5. March 2015 Drucken Empfehlen
Hochschulpolitik
Perspektive erfordert Retrospektive

Der Einfluss des Perspektivpapiers auf das Studium von morgen

Die Leitbilddiskussion rüttelte die Apothekerschaft wach: Man dachte intensiv darüber nach, ob es denn so weitergehen kann, wie es jetzt ist. Es wurde überlegt, hinterfragt, ausgetauscht und hitzig debattiert. Kurzum: Ein ganzer Berufsstand hat sich darüber Gedanken gemacht, wie die Zukunft des Berufsbildes aussehen sollte. Wo sollen die Schwerpunkte liegen? Ein Kommentar.

Die zahlreichen Argumente und Standpunkte der Apotheker führten zum Perspektivpapier, das auf dem Deutschen Apothekertag 2014 in München verabschiedet wurde. Zu einer definierten, wünschenswerten, angestrebten Entwicklung für die Zukunft. Doch um seine Perspektive zu ändern, muss man sich um seine eigene Achse drehen, in eine andere Richtung schauen oder auch einfach nur den Kopf drehen. Vielleicht ist dabei auch ein Blick zurück in die eigene Vergangenheit sinnvoll. Wie verlief mein Studium? Was hat es mir gebracht? Waren die Schwerpunkte sinnvoll gesetzt? Viele Apotheker scheinen sich diese Fragen kaum zu stellen. Es scheint so, als wäre im Nachhinein doch alles gut gewesen. Man ist schon irgendwie durchgekommen und für andere sollte das doch auch zu schaffen sein. Sie verklären ihr Pharmaziestudium und verlieren so das Wesentliche aus den Augen – den pharmazeutischen Nachwuchs.

Denn letztendlich ist der Student von heute derjenige, der das neue Perspektivpapier leben soll, der, dem es in Fleisch und Blut übergehen muss. Er sollte es nach außen vertreten und nach innen fühlen. Nur so können die festgehaltenen, erarbeiteten Punkte längerfristig Bestand haben. Diese Euphorie für den „neuen“ Apotheker und das Perspektivpapier 2030 kann jedoch nicht von allein kommen. Es darf nicht als selbstverständlich angesehen werden, dass die Jungen, Wilden und Neugierigen die Gedanken einer anderen Generation einfach so weitertragen.

Die Pharmaziestudierenden von heute wollen teilhaben und selbst mitgestalten. Sie wollen nicht übersehen werden, wenn der Blick in Richtung Zukunft geht. Ihre Belange und Probleme sollen Beachtung finden und konstruktiv angegangen werden und das zu Recht! Was ist mehr Gift für eine enthusiastische Veränderung als ein Nachwuchs, der durch ein veraltetes, viel zu überfülltes Studium, dem jegliche Innovation fehlt, demoralisiert wird? Einem Studium, das an Traditionen und historisch Gewachsenem hängt anstatt die neuen Entwicklungen in naturwissenschaftlichen Disziplinen zu präsentieren sowie den praktischen Bezug zur Patientenversorgung und Betreuung zu stärken. Nicht, dass man das Alte nicht braucht, um das Neue zu verstehen und Gelerntes besser verknüpfen zu können. Doch wo sollen die Schwerpunkte liegen? Das muss grundlegend überdacht werden, um das Studium und den derzeitigen Aufbau sowohl inhaltlich als auch konzeptionell auf den Prüfstand zu stellen. Nur durch eine solche Reform kann eine Lehre entstehen, die Platz für freie Geister und innovative Ideen bietet und schließlich die Ambition wachruft, einer dieser neuen Apotheker zu werden.

Der Drang, etwas zu verändern, aktiv zu werden, mitzuwirken, ist da und muss nur aufgegriffen werden. Die Studierenden sind bestrebt, an ihrer eigenen Zukunft zu arbeiten. Denn wer weiß schon besser, was Studierende erleben und fühlen, als der Studierende selbst? Daher wollen wir, der Bundesverband der Pharmaziestudierenden Deutschland, uns konstruktiv mit der Standesvertretung zusammensetzen, unsere Ideen einbringen und gehört werden, um am Ende auf Augenhöhe mit der Apothekerschaft in Richtung Zukunft zu blicken.

Von Maximilian Buch,
Beauftragter für Lehre und Studium beim BPhD

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Stephan Tang,
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