Forum Beruf für angehende Apotheker
Kammerpräsident Lutz Engelen (1. Reihe ganz rechts) mit Referenten und Ansprechpartnern des Forums Beruf. Foto: AK Nordrhein
28. September 2015 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Pharmazeutische Tätigkeitsfelder

Forum Beruf für angehende Apotheker

Am 16. April 2015 fand das 12. Forum Beruf der Apothekerkammer Nordrhein und der Regionalgruppe Rheinland der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Dabei erläuterten Apotheker aus verschiedenen Bereichen ihre Tätigkeiten in Kurzvorträgen. Über hundert Pharmaziestudierende nahmen am Forum Beruf teil. Die Veranstaltung, auf der auch Zeit zum Austausch blieb, stieß auf positive Resonanz.

Gemeinsam mit Professor Stephanie Läer, Vorsitzende der DPhG-Untergruppe Düsseldorf, eröffnete der Kammerpräsident Lutz Engelen die Veranstaltung. In seinem Statement zu Visionen und Perspektiven in der Offizinpharmazie legte Engelen den Fokus auf die medikationsbezogenen Projekte der Apothekerkammer Nordrhein und erläuterte in diesem Zuge das ATHINA-Projekt (Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken).

Öffentliche Apotheke

Karl Meyer betrachtete die Offizinpharmazie aus der Arbeitgeberperspektive. Im Mittelpunkt stand die Frage „Selbstständigkeit ja oder nein?“ Diese Entscheidung sollte wohl überlegt werden. Denn auch eine Apotheke mit guter betriebswirtschaftlicher Auswertung könne sich, zum Beispiel durch veränderte Standortfaktoren, betriebswirtschaftlich sehr viel schneller anders entwickeln als erwartet. Für die grundsätzliche Entscheidung, ob man sich als Apotheker selbstständig machen möchte, erläuterte er anhand eines konkreten Fragenkatalogs zum persönlichen Profil und zur individuellen Lebensplanung, welche Kriterien dabei eine Rolle spielen.
Wolfgang Pfeil, Mitglied im Vorstand der Apothekerkammer Nordrhein, betrachtete die Offizinpharmazie aus der Angestelltenperspektive und hob hervor, dass man als pharmazeutischer Generalist in der öffentlichen Apotheke all das einsetzen könne, was man an der Universität gelernt hat. Diese Tätigkeit verlangt daneben ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Er empfahl den angehenden Kollegen, sich einen Chef zu suchen, mit dem man pharmazeutisch auf einer „vergleichbaren“ Wellenlänge liegt.

Krankenhausapotheke

Krankenhausapothekerin Juliane Iltgen-Breburda berichtete, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Stellen für Krankenhausapotheker in Deutschland zugenommen habe. Diese Steigerung bei gleichzeitiger Abnahme der Zahl der Krankenhausapotheken spiegele unter anderem den langsam wachsenden Anteil an Apothekern auf Station wider. Der Patientenkontakt in der Krankenhausapotheke sei insgesamt sehr viel geringer als in der öffentlichen Apotheke, auch wenn in der Klinikapotheke, in der sie tätig ist, inzwischen ein Patienteninformationszentrum eingerichtet wurde, das ein Medikationsmanagement für Patienten anbietet.

Pharmazeutische Industrie

Die Chancen in der Pharmazeutischen Industrie schilderten Dr. Claudia Selbach, Bayer Animal Health GmbH, und Dr. Kerstin Neumann, Johnson & Johnson GmbH. Während Selbach einen Überblick über die Tätigkeitsfelder des Industrieapothekers gab, konzentrierte sich Neumann auf die Gebiete Zulassung, Market Access, Pharmakovigilanz und Medical Affairs. Die vielfältigen Chancen bei einem Pharmaunternehmen bestehen in den Bereichen Arzneimittelentwicklung, Arzneimittelproduktion  sowie Zulassung, medizinisch-wissenschaftliche Information und Projektmanagement. Insbesondere in der Produktion sei neben Mitarbeiterführung und Organisationstalent ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein sowie Entscheidungsstärke, oft unter Zeitdruck, gefragt, so Selbach.
Als Beispiele für Aufgaben im Rahmen des Life-Cycle-Managements eines fertig entwickelten Arzneimittels nannte Neumann die Erstellung von Informationen für Fachkreise und Patienten, die Sammlung und Bewertung von Informationen zu Arzneimittelrisiken oder die Bewertung des Zusatznutzens oder des Kosten-Nutzen-Verhältnisses eines Präparates. Für diese Aufgaben benötigt man hervorragende Kommunikations- und Organisationsfähigkeiten, besonders als Projektmanager. Auch die Fähigkeit, mit wissenschaftlichen Daten umgehen und in Maßen auch wirtschaftlich denken zu können, ist in diesem Bereich von Bedeutung.

Kassenärztliche Vereinigung

Das Tätigkeitsfeld Gesundheitspolitik stellte Dr. Holger Neye vor, der bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein für die Pharmakotherapie-Beratung zuständig ist. Er berät niedergelassene Ärzte auf Basis ihrer Verordnungsdaten pro Quartal. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, die Ärzte über aktuelle Therapiehinweise, Leitlinien oder gesetzliche Änderungen im Zusammenhang mit Arzneimittelverordnungen zu informieren sowie die Verhandlungen mit den Krankenkassen vorzubereiten.

BfArM: Arbeitgeber Behörde

Dr. Annette Hinze, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sprach über die Chancen des Apothekers bei einer Behörde. Zu den Aufgaben des BfArM gehören neben der Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln die Pharmakovigilanz (Überwachung der Arzneimittelsicherheit), die Genehmigung und Überwachung von klinischen Prüfungen sowie die Bereiche Betäubungsmittel und Medizinprodukte. Hinze wies darauf hin, dass jede schriftliche Kommunikation im BfArM, auch auf deutscher Ebene, ausschließlich auf Englisch erfolge. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter beim BfArM seien promoviert, so Hinze. Das zeige, dass eine Promotion erwünscht, aber nicht zwingende Einstiegsvoraussetzung sei. Abschließend empfahl Hinze interessierten Pharmaziestudierenden, sich per Initiativbewerbung um eine Stelle im Rahmen des Praktischen Jahres zu bemühen, weil die Behörde nicht aktiv Stellen für Pharmazeuten im Praktikum ausschreibt.

Apotheker bei der Bundeswehr

Den Apotheker als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr stellte Oberfeldapotheker Dr. Olaf Scharfenstein vor. Neben der klassischen Pharmazie zählen auch die Lebensmittelchemie und die Logistik zum Tätigkeitsfeld eines Apothekers bei der Bundeswehr. Scharfenstein berichtete, dass die Bundeswehr derzeit etwa 230 Apotheker beschäftigt. Über die fachliche Qualifikation hinaus sollte man als Apotheker bei der Bundeswehr Einsatzfreude, körperliche Fitness sowie Flexibilität und Mobilität, auch im Hinblick auf Auslandseinsätze, mitbringen.

Universität: Wissenschaftliche Laufbahn

Abschließend gaben Professor Dr. Thomas Kurz, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und seine Doktorandin Tanja Knaab Einblicke in die Arbeitsweise von Apothekern in der Wissenschaft. Der praktische Teil einer Promotion dauere im Schnitt etwa drei Jahre, bevor das Zusammenschreiben der Dissertation beginnt, so Knaab. Sie schätzt die sehr eigenständige Tätigkeit in einem jungen Team und den fachlichen, auch interdisziplinären Austausch mit Promotionskollegen. Insbesondere für den praktischen Teil sollte man viel Durchhaltevermögen und ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit mitbringen.
Wer nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben möchte, dem empfahl Kurz einen Auslandsaufenthalt in einem renommierten Arbeitskreis im englischsprachigen Raum. So könne man neue Arbeitstechniken und neue Forschungsgebiete kennenlernen und sich schließlich ein eigenes Forschungsprofil aufbauen.

Von Dr. Sabine Viefhues,
Apothekerkammer Nordrhein