Präventionsprojekt im Klassenzimmer
Foto: Dr. Tatjana Surowy
28. September 2015 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Apotheker klären auf

Präventionsprojekt im Klassenzimmer

Im Rahmen des Projekts „Apotheke macht Schule“ vermitteln Apotheker ihr Wissen zu Gesundheits- und Präventionsthemen in Hamburger Schulen. Das Projekt richtet sich nicht nur an Schüler verschiedener Altersgruppen, sondern ist auch an Eltern und Lehrer adressiert. Ziel ist es, Gesundheitsthemen kompetent und lebendig zu vermitteln und für einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper zu sensibilisieren.

Ende 2013 erfuhr ich das erste Mal vom Projekt „Apotheke macht Schule“. Im Rundschreiben der Apothekerkammer Hamburg wurde nach Apothekern gesucht, die ehrenamtlich Vorträge zu Gesundheitsthemen an Schulen halten.
Das Projekt weckte bei mir sofort großes Interesse: Mein Wissen an jüngere Menschen weiterzugeben, empfand ich als große Chance und ich war neugierig darauf, einen Ausflug in ein mir unbekanntes Terrain zu machen.
Anfang 2014 ging es zum ersten Treffen ins Hamburger Apothekerhaus, bei dem der Geschäftsführer der Apothekerkammer, Dr. Reinhard Hanpft, das Projekt vorstellte. Wir erfuhren, dass wir auf bereits ausgearbeitete Vorträge Zugriff haben, die von Ärzten, Apothekern und Psychologen verfasst und ständig aktualisiert werden. Diese sind werbefrei und unabhängig, sodass die Aufklärung vom Apotheker als Heilberufler im Fokus steht – und nicht die Produkte aus der Apotheke. Ein Vortrag inklusive Diskussionsrunde dauert ein bis zwei Schulstunden (45 – 90 Minuten).

Sieben Vorträge zur Auswahl

Derzeit bietet die Apothekerkammer Hamburg in Abstimmung mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung sieben verschiedene Vorträge an. Die Vorträge „Pickel – (k)ein Problem!“, „Doping für den Alltag – Lifestyle-Pillen für jede Lebenslage?“ und „Sonne, Strand und Sonnenbrand“ richten sich an Schüler verschiedener Altersgruppen (Fünft- bis Zehntklässler). Neben der Aufklärung zu gesundheitlichen Aspekten sollen sie nicht nur über die referierten Themen nachdenken, sondern auch Normen diskutieren sowie Ideale, vermittelt durch Werbung und Medien, kritisch hinterfragen. So wird unter anderem über Schönheitsideale und deren Entwicklung gesprochen: Der Fokus liegt auf dem Unterschied zwischen bearbeiteten Fotos in den Medien und der Realität. Ziel ist es, dass die Schüler ein positives Selbstwert- und Körpergefühl entwickeln.
Daneben gibt es Vorträge für Eltern: In „Auf Leistung getrimmt?“ geht es um Anspruch und Wirklichkeit von leistungsfördernden Medikamenten. Auch der kritische Umgang mit Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln spielt eine wichtige Rolle. Möglichkeiten und Grenzen von Heilkräutern und Hausmitteln bei leichten Erkältungskrankheiten, Ohrenschmerzen und Magen-Darm-Erkrankungen erkennen – das erwartet die Zuhörer in „Natürlich gesund? Natürlich gesund!“. Der dritte Vortrag handelt von Läusen, Zecken & Co. und sorgt für Aufklärung über parasitäre Erkrankungen wie Kopflaus- und Flohbefall sowie durch Zecken übertragbare Krankheiten. Die Eltern werden über Präventionsmöglichkeiten und Behandlungsmaßnahmen informiert. Der Lehrerschaft wird mit dem Vortrag „Chronisch kranke Kinder im Schulunterricht“ vermittelt, wie sie Arzneimittelnebenwirkungen oder bedrohliche Krankheitssymptome bei ihren Schülern besser erkennen können. Besprochen werden unter anderem Diabetes, Asthma bronchiale und Allergien.

Im Jahr 2006 initiierte die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Landesapothekerverband das Projekt „Apotheke macht Schule, Prävention im Klassenzimmer“. Unterstützt wurde es vom Kultusministerium Baden-Württemberg. In den folgenden Jahren wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultur, dem Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) sowie der Bayerischen Landesapothekerkammer weiter ausgebaut. In den Jahren darauf machten weitere Kammern beim Präventionsprojekt mit, beispielsweise die Landesapothekerkammern Rheinland-Pfalz, Westfalen-Lippe und Berlin.

Ansprache der Schulen

Am Ende des Treffens entschied sich jeder Apotheker für Themen und für Stadtteile, in denen er tätig werden wollte. Im nächsten Schritt ging es darum, die Schulen auf unterschiedlichen Wegen anzusprechen.
Mit Flyern zum Projekt „Apotheke macht Schule“, konzipiert von der Apothekerkammer Hamburg, besuchte ich Schulen in meiner Umgebung und klärte das Sekretariat und die Schulleitung über das Projekt auf. Schnell merkte ich, dass das Interesse zwar groß war, aber meist die Zeit fehlte, um einen Vortrag in die vollgepackten Unterrichtspläne der Schulen einzubauen. Daneben warb das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung an den Schulen für das Projekt. Einige ehrenamtlich tätige Apotheker informierten darüber hinaus auf der Messe „Pakt für Prävention – Gemeinsam für ein gesundes Hamburg“ im Herbst 2014 über „Apotheke macht Schule“.

Foto: Syda Productions (fotolia)

Die Gesundheits- und Präventionsthemen kommen gut an. Foto: Syda Productions (fotolia)

Erfolgreicher erster Vortrag

Über die Apothekerkammer erhielt ich schließlich meine erste Anfrage: Eine Stadtteilschule hatte Interesse am Vortrag „Pickel – (k)ein Problem“ – und das gleich für zwei sechste Klassen. Als ich die Schule im Vorfeld besuchte, um technische Aspekte und Fragen zu klären, warnte mich der Lehrer, dass es sich bei meinem ersten Publikum um eine „sehr dynamische Klasse“ handele.
Am Abend vor dem ersten Vortrag musste ich mir eingestehen, doch etwas aufgeregt zu sein, denn diese Situation war komplett neu für mich. Themen so wiederzugeben, dass auch junge Menschen etwas davon mitnehmen, ist bestimmt eine echte Herausforderung! Und was mir noch mehr Sorgen machte: Wie kann ich aufgeweckte Schüler einer sechsten Klasse 45 Minuten lang „unterhalten“, ohne dass sie unruhig werden?
Als die ersten Schüler am nächsten Morgen die Klasse betraten und mich nett begrüßten, verschwand die Nervosität langsam. Zu Beginn der Präsentation erläuterte ich neben dem Aufbau der Haut auch Ursachen und Entstehung von Akne und Pickeln und erklärte, was man gegen die lästigen Mitesser tun kann. Der Vortrag war ein voller Erfolg. Nicht nur in der Diskussionsrunde stellten die Schüler viele Fragen, die ich natürlich gerne beantwortete.
Der zweite Vortrag lief ebenso reibungslos und der Lehrer war begeistert, wie viel Interesse seine Schüler zeigten. Im Anschluss machten wir einige Termine für Vorträge zu anderen Themengebieten aus.

Wissen weitergeben

Allein an dieser Schule habe ich in den kommenden Monaten mehrere Termine. Nächstes Mal steht das Thema „Sonne, Strand und Sonnenbrand“ an. In dem Vortrag werden Schüler dafür sensibilisiert, welche Folgen es für die Haut hat, wenn sie sich der Sonne zu lange und vor allem ohne Schutz aussetzen. Sie sollen lernen, Verantwortung für ihre Haut und ihren Körper zu übernehmen. Mit dem Präventionsprojekt kann bereits in jungen Jahren das Bewusstsein für die eigene Gesundheit geschärft werden, und das kann sich durchaus positiv auf die weitere Entwicklung auswirken.
Durch das Projekt konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln und auch mal abseits des HV-Tischs mit Menschen über Gesundheitsthemen in Dialog treten. Es ist schön, sein Wissen an junge Menschen weiterzugeben und zu sehen, wie es dankend angenommen wird. Ich freue mich daher auf die weiteren Vorträge, die ich im Rahmen des Projekts „Apotheke macht Schule“ halten darf.

Von Helena Shalibeik,
Apothekerin in Hamburg