Über Flavonoide in Moringa-Arten
Foto: Ruth Ilchmann
28. September 2015 Drucken Empfehlen
Wissenschaft
UniDAZ-Wissenschaftspreis

Über Flavonoide in Moringa-Arten

Zubereitungen aus Moringa erfreuen sich aufgrund des hohen Flavonoidgehaltes zunehmender Beliebtheit. In ihrer Heimat, Indien und Afrika, werden Moringa-Arten schon seit vielen Jahrhunderten genutzt. Im Süden Äthiopiens sind die Blätter ein wichtiges Nahrungsmittel. Die darin enthaltenen Flavonoide spielen als Radikalfänger auch in der Medizin eine Rolle, da viele Krankheiten mit oxidativem Stress assoziiert werden. 

Die Flavonoide Quercetin und Kaempferol wurden bereits in verschiedenen Moringa-Arten nachgewiesen. In der vorliegenden Arbeit wurde das Untersuchungsmaterial von Moringa stenopetala an unterschiedlichen Standorten in Äthiopien gesammelt, das von Moringa oleifera – der wohl bekanntesten Moringa-Spezies – stammt aus Indien und Ruanda. In diesen Pflanzenproben wurden die Flavonoide Quercetin, Kaempferol und Isorhamnetin quantifiziert. Die Untersuchungen zeigten, dass sich die beiden Moringa-Arten sowohl in ihrer Flavonoid-Zusammensetzung als auch im relativen Gehalt an Flavonoiden unterscheiden. Beim Vergleich der Proben einer Art standen die absoluten Gehaltsunterschiede im Vordergrund. Aus den Ergebnissen kann geschlussfolgert werden, dass die Arten ein unterschiedliches Spektrum an Flavonoiden bilden und dass der absolute Gehalt vermutlich durch äußere Faktoren beeinflusst wird. Zudem konnte erstmalig Isorhamnetin in den Pflanzenproben von Moringa oleifera quantifiziert werden.

Heilmittel aus der Natur

Derzeit wird Moringa als Nahrungsergänzung angeboten oder in Pflegeprodukten verarbeitet. Um die Möglichkeiten der medizinischen Nutzung weiter zu erforschen und gegebenenfalls voranzutreiben, wäre die Herstellung von standardisierten Extrakten wünschenswert. Zudem gilt es zu klären, ob die in den Tropen beobachteten immunstärkenden Effekte auf europäische Konsumenten übertragbar sind. Afrikanische Patienten profitieren aufgrund einer weniger ausgeglichenen Ernährung möglicherweise deutlich stärker als Personen im westlichen Kulturkreis.
Da in Europa das Interesse an „Heilmitteln aus der Natur“ wächst, könnten Moringa-Produkte in den nächsten Jahren auch hierzulande eine größere Rolle spielen.

UniDAZ-Wissenschaftspreis 

Der Siegerbeitrag im Wettbewerb um den diesjährigen UniDAZ-Wissenschaftspreis ging aus einer Diplomarbeit mit dem Titel „Comparative Study of Flavonoids in Moringa stenopetala and Moringa oleifera“ hervor, die im Rahmen eines vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts angefertigt wurde. Ruth Ilchmann verfasste diese Diplomarbeit an der Addis Abeba University in Äthiopien und am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Neubert. Mit ihrer Arbeit setzte sie sich gegen neun Mitbewerber durch. Der UniDAZ-Wissenschaftspreis wurde auf der Interpharm in Hamburg verliehen. 

Von Ruth Ilchmann,
Apothekerin und Doktorandin
an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg