Eppis – die kleinen Helfer im Labor
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5. March 2015 Drucken Empfehlen
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Eppis – die kleinen Helfer im Labor

In der letzten Ausgabe der UniDAZ gab es ein spannendes Buch zu gewinnen – vorausgesetzt, der gezeigte Ausschnitt eines Gegenstandes wurde identifiziert und die korrekte Antwort eingesandt. Was wir gesucht haben? Richtig, die sogenannten Eppis. Die kleinen Helfer sind aus dem Laboralltag kaum wegzudenken. Spätestens im Biochemie- Praktikum lernt auch jeder Pharmaziestudent die Gefäße kennen. Wer sie erfunden hat, lesen Sie im folgenden Artikel.

Die Geschichte der Eppis beginnt 1945 mit zwei Männern, beide Mitte dreißig und von Beruf Physiker bzw. Ingenieur. Dr. Hans Hinz und Dr. Heinrich Netheler suchen nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit und wollen dabei helfen, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses Hamburg- Eppendorf (UKE) gründeten sie daher die „Elektromedizinische Werkstätten GmbH“. Zunächst arbeiteten sie mit einem Team aus 20 Physikern und Ingenieuren und reparierten defekte Instrumente von Ärzten. Zudem entwickelten sie neue Geräte, beispielsweise das erste elektrische Fieberthermometer. Im Jahr 1954 – das Unternehmen hieß bereits „Eppendorf Gerätebau Netheler & Hinz GmbH“, zogen sie in ein größeres Gebäude. Im Laufe der Zeit entstand die heutige Kurzform des Firmennamens: Eppendorf AG, benannt nach dem gleichnamigen Hamburger Stadtteil. Das Unternehmen ist bis heute in der Nähe des UKE zu finden – erst 1965 verließen sie das Klinikgelände.

1962: Patent für die Eppis

Eppis, wie die kleinen Reaktionsbehälter zur analytischen Untersuchung von minimalen Laborproben im täglichen Sprachgebrauch genannt werden, tragen ihren Spitznamen nicht von ungefähr: Die Kunststoffgefäße wurden von der Firma Eppendorf, damals noch „Eppendorf Gerätebau Netheler & Hinz“, entwickelt. Der Name für den Mikroreaktionsbehälter ist im Laufe der Jahre aus der Kurzform des Firmennamens entstanden und hat sich bis heute gehalten. Korrekterweise heißen die „Eppis“ Eppendorf-Tubes, oder „Reaktionsgefäß aus Kunststoff für kleine Flüssigkeitsmengen“, wie sie in der Patentschrift aus dem Jahr 1962 beschrieben werden. Den Anstoß für die Entwicklung gab die im Jahr 1961 vom Unternehmen erfundene Kolbenhubpipette: Mithilfe dieser Pipette war es möglich, Flüssigkeiten manuell auf den Milliliter genau zu dosieren. Allerdings fehlte ein geeigneter Behälter, um diese kleinen Flüssigkeitsmengen zu mischen und aufzubewahren. Diese Lücke schloss das Unternehmen mit den Eppis. Der erste Entwurf fasste 0,5 ml Flüssigkeit – das Volumen erschien den Tüftlern allerdings nicht ausreichend. Deshalb entwickelten sie einen Eppi mit einem Maximalvolumen von 1,5 ml, einer Wandstärke von 0,9 mm, einer Gesamtlänge von 41 mm und einem Innendurchmesser von 9,4 mm. Das sind die Maße des „Eppi Typ 3810“, der als erste Größe im Jahr 1963 auf den Markt kam. Mittlerweile sind mehrere Größen und Reihen mit unterschiedlichen Eigenschaften verfügbar. Man sieht: Auch hinter einem eher unauffälligen und für selbstverständlich genommenen Laborutensil steckt eine Idee, die mit einigem Tüfteln erst verwirklicht werden konnte – und damit eine kleine Geschichte.

Von Annika van der Linde,
Apothekerin und Doktorandin am UKE in Hamburg