28. September 2015 Drucken Empfehlen
Studium
DIE „AG ZUKUNFT“ DES BPHD

MITMISCHEN STATT NUR MÖRSERN!

Im vergangenen Semester hat der Bundesverband der Phar­ maziestudierenden die Arbeitsgruppe „AG Zukunft“ auf den Weg gebracht, die die Approbationsordnung des Pharmazie­ studiums auf den Prüfstand stellt. Struktur und auch In­ halte werden detailliert unter die Lupe genommen und auf Aktualität, Notwendigkeit und Verbesserungsmöglichkeiten geprüft. Hierbei ist jeder Pharmaziestudierende eingeladen, sich aktiv zu beteiligen.

Der typische Uni-Tag eines Pharmaziestudierenden – egal welchen Semesters – sieht ungefähr so aus: Vormittags finden von 8 bis 12 Uhr Vorlesungen statt. Dann folgt um 12:15 Uhr vielleicht noch ein Seminar. Um 14 Uhr, nach einer Stunde Mittagspause (wenn man Glück hat!), beginnt das Laborpraktikum. Dafür sollte man möglichst schon die Seminare nachgearbeitet haben. Um sechs Uhr abends ist schließlich Ende (es sei denn, man hat um 18 Uhr noch ein Seminar), danach hat man endlich seinen wohlverdienten Feierabend, den man dann damit verbringen darf, Laborprotokolle zu schreiben und den gelernten Stoff nachzuarbeiten. Zu Letzterem kommt man meistens gar nicht mehr, weil in den Kopf einfach nichts mehr hineinwill. Das alles zieht sich meist bis in die vorlesungsfreie Zeit, die durch Praktika und Se- minare, Famulatur und Wahlpflichtpraktikum sehr begrenzt ist. Damit soll man dann auch noch ein Privatleben, Sport oder gar einen Minijob vereinbaren können.

Foto: BPhD

Der BPhD­Vorstand – Maximilian Buch (rechts im Bild), Beauftragter für Lehre und Studium, leitet die AG Zukunft. Foto: BPhD

AUSWENDIGLERNEN STATT BEGREIFEN

Die Fülle des Stoffes und ein voller Stundenplan sind dabei nicht unbedingt der größte Frustfaktor. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass kaum zu eigenständigem Denken, wissenschaftlicher Skepsis und kreativem Problemlösen angehalten wird. Das viele Auswendiglernen bei gleichzeitig zu wenig Zeit um die Inhalte nachhaltig zu begreifen, stumpft die Studierenden letztendlich ab und ist nicht mehr zeitgemäß. Viel wichtiger ist aufgrund der immer größer werdenden Fülle von Arzneistoffen die Vermittlung der Fähigkeit, Wissen zu recherchieren, kritisch zu bewerten und umzusetzen. „Bulimie-Lernen“ ist dabei das Stichwort: Wegen des Zeitmangels während des Semesters wird sich kurz vor den Klausuren noch schnell das gesamte Wissen angeeignet, oft in Bibliothekssitzungen, die von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts gehen. Ist die Klausur dann bestanden, geht es weiter mit der nächsten. Die Prüfungsstruktur muss sich grundlegend ändern, was sowohl für Klausuren als auch für Staatsexamina gilt. Inwieweit das halbstündige Abfragen des Stoffes von vier Jahren Studium eine repräsentative Abschlussnote ergeben kann, ist außerdem mehr als fragwürdig. Viele wichtige, kompetenzfördernde Inhalte kommen außerdem im Pharmaziestudium zu kurz. Das Fach Pharmakotherapie zum Beispiel wird nur am Rande zum Ende des Studiums behandelt, oft sind die Referenten Mediziner und nicht Pharmazeuten. Fertigarzneimittelkunde wird so gut wie nicht gelehrt. Im Gegensatz dazu werden zum Beispiel immer noch viele Arzneimittelsynthesen im Studium behandelt und auch im zweiten Staatsexamen abgefragt, obwohl diese in Forschung und Industrie hauptsächlich nur von Chemikern durchgeführt werden.

GROSSER HANDLUNGSBEDARF

In den letzten Jahren wurde in der Standespolitik und in Verbänden viel über eine Reform des Pharmaziestudiums diskutiert, inzwischen gerät das Thema allerdings wieder in den Hintergrund. Wir als Vertreter der pharmazeutischen Studierendenschaft sehen nach wie vor starken Handlungsbedarf und wollen an dieser wichtigen Debatte festhalten und sie so lange fortführen, bis schließlich Ergebnisse erzielt werden. Zu wichtig ist das Thema, als dass es in Verges- senheit geraten darf. Eine gute und zielori- entierte Ausbildung ist der Grundbaustein für die Arbeit von Apothekerinnen und Apothekern in Industrie, Forschung, Krankenhaus, Offizin und anderen Bereichen. Das Gesundheitssystem profitiert nachhaltig davon und kann im Umkehrschluss ohne gut ausgebildete Pharmazeuten nicht funktionieren. Daher fordern wir eine zeitnahe Revision der Inhalte des Pharmaziestudiums, beispielsweise durch eine Arbeitsgruppe der Bundesapothekerkammer sowie eine fortlaufende, regelmäßige Evaluation dieser Inhalte.

WO SOLL ́S HINGEHEN?

Logo: BPhD

Logo: BPhD

Auf der einen Seite verlangt die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mehr Praxisnähe für die Offizin, auf der anderen Seite möchte die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) den Schwerpunkt im Pharmaziestudium auf die Forschung setzen. Diese beiden Richtungen schließen sich aus Sicht des BPhD keinesfalls gegenseitig aus, zurzeit fehlt es dem Studium allerdings an beidem. Die Universitäten verschließen sich auf der einen Seite der Realität, dass 80 Prozent der Absolventen später in der öffentlichen Apotheke arbeiten und warnen vor einer Abschiebung des Studiengangs an die Fachhochschule mit zu viel Praxisnähe. Andererseits werden sie ihrem eigenen Anspruch eines naturwissenschaftlichen Studiengangs ebenfalls nicht gerecht.

WAS MACHT DIE AG ZUKUNFT?

Die AG Zukunft besteht aus dem Beauftragten für Lehre und Studium des BPhD, Maximilian Buch, sowie engagierten Pharmaziestudierenden aus ganz Deutschland. Frühere Ideen und Erkenntnisse der AGs des BPhD, wie der Beitrag zur Leitbilddebatte der ABDA und der Curricularvergleich der Hochschulstandorte sollen dabei inhaltlich einfließen. Im ersten Schritt wurde die Approbationsordnung auf Herz und Nieren geprüft. Was ist gut, was kann noch besser werden, was muss gehen? Im zweiten Schritt wird daraus ein Modellstudium erstellt, das alte und neue Aspekte beinhaltet. Dazu wird auch das Thesenpapier der DPhG, „Pharmazie 2020“, herangezogen. Die zugrundeliegende Fragestellung lautet: Was für Apotheker wollen wir werden, und welche Kompetenzen soll das Studium dafür bereitstellen? Weiterhin wird die Struktur und Methodik des Pharmaziestudiums betrachtet. Zu guter Letzt wird die AG ein Thesenpapier veröffentlichen, das gewichtete Forderungen und Empfehlungen des BPhD hinsichtlich Struktur und Inhalt des Pharmaziestudiums beinhaltet. Dieses soll auf der 120. Bundesverbandstagung (BVT) in Bonn im Sommersemester 2016 vorliegen. Erste Zwischenergebnisse werden im November 2015 auf der 119. BVT in Münster vorgestellt werden. Alle Pharmaziestudierenden sind herzlich eingeladen, sich zu jedem Zeitpunkt an der Arbeit der AG Zukunft zu beteiligen. Schreibt dazu eine Mail an lehre@bphd.de oder besucht die Facebook-Seite der AG (facebook.com/ArbeitsgruppeZukunft- BPhD).

Von Maximilian Buch, BPhD-Beauftragter für Lehre und Studium
und Franziska Möllers, BPhD-Präsidentin