Vorsorge gegen den Verdienstausfall
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28. September 2015 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Berufsunfähigkeitsversicherung

Vorsorge gegen den Verdienstausfall

Wer heute studiert, muss bis mindestens 67 arbeiten. Eine lange Zeit … aber nicht jeder ist auch so lange erwerbsfähig. Künftig wird fast jeder Zweite wegen eines psychischen oder physischen Leidens vorzeitig aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, sagen Experten. Deshalb ist es existenziell, gegen das Risiko einer Berufsunfähigkeit abgesichert zu sein.

Katharina studiert im fünften Semester Pharmazie. Privat ist sie eine begeisterte und talentierte Reiterin. Dann – in den Semesterferien – verunglückt die junge Frau. Die Diagnose ist erschreckend: Katharina ist querschnittsgelähmt. An die Fortsetzung des Studiums ist nicht zu denken, geschweige denn an eine spätere Arbeit in der Offizin …
Solche Fälle sind zum Glück eher selten. Viel häufiger führen psychische Erkrankungen und Nervenleiden zu einer Berufsunfähigkeit. 2015 lagen sie mit 33 Prozent als Ursache auf dem ersten Platz. Das gilt für Männer wie Frauen. Mit durchschnittlich 44,2 Jahren ist für die Betroffenen Schluss mit dem Berufsleben – und gleichzeitig auch dem Arbeitseinkommen. Die Wahrscheinlichkeit für Zwanzigjährige, im Laufe des Erwerbslebens zeitweise oder dauerhaft berufsunfähig zu werden, liegt heute bei 43 Prozent!
Wer wie Katharina schon während des Studiums berufsunfähig wird, ist besonders schlimm dran. Denn hier greift nicht einmal die staatliche Erwerbsminderungsrente. Diese Leistung bekommt nämlich nur, wer mindestens fünf Jahre lang gesetzlich rentenversichert war und innerhalb der letzten fünf Jahre 36 Monate lang Beiträge gezahlt hat.
Aber diese Rente ist mager. Und: Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeit, bei der es um den zuletzt ausgeübten Beruf geht, bedeutet erwerbsunfähig, dass man gar keinen Beruf mehr ausüben kann. Voll erwerbsunfähig ist, wer weniger als drei Stunden pro Tag arbeiten kann; bei drei bis sechs Stunden täglich spricht man von teilweiser Erwerbsminderung.

BU-Rente des Versorgungswerks

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Bevor man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, gilt es, sich sorgfältig über die Leistungen und Bedingungen zu informieren. Foto: contrastwerkstatt (fotolia)

Für angehende Pharmazeuten hat die Kammermitgliedschaft zwei Vorteile: Sie können sich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Und sie haben über das Versorgungswerk der Kammer bei einer Berufsunfähigkeit (BU) Anspruch auf eine BU-Rente. Die Voraussetzungen für den Leistungsfall sind in den jeweiligen Satzungen festgelegt und unterscheiden sich etwas voneinander. Eines trifft aber immer zu: Die BU-Rente wird nur dann gezahlt, wenn eine 100-prozentige Berufsunfähigkeit besteht, pharmazeutische Tätigkeiten also überhaupt nicht mehr ausgeübt werden können. Solange Sie als angestellter Apotheker noch Gehalt bekommen oder sich in Ihrer eigenen Apotheke vertreten lassen, gibt es keinen Anspruch auf die Leistung. Daher ist es sinnvoll, privat vorzusorgen, mit einer Versicherung, die bereits ab einer 50-prozentigen Berufsunfähigkeit greift.

Apothekerberuf: niedriges Risiko

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung haben Sie Glück, was Ihre Berufswahl angeht: Denn Apotheker gilt als Beruf mit niedrigem Risiko. Daher sind die Prämien günstiger als bei Lehrern, Fluglotsen oder Polizisten. Und Sie sind noch jung: Das ist auch gut, denn die Beiträge steigen, je später Sie einsteigen. Allerdings spielen zwei weitere Faktoren eine Rolle, ob Sie überhaupt eine Versicherung bekommen und das zu einem vertretbaren Beitrag: Das eine sind Ihre Hobbys und das andere eventuell bestehende Erkrankungen.

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Bei Hobbys mit hohem Risiko wird in der Regel ein Aufschlag fällig. Foto: Christoph Hähnel (fotolia)

Gefährliche Hobbys?

Wenn Sie in Ihrer Freizeit regelmäßig Freeclimbing betreiben, müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Antrag auf eine BU-Versicherung abgelehnt wird. Das Risiko, dass Ihnen tatsächlich etwas zustößt und Sie schon in jungen Jahren invalide werden, ist den Versicherern einfach zu hoch. Kitesurfing oder Springreiten könnten zu einem Aufschlag von etwa 50 Prozent führen, Paragliding sogar die Prämie verdoppeln. Angeben muss man solch ein Hobby trotzdem, denn sonst kann die Versicherung die Leistung wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht verweigern.

Vorerkrankungen

Außerdem wird man nach seinem Gesundheitszustand gefragt: Auch hier gilt es, gründlich und wahrheitsgemäß zu antworten, auch wenn das zu Zuschlägen oder gar einer Ablehnung führen könnte. Zum Glück haben Sie als Studierende meist noch nicht mit chronischen Erkrankungen zu kämpfen. Daher ist es ratsam, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.

Bei der Gesundheitsprüfung gibt es drei Varianten:

  1. Bei Erkrankungen wie einer Depression, multipler Sklerose oder Diabetes Typ 1 wird man voraussichtlich überhaupt keinen Vertrag erhalten (Ablehnung).
  2. Bei Allergien, Neurodermitis, einem Bandscheibenvorfall oder Asthma wird der betreffende Problembereich vom Versicherungsschutz ausgenommen (Ausschluss).
  3. Bei Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder starkem Übergewicht u. ä. muss man mit Zuschlägen rechnen (Risikozuschlag).

Gerade bei psychischen Störungen sind die Versicherungen sehr hellhörig und risikobewusst. Schon eine Behandlung wegen einer Spinnenphobie kann zur Ablehnung führen. Das Problem: Wenn Ihr Antrag von einer Versicherung abgelehnt wurde, wird dies in einer zentralen Datenbank der Versicherungswirtschaft gespeichert – und Sie haben dann auch bei anderen Unternehmen schlechte Karten. Hier sollten Sie die Versicherungsbedingungen sorgfältig vergleichen: Für welchen Zeitraum werden die Gesundheitsfragen gestellt? Maximal sollten Sie fünf Jahre bei ambulanten und zehn Jahre bei stationären Erkrankungen akzeptieren.

Einzelvertrag oder Kombination?

In der Regel empfehlen Verbraucherschützer den Abschluss einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU). Wenn Sie bereits Familie haben, ist auch die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BUZ) in Kombination mit einer Risikolebensversicherung zu erwägen – dies ist oft kaum teurer und sichert Angehörige für den Todesfall ab. Eine Kombination von BUZ mit Kapitallebens- oder Rentenversicherungen gilt dagegen als teuer und ungünstig im Fall, dass Sie später die Beiträge nicht mehr zahlen können.
Achten Sie außerdem darauf, dass die von der Versicherung erwirtschafteten Überschüsse dazu genutzt werden, Ihre Prämien zu senken (Beitragsverrechnung).

Genau hinschauen

Je früher Sie einsteigen, desto wichtiger ist es, dass sich die Höhe der Leistung und Beiträge später erhöhen lassen, wenn sich Ihre Lebensumstände geändert haben (Nachversicherungsgarantie).
Außerdem wichtig: eine Versicherungszeit und Leistungsdauer möglichst bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze von 67 Jahren sowie eine ausreichende Höhe der BU-Rente. Denn wer arbeitsunfähig ist, hat oft krankheitsbedingt hohe laufende Kosten. Experten raten, etwa zwei Drittel des Nettoeinkommens als Leistung zu vereinbaren. Orientieren können Sie sich dabei an den Tarifgehältern im Apothekenbereich, die Sie auf der ADEXA-Internetseite finden (www.adexa-online.de). Als Pharmazeut macht es Sinn, beim Vergleich von Angeboten auch die Berufsunfähigkeitsabsicherung der Deutschen Ärzteversicherung mit in Betracht zu ziehen, denn hier werden die Interessen von Heilberuflern besonders berücksichtigt. Entsprechende Infos erhalten Sie über die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (www.apobank.de).

Literaturtipp

Berufsunfähigkeit gezielt absichern – Der Weg zum besten Vertrag
Verbraucherzentrale NRW
5. Auflage 2013 / € 9,90
ISBN 9783863360177
auch als E-Book erhältlich

In den Medien sind außerdem Testberichte zu finden:
finanzen.de
Finanztest 7/2014 (und voraussichtlich 8/2015, www.test.de)
€uro 4/2015
Ökotest 3/2014 (www.oekotest.de)

Ein Tipp: In den Verbraucherzentralen können Sie sich gegen
eine geringe Gebühr Kopien der Beiträge anfertigen.

Von Dr. Sigrid Joachimsthaler,
ADEXA, Leitung Presse & Öffentlichkeitsarbeit