Das ist doch noch sooo weit weg – oder?
5. March 2015 Drucken Empfehlen
Berufsstart
Betriebliche Altersvorsorge

Das ist doch noch sooo weit weg – oder?

Als Pharmaziestudierende werden Sie nach der Approbation in der Regel über das Versorgungswerk der zuständigen Apothekerkammer rentenversichert sein. Dann können Sie sich auch von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Trotzdem ist es sinnvoll, sich Gedanken über die eigene Altersvorsorge zu machen. Und zwar frühzeitig. Denn so kann man auch mit kleinen Beträgen gute Erträge erreichen, die Ihnen die Lebensphase nach dem Beruf erleichtern.

Mit der standeseigenen Altersvorsorge sind Sie voraussichtlich besser gestellt als gesetzlich Versicherte. Aber die lange Niedrigzinsphase wirkt sich natürlich auch auf die Versorgungswerke aus: Sie schmälert die Verzinsung ihrer Kapitalanlagen und damit auch die zu erwartenden Renditen. Möglicherweise werden Sie also später mit den Rentenansprüchen, die Sie dort erreichen werden, nicht rundum zufrieden sein. Das gilt besonders dann, wenn Sie länger in Teilzeit arbeiten oder familiär bedingte Auszeiten nehmen. Der Gesetzgeber fördert daher schon länger die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Zusammen mit der privaten Altersvorsorge ergibt das ein 3-Säulen-Modell für die Altersrente.

Entgeltumwandlung: Vorsorge aus eigener Tasche

Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer – und zwar auf die sogenannte Entgeltumwandlung. Das bedeutet: Als Angestellter entschließen Sie sich, eine bestimmte Summe Ihres Bruttogehalts in einen Altersvorsorgevertrag zu stecken. Die staatliche Förderung besteht darin, dass Sie für diesen Betrag keine Steuern und keine Sozialversicherungen entrichten müssen (und Ihr Chef spart sich ebenfalls die Sozialversicherungsbeiträge, die er sonst als Arbeitgeber zahlen müsste). Ein Beispiel: Sie wollen 100 Euro monatlich in die bAV einzahlen. Wenn Sie es vom Bruttogehalt entnehmen, fehlen Ihnen netto je nach Steuerklasse und Zahl der Kinderfreibeträge nur etwa 50 bis 65 Euro auf dem Konto. Wenn Sie dagegen aus dem Nettogehalt 100 Euro ansparen wollen, müssen Sie deutlich mehr vom Brutto einsetzen, denn davon gehen ja zuerst Steuern und Abgaben ab. Das kann die Entgeltumwandlung attraktiv machen. Voraussetzung ist aber natürlich, dass Sie genug verdienen, um davon etwas „abknapsen“ zu können, was Sie nicht zum Lebensunterhalt brauchen. Später als Rentner muss man allerdings die Leistungen aus der bAV versteuern. Da der Steuersatz im Rentenalter allerdings in der Regel deutlich niedriger ist als während der Berufstätigkeit, lohnt sich das trotzdem.

Foto: Jeanette Dietl - Fotolia

Für einen passenden Altersvorsorgevertrag sollte man sich Angebote von unabhängigen Versicherungsmaklern einholen. Foto: Jeanette Dietl - Fotolia

Der frühe Vogel …

Je früher Sie mit solch einem Altersvorsorgevertrag starten, mit desto niedrigeren Bei trägen können Sie – bedingt durch die lange Laufzeit und den Zinseszinseffekt – eine spürbare monatliche Rente oder einmalige Kapitalabfindung ansparen. Andererseits birgt der frühe Start auch die Gefahr, dass man sich in der Höhe der Beiträge verkalkuliert und seinen Vertrag später nicht mehr bedienen kann oder sogar verkaufen muss. Daran sollten Sie auch beim Abschluss privater Rentenversicherungen denken und sich so beraten lassen, dass Sie den Vertrag auch beitragsfrei stellen können. Hinweisen muss Ihr späterer Arbeitgeber Sie übrigens nicht auf Ihr Recht zur Entgeltumwandlung – allerdings darf er es Ihnen auch nicht verweigern.

Wenn der Arbeitgeber vorsorgt

Es gibt größere Unternehmen, bei denen man durch (längere) Betriebszugehörigkeit Anspruch auf eine unternehmensfinanzierte Betriebsrente erwirbt. Das kann beispielsweise als Pensionskasse oder als eine vom Arbeitgeber bezahlte Direktversicherung realisiert werden. In der Pharmaindustrie sind Betriebsrenten durchaus üblich. Entgeltumwandlung kann man dann trotzdem betreiben, wenn man möchte. In öffentlichen Apotheken haben solche Betriebsrenten jedoch Seltenheitswert. Dafür gibt es seit 2012 eine tarifliche Altersvorsorge, die vom Arbeitgeber für den Mitarbeiter gezahlt wird. Die Apothekengewerkschaft ADEXA hat einen entsprechenden Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) abgeschlossen. Er gilt im gesamten Bundesgebiet mit Ausnahme der Kammerbezirke Nordrhein (hier gibt es stattdessen einen Tarifvertrag zur leistungsorientierten Bezahlung) und Sachsen. Voraussetzung für den Anspruch ist, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber Mitglied ihrer jeweiligen Tariforganisation (ADEXA bzw. ADA) sind. Der Anspruch besteht noch nicht für Pharmazeuten im Praktikum (PhiP), sondern erst im Anstellungsverhältnis als Approbierter. Aber dann auch schon während der Probezeit!

Tariflicher Anspruch

Nach Wochenarbeitszeit gestaffelt gibt es einen Beitrag zwischen zehn und 27,50 Euro monatlich vom Arbeitgeber, wenn man einen entsprechenden Altersvorsorgevertrag abschließt. Wer zusätzlich noch vom Bruttogehalt Entgeltumwandlung betreibt, erhält als Arbeitgeberzuschuss 20 Prozent des umgewandelten Betrags. Denn dann spart ja auch der Chef Sozialabgaben in Höhe von etwa 20 Prozent ein. Den Vertrag muss allerdings der Arbeitgeber abschließen. Doch sollte man sich als Arbeitnehmer selbst um Angebote von unabhängigen Versicherungsmaklern kümmern. Weitere Infos zur tariflichen Altersvorsorge – zum Beispiel für den Fall eines Stellenwechsels – erhalten Sie als ADEXA-Mitglied von der gewerkschaftlichen Rechtsberatung und in den ADEXA-Medien. Als Pharmaziestudierende können Sie übrigens kostenfrei Mitglied werden; für PhiP beträgt der monatliche Beitrag sechs Euro (in Sachsen 4,67 €).

Von Dr. Sigrid Joachimsthaler,
ADEXA, Leitung Presse & Öffentlichkeitsarbeit

Infoveranstaltungen für Pharmaziestudierende  

ADEXA bietet gemeinsam mit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank ein Seminar speziell für Studierende des 7. und 8. Fachsemesters an. Hier geht es um die Vorbereitung auf das praktische Jahr und den Einstieg ins Berufsleben. Die Teilnehmer erhalten rechtliche Hinweise zur Gestaltung ihres Praktikumsvertrags und zu ihren Rechten und Pflichten während des Praktikums in der öffentlichen Apotheke. Außerdem gibt es Tipps zur richtigen Bewerbung und zum Vorstellungsgespräch von Rechtsanwältin und Kommunikationstrainerin Minou Hansen. Sie ist Leiterin der Rechtsberatung bei ADEXA. Genauso wichtig sind die Informationen des jeweiligen Studentenberaters der apoBank zur finanziellen Absicherung, zu wichtigen Versicherungen, dem Versorgungswerk und der Krankenversicherung. Die Veranstaltung dauert ca. 90 Minuten und findet zu Ihrem Wunschtermin statt. Interessierte Fachschaften können sich an Minou Hansen wenden (m.hansen@adexa-online.de).