28. September 2015 Drucken Empfehlen
Studium
Uni-Leben: Was gibt´s Neues?

DAAD-Projekt: Naturarzneimittel in Afghanistan

Im Frühjahr besuchte Professor Dr. Michael Keusgen, Dekan des Fachbereiches Pharmazie der Philipps-Universität Marburg, die Pharmazeutische Fakultät der Universität Kabul. Schwerpunkt der Reise war die Erfassung von traditionell genutzten, wilden Arzneipflanzen in Afghanistan. Diese erfolgte innerhalb eines vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projektes. 

Im Rahmen des Projektes sollten unter anderem durch umfangreiche Befragungen der Landbevölkerung Daten über den traditionellen Nutzen von Arzneipflanzen erhoben werden. In dieses Vorhaben wurden auch die Studierenden der Pharmazie in Kabul und der Pharmazeutischen Fakultät in Mazar-e Sharif eingebunden, die reges Interesse zeigten. So konnten inzwischen etwa 1500 Einzelberichte über den Nutzen dieser Arzneipflanzen erstellt werden; weitere Befragungen werden derzeit durchgeführt.

Expedition ins Umland 

Foto: Prof. Keusgen

Blütenstand einer Ferula-Pflanze, deren Latex in Afghanistan und seinen Nachbarländern zu den begehrtesten Naturheilmitteln zählt. Foto: Prof. Keusgen

Zudem bestand für Prof. Keusgen die Möglichkeit, gemeinsam mit den Professoren der Pharmazie der Universität Kabul und einigen Studierenden, sich ein Bild vom Bestand der wilden afghanischen Arzneipflanzen zu machen. Es konnten, soweit es die Sicherheitslage zuließ, mehrere Tagesexpeditionen in das Umland von Kabul gemacht werden, wobei die Gebirgstäler in nord-westlicher Richtung von Kabul eine reichhaltige Vegetation zeigen. Bemerkenswert sind insbesondere viele Ätherisch-Öl-Pflanzen, die vornehmlich zu den Pflanzenfamilien der Lamiaceae und der Apiaceae gehören; auch Korbblütler (Asteraceae) werden recht häufig verwendet. Man kann davon ausgehen, dass etwa 200 wilde Arzneipflanzen intensiv genutzt werden, wobei die Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra) und Ferula-Arten die meistgenutzten sind.

Wissen weitergeben

Vorrangiges Ziel des vom DAAD geförderten Projektes ist die Zusammenfassung der Ergebnisse zum Nutzen von afghanischen Arzneipflanzen als Buch, das auch in einer afghanischen Landessprache (Dari oder Paschtu) herausgebracht werden soll. Damit soll das Wissen nachhaltig konserviert werden und ein wesentlicher Beitrag zur Ausbildung der Pharmaziestudierenden und der Unani-Ärzte (Hakim, Hakeem) – die die traditionelle Medizin in Afghanistan repräsentieren – geleistet werden. Darüber hinaus soll die Einrichtung eines Zentrums für afghanische Arzneipflanzen unterstützt werden. Schwerpunktarbeit des Zentrums soll die konsequente Erfassung der afghanischen Arzneipflanzen sein sowie eine qualifizierte Ausbildung und Vorbereitung auf die Prüfung als Hakim. Ferner sollen Qualitätsstandards für die Ausbildung und die Arbeit der Ärzte erarbeitet werden. Von Prof. Keusgen wurde angeregt, auch die nachhaltige Ernte von wilden Arzneipflanzen, eine mögliche Inkulturnahme und den Handel mit diesen Arzneipflanzen zu berücksichtigen. Diese Ideen wurden dankbar angenommen und weitere Reisen von Prof. Keusgen nach Afghanistan werden sicherlich folgen.

Von Prof. Dr. Michael Keusgen,
Philipps-Universität Marburg