischen Versorgungswerk. Es empfiehlt sich also, bereits vor dem Praktischen Jahr das zuständige Apotheker-Versorgungswerk zu kontaktieren.

Befreiung möglich, wenn …

Um nicht in zwei Rentenversicherungen – der berufsständischen und der gesetzlichen – einzuzahlen, können sich angestellte Apotheker, die eine apothekerliche Tätigkeit ausüben (z.B. in der Apotheke), von der Versicherungspflicht der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen. Im Umkehrschluss heißt das: Wenn die konkrete Tätigkeit als nicht apothekerlich eingestuft wird, ist die Befreiung nicht möglich. Die Pflichtmitgliedschaft bei der Apothekerversorgung bleibt allerdings bestehen. In diesem Fall oder wenn jemand sich nicht befreien lassen möchte, muss neben dem Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung zusätzlich einen Mindestbeitrag (z.B. 112,46 Euro, entspricht einem Zehntel des Höchstbetrages der gesetzlichen Rentenversicherung) an das zuständige Versorgungswerk gezahlt werden. Dass sich ein Apotheker von der gesetzlichen Rente nicht befreien lassen möchte, kommt laut dem Dachverband aller berufsständischen Versorgungswerke, der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V. (ABV), allerdings selten vor: Denn in der berufsständischen Versorgung ist die Absicherung passgenauer auf die Verhältnisse im Freien Beruf zugeschnitten. Den Antrag auf Befreiung gibt es beim Versorgungswerk, das auch die ausgefüllten Formulare entgegennimmt und an die Rentenversicherung weiterleitet. Wichtig ist, dass der Antrag auf Befreiung spätestens drei Monate nach Aufnahme der Beschäftigung, für die man sich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen will, beim Versorgungswerk eingeht. Denn sonst gilt die Befreiung erst vom Tag der Antragstellung an. Die Entscheidung über die Befreiung trifft die gesetzliche Rentenversicherung, die das Ergebnis per Bescheid dem Apotheker und dem Versorgungswerk mitteilt.

Keine lebenslange Befreiung

Wenn man zu Beginn seiner Apothekenkarriere befreit wurde, so gilt das jedoch nicht für den Rest des Berufslebens. Denn seit den Entscheidungen des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2012 muss man sich sowohl bei jedem Arbeitgeberwechsel, als auch bei jeder wesentlichen Änderung des Tätigkeitsfeldes innerhalb des Unternehmens neu befreien lassen (Formulare gibt es beim zuständigen Versorgungswerk). Dabei ist nicht immer klar, was ein „wesentlicher Wechsel im Tätigkeitsfeld“ ist. Die Rentenversicherung ist laut ABV der Auffassung, dass ein neuer Befreiungsantrag gestellt werden muss, wenn sich der Arbeitsvertrag zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ändert. Der ABV empfiehlt, dass man dem Antrag gegebenenfalls eine Stellenund Funktionsbeschreibung beilegt, aus der deutlich wird, dass es sich bei dem entsprechenden Arbeitsplatz (z.B. in der pharmazeutischen Industrie) um eine apothekerliche Tätigkeit handelt. Die Entscheidung obliegt auch in diesem Fall der gesetzlichen Rentenversicherung.

Versorgungswerke für Apotheker Kammerbezirk
Bayerische Apothekerversorgung Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland
 Apothekerversorgung Berlin  Berlin, Brandenburg
 Versorgungswerk der Landesapothekerkammer Hessen  Hessen
 Apothekerversorgung Mecklenburg-Vorpommern  Mecklenburg-Vorpommern
 Apothekerversorgung Niedersachsen  Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt
 Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein  Nordrhein
 Sächsisch-Thüringische Apothekerversorgung  Sachsen, Thüringen
 Apothekerversorgung Schleswig-Holstein  Schleswig-Holstein
 Versorgungswerk der Apothekerkammer Westfalen-Lippe  Bremen, Westfalen-Lippe

Was tun bei Umzug?

Es ist nicht unüblich, dass man im Laufe seines Lebens umzieht, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Beim Umzug bzw. Arbeitsplatzwechsel in ein anderes Bundesland ist in der Regel ein anderes Versorgungswerk zuständig. In diesen Fällen muss man sich beim alten Versorgungswerk abund beim neuen anmelden und eine neue Befreiung beantragen. Bereits gezahlte Beiträge bleiben im alten Versorgungswerk stehen, werden fortlaufend dynamisiert und bei Eintritt in das Rentenalter wird eine der Beitragszahlung äquivalente Rente gezahlt. Wenn die Mitgliedschaft allerdings weniger als 96 Monate gedauert hat, dann kann innerhalb einer Frist beantragt werden, dass die bisher gezahlten Beiträge ins neu zuständige Versorgungswerk übertragen werden. Dies empfiehlt sich meist, wenn man davon ausgehen kann, dass man längerfristig im neuen Kammerbereich tätig sein wird.

Gut zu wissen

Damit der Start ins Berufsleben möglichst reibungslos funktioniert, ist es ratsam, sich im Vorfeld über Themen wie Inhalt des Arbeitsvertrages oder die Altersvorsorge zu informieren. Bei Fragen rund um die Apothekerversorgung kann und sollte man sich direkt an das Versorgungswerk wenden. Wichtig ist nur, dass es das Zuständige ist: Denn aufgrund von satzungs- und länderspezifischen Vorgaben können einige Regelungen von Versorgungswerk zu Versorgungswerk variieren. Falls Sie das Thema Apothekerversorgung beim ersten Job oder beim Arbeitsplatzwechsel versehentlich mal ganz ausblenden sollten: Irgendjemand (Apothekerkammer, Versorgungswerk, Arbeitgeber, …) wird sicher auf Sie zukommen. Schön ist es dann natürlich trotzdem, wenn man mit dem weiteren Prozedere vertraut ist.

Von Annette Lüdecke,
Apothekerin und Volontärin in Stuttgart

Danksagung
Ein herzlicher Dank geht an die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V. für die fundierte und ausführliche Auskunft.