EPSA Autumn Assembly
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5. March 2015 Drucken Empfehlen
Studium
Arzneimittel und Patient im Fokus

EPSA Autumn Assembly

„Patient at the centre of Healthcare, from lab to citizen“ – das war das Thema des 11ten EPSA Autmn Assembly, einem von Pharmaziestudierenden organisierten Kongress für Kommilitonen aus ganz Europa. Dieser fand vom 28. Oktober bis zum 2. November 2014 im tschechischen Hradec Králové statt. Neben spannenden Vorträgen konnten die angehenden Apotheker auch Workshops besuchen, um den Weg eines Arzneimittels – von der Synthese bis nach der Zulassung – kennenzulernen. Zudem wurde der Bezug zu Patienten, in klinischen Studien wie auch in der Praxis, hergestellt.

EPSA (European Pharmaceutical Students Association) ist die europäische Interessenvertretung der Pharmaziestudierenden. Mitglieder sind nationale Studierendenverbände aus insgesamt 33 europäischen Ländern – so werden die Pharmaziestudierenden hierzulande durch den Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD e.V.) vertreten. Zweimal im Jahr findet die Generalversammlung der EPSA-Mitglieder statt: Während des Autumn Assemblys und im Frühjahr zum Annual Congress. Beim diesjährigen Herbstkongress in Tschechien wurde auf der Generalversammlung unter anderem das sogenannte Memorandum of Understanding mit dem internationalen Weltverband der Pharmaziestudierenden (International Pharmaceutical Students´ Federation, IPSF) thematisiert. Da EPSA und IPSF ähnliche Ziele verfolgen, soll diese Absichtserklärung die Grundlage für eine bessere Zusammenarbeit in der Zukunft werden. Gegründet wurde die EPSA übrigens ganz offiziell im Jahr 1982 in Frankreich, zuvor war es ein Subkomitee des IPSF.

Arzneimittelentwicklung …

Im Mittelpunkt des Kongresses stand aber weniger die Generalversammlung, sondern vielmehr das wissenschaftliche Symposium, bei dem Dozenten aus unterschiedlichen Ländern ihr Wissen mit den angehenden Apothekern teilten. Dr. Zdeněk Hostomskývom Institut für organische Chemie und Biochemie der Academy Of Science in Prag eröffnete das Symposium: Er erläuterte die Entwicklungsstufen von Substanzen, bevor diese in (prä-)klinischen Studien getestet werden, und ging auf die dabei entstehenden Kosten ein. Die Synthetisierung von Biopharmazeutika mit besonderem Augenmerk auf Struktur-Wirkungsbeziehungen und Targetentwicklung brachte Dr. Amon R. Wafelman von der Pharmafirma Teva aus den Niederlanden den angehenden Apothekern näher. Im Weiteren sprach Prof. František Štau von der Karls-Universität in Prag über präklinische Studien. Die Vortragsreihe endete mit einer Diskussionsrunde, an der alle Referenten teilnahmen. Abschließend konnten die Studierenden zwischen unterschiedlichen Workshops wählen, in denen die Themen des Tages noch einmal vertieft wurden.

… und der Patient

Am zweiten Tag beschäftigten sich die Teilnehmer mit den ersten Berührungspunkten zwischen Arzneimittel und Patient in klinischen Studien. Dafür wurde in einem Vortrag zunächst die allgemeine Vorgehensweise in klinischen Studien erläutert, sodass alle Teilnehmer den gleichen Wissensstand hatten. Im Anschluss ging es darum, was pharmazeutische Unternehmen leisten könnten und sollten, um näher am Patienten zu sein und deren Verständnis für die Industrie zu verbessern. Denn bei vielen Patienten bestünden nach wie vor Vorurteile gegen die pharmazeutische Industrie, erklärte Lenka Břeská von GlaxoSmithKline. Aber nicht nur die Sicht der Pharmaunternehmen wurde beleuchtet, sondern auch die des Patienten: Josef Mrázek, Vorsitzender des Patientenverbundes in Tschechien, wies darauf hin, dass es das beste Mittel sei, die Sicht der Patienten zu kennen, um Sorgen und Nöten adäquat begegnen zu können und somit das Gesundheitssystem nachhaltig zu verbessern.

Highlight: Öffentliche Gesundheitskampagne

Am dritten Tag stand das zugelassene Arzneimittel im Mittelpunkt. Es wurde darauf verwiesen, dass sich seltene Nebenwirkungen meist erst nach der Zulassung zeigen – gleiches gilt zum Teil für besondere Vor- oder Nachteile für bestimmte Patientengruppen. Zu ausgewählten Arzneimitteln bzw. Therapien wurden verschiedene Workshops angeboten. So konnte man sich zum Beispiel über die Therapiemöglichkeiten in der Schwangerschaft informieren. Wie man mit Patienten kommuniziert – gerade mit Gehörlosen oder anderweitig eingeschränkten Patienten – war Thema eines anderen Workshops. Das Highlight des Tages war jedoch die öffentliche Gesundheitskampagne, bei der interessierte Passanten sich von den Pharmaziestudierenden an einem Info-Stand in der Stadt den Blutdruck messen lassen konnten. Passanten mit hohen Blutdruckwerten wurden über lebensstilverändernde Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten informiert. Es zeigte sich, dass trotz einiger Sprachbarrieren eine gute Kommunikation und Teamarbeit möglich ist. Der Themenschwerpunkt des folgenden Tages lag auf ethischen und wissenschaftlichen Grenzen von Forschung und Entwicklung im Pharmabereich. Daneben wurde auch die (Weiter-)Entwicklung von Arzneiformen beleuchtet: Denn oftmals entscheidet nicht der Wirkstoff über die Compliance des Patienten, sondern die Arzneiform. Ziel ist es, dass Patienten bei der Anwendung von Arzneimitteln so wenig Aufwand wie möglich betreiben müssen.

Softskills -Training

Auf dem Kongress wurden verschiedenen EPSA-Trainings angeboten, um an seinen Softskills zu arbeiten. Beispielsweise wurde geübt, wie man sinnvoll und zielführend Kritik äußert. Nach der theoretischen Einführung in verschiedene Modelle konnten die Teilnehmer diese praktisch ausprobieren, um die für sie passende Methode herauszufinden. Wer nach dem Kongress über die besuchten EPSA-Trainings einen kurzen Bericht geschrieben hat, bekam dafür ein „Life-Long Learning Certificate“ ausgestellt.

Spaß kam nicht zu kurz

Auf dem Kongress stand nicht nur der fachliche Aspekt im Vordergrund – auch das Networking war ein wichtiger Teil. Denn Pharmaziestudierende aus ganz Europa zu treffen und mit ihnen zu diskutieren erweitert den Horizont ungemein! Um den Austausch zu fördern, wurde jeden Abend ein Rahmenprogramm veranstaltet. Am ersten Abend gab es eine Eröffnungszeremonie mit Ansprachen und Buffet. An den nächsten Abenden wurde dann kräftig gefeiert: Bei der Tschechischen Nacht hat das Gastgeberland traditionelle Spezialitäten vorgestellt. Auf der International Night präsentierten Teilnehmer die im eigenen Land typischen Spezialitäten an einzelnen Tischen. So konnte man sich kulinarisch quer durch Europa probieren. Am deutschen Stand gab es übrigens Salzbrezeln, Haribo und Jägermeister. Auch eine Mottoparty – eine Uniformparty im Hangar eines Flughafens – fehlte natürlich nicht. Der letzte Abend des Kongresses wurde mit einem edlen Galadinner begangen. Pharmaziestudierende, die jetzt Lust bekommen haben einen Kongress zu besuchen, sollten wissen, dass eine gewisse – durchaus positive – Suchtgefahr besteht. Denn auf den Kongressen herrscht eine ganz besondere Atmosphäre, die dazu führt, dass man unbedingt zu weiteren Kongressen fahren möchte – schließlich kann man sich fortbilden und gleichzeitig seine internationalen Freunde wiedersehen!

Von Clara Brandt,
Pharmaziestudentin in Kiel