Achtung, Kontrolle!
Foto: Gerhard Seybert (fotolia)
28. September 2015 Drucken Empfehlen
Wissenschaft
Drogenschnelltests

Achtung, Kontrolle!

Was passiert eigentlich, wenn man bei der Polizeikontrolle „ins Röhrchen pusten“ muss? Und wie funktioniert ein Drogenschnelltest? Hier erfahren Sie es. 

Unter einem Drogenschnelltest versteht man verschiedenste Verfahren zum Nachweis von (meist illegalen) Substanzen. Allen gemein ist, dass sie nur wenig Zeit benötigen, um das Ergebnis zu liefern, und mit wenig apparativem Aufwand verbunden sind. Untersucht werden können dabei die unterschiedlichsten Körperflüssigkeiten: Blut, Urin, Speichel und sogar Schweiß. Sollen Haare oder Nägel auf Drogenrückstände untersucht werden, ist ein aufwendigeres Verfahren nötig. Diese Laboranalysen sind nicht nur langwierig, sondern meist auch wesentlich teurer.

Analyse der Atemluft

Der wohl bekannteste Schnelltest ist der Atemalkoholtest. Nach § 36 Abs. 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Polizeibeamte die Verkehrsteilnehmer zur Verkehrskontrolle einschließlich der Kontrolle der Verkehrstüchtigkeit [...] anhalten. Hierbei werden routinemäßig Personalien und der Führerschein überprüft oder nach dem Verbandskasten und dem Warndreieck gefragt. Liegt ein Verdacht auf Alkoholkonsum vor, werden Autofahrer darüber hinaus häufig aufgefordert, „ins Röhrchen zu pusten“. Der Durchführung dieser Maßnahme kann man zustimmen, man ist gesetzlich allerdings nicht dazu verpflichtet.

Atemalkoholtest damals …

Der nach Genuss von alkoholischen Getränken oder Lebensmitteln ins Blut übergegangene Alkohol wird beim Einatmen von der frischen Atemluft aufgenommen und das Luft-Alkohol-Gemisch wieder ausgeatmet (Alkoholfahne). Durch die in der Ausatemluft nachgewiesene Menge Alkohol kann ein Rückschluss auf die Blutalkoholkonzentration gezogen werden. Bei dem früher verwendeten Atemalkoholtest lief eine Farbreaktion zwischen Ethanol und verschiedenen Reagenzien ab. Jedes Röhrchen enthielt eine Mischung aus Kaliumdichromat und Schwefelsäure in Kieselgel. Kaliumdichromat diente dabei als Farbindikator, die Schwefelsäure als Protonendonator und das Kieselgel war die unreaktive Trägersubstanz. Gelangte Ethanol in das Röhrchen, so wurde dieser zu Ethanal (Acetaldehyd) oxidiert und das orangerote Kaliumdichromat zu grünem Chrom(III)-sulfat reduziert. Die Länge der Verfärbung gab einen groben Hinweis auf den Gehalt an Ethanol. Mittels einer aufgedruckten Markierung wurde die Überschreitung eines Grenzwerts kenntlich gemacht.
Bestätigte das Ergebnis des Schnelltests den Anfangsverdacht auf übermäßigen Alkoholkonsum, erfolgte eine exakte Messung des Blutalkoholspiegels unter kontrollierten Laborbedingungen. Vor Gericht hatte der Atemtest allerdings keine Gültigkeit.

Reaktionsgleichung

… und heute

Heutzutage erfolgt der Atemalkoholtest elektronisch, und das Ergebnis wird digital angezeigt. Die Testsysteme bestehen aus Halbleitersensoren auf Basis von Zinndioxid. Durch Änderung des Potenzials zwischen zwei Elektroden, die fest im Gerät eingebaut sind, können Rückschlüsse auf die Alkoholkonzentration in der Ausatemluft und dadurch auf die Blutalkoholkonzentration gezogen werden. In diesen Geräten wird die Messkammer mit einem genau definierten Luftvolumen beschickt. In der Kammer oxidiert das in der Luft enthaltene Ethanol an der katalytisch wirksamen Schicht der Messelektrode und erzeugt dabei einen Strom, der als Signal für die Berechnung des Messwerts dient. Dieser elektrochemische Sensor reagiert sehr spezifisch auf Alkohol, sodass ebenfalls in der Atemluft vorkommende Ketone wie Aceton das Ergebnis nicht verfälschen können. Bereits wenige Sekunden nach der Probennahme kann das Ergebnis von der digitalen Anzeige abgelesen werden.

Komplexe Drogenschnelltests

Nicht nur die Polizei, auch der Zoll (Drogenfahndung), das Militär oder die Justizvollzugsanstalten führen Drogenschnelltests durch. Behörden oder Unternehmen nutzen diese Tests, um einen Anfangsverdacht auf den Konsum illegaler Drogen zu erhärten. Bestätigt sich der Verdacht, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dabei können verschiedenste Stoffgruppen bzw. einzelne Substanzen getestet werden.
Geht es bei der Bestimmung um Stoffe wie Opiate/Opioide (Heroin, Codein, Morphin), Methadon, Speed (Amphetamin), Ecstasy, Methamphetamin, Kokain, Cannabinoide, Barbiturate oder Benzodiazepine, werden die Testsysteme komplexer.

Testprinzip des kompetitiven Immunoassay

Funktionsprinzip der Schnelltests

Die komplexeren Schnelltests zum Nachweis illegaler Drogen funktionieren in der Regel alle nach dem Verfahren des kompetitiven Immunoassay. Die Teststreifen sind in Probenaufnahmezone (Mischzone), Abfangzone (Testlinie) und Saugvlies (Endzone) aufgeteilt. Zusätzlich zur Testlinie ist eine Kontrolllinie eingebaut, die die korrekte Durchführung des Tests anzeigt. Der Teststreifen wird mit Probenflüssigkeit in Kontakt gebracht, die durch Kapillarkräfte über das gesamte Testsystem geleitet wird. Dabei fließt die Probe in Richtung des Saugvlies. Im Teststreifen befinden sich drogenspezifische Antikörper, die in der Lage sind, Drogenmoleküle in der Probe abzufangen. Sind keine Drogenmoleküle in der Probe enthalten oder liegt die Drogenbelastung unterhalb der Nachweisgrenze, koppeln die farbmarkierten Antikörper an die bereits auf dem Test- streifen fixierten Drogenmoleküle auf Höhe der Abfangzone. Diese Reaktion lässt sich optisch erfassen und auswerten: Durch die Reaktion in der Abfangzone wird eine Linie sichtbar, das Testergebnis ist negativ. Die in einer Probe befindlichen Drogenmoleküle konkurrieren also mit den Drogenmolekülen des Testsystems um die Bindungsstelle an den Antikörpern. Sind Drogenmoleküle in der Probe enthalten, binden diese bereits auf Höhe der Probenaufnahmezone an die Antikörper. Eine spätere Reaktion in der Abfangzone des Teststreifens bleibt aus oder fällt entsprechend schwächer aus. In diesem Fall ist das Testergebnis positiv. Drogenschnelltests sind als Einzeltest, Doppeltest, 5-fach-, 6-fach- bis hin zu 10-fach-Testsystemen zum Nachweis von Drogen, Medikamenten und deren Metaboliten verfügbar. Es gibt verschiedene Probenmaterialien für den Nachweis von Drogen.

Analyse von Schweiß

Der Schweißtest funktioniert wie eine Art Wischtest: Mit einem Papierstreifen wird über die Innenseite der Hand oder andere schweißabsondernde Körperteile gefahren. Dabei reicht bereits ein kurzes Anfeuchten der Testfläche mit Schweiß aus, um die Feuchtigkeit an den Teststreifen zu binden. Erfolgt eine Reaktion zwischen Teststreifen und im Schweiß vorhandenen Drogenmolekülen, verfärbt sich der Teststreifen. Die Auswertung erfolgt über entsprechende Farbveränderungen. Das Ergebnis liegt in drei bis acht Minuten vor.
Bei dieser Methode ist allerdings gewisse Vorsicht geboten, da eine hohe Kontaminationsgefahr besteht und die Schweißanalyse zu falsch positiven Ergebnissen führen kann. Auch sind die Nachweisgrenzen zu beachten: Bei zu geringen Mengen ist der Test nicht sensibel genug, was zu falsch negativen Ergebnissen führen kann. Auch die Hygiene des Probanden beeinflusst natürlich das Testergebnis und kann dieses verfälschen.

Analytische Nachweisfenster

Analyse von Speichel

Eine Speichelprobe bietet eine einfache, zuverlässige und hygienische Probennahme unter Einhaltung der Privatsphäre. Der Test liefert ein schnelles Ergebnis, und Manipulationen sind weitestgehend ausgeschlossen. Vorteilhaft ist besonders die hohe Übereinstimmung zwischen der im Speichel nachgewiesenen Konzentration von Drogen und der Konzentration im Blut. Dies ermöglicht eine zeitnahe Beurteilung des Konsums und der damit verbundenen Beeinflussung der körperlich-geistigen Fähigkeiten des Konsumenten.
Speichel weist ähnlich gute Eigenschaften für einen Drogentest auf wie Blut. Er besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser, das aus den Blutgefäßen in die Speicheldrüsen gelangt und dadurch viele gelöste Stoffe in den Mund- und Rachenraum spült – darunter auch (illegale) Substanzen. Ähnlich wie beim Bluttest lassen sich zudem eindeutige Aussagen über den Zeitpunkt des Drogenkonsums sowie die entsprechende Wirkung treffen. Selbst für den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der nur in sehr geringem Maß aus dem Blut in den Speichel gelangt, ist das Verfahren geeignet, da sich die Wirkstoffspuren, die sich beim Rauchen in der Schleimhaut ansammeln, genauso lange nachweisen lassen, wie die Wirkung der Droge im Körper anhält.
Auch wenn das Testverfahren eine besonders hygienische Probennahme unter Einhaltung der Privatsphäre ermöglicht und damit grundsätzlich gut geeignet ist, gibt es Einschränkungen. Durch Kontamination der Mundhöhle kann das Ergebnis verfälscht werden. Auch gibt es Probleme, wenn die Mundschleimhaut stark ausgetrocknet ist, was die Probengewinnung gerade nach Drogenkonsum und der damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen erschwert. Eine Stimulation der Speichelproduktion wiederum verringert die Drogenkonzentration des Speichels, was zu fälschlicherweise niedrigeren Messergebnissen führt.

Analyse von Urin

Natürlich lässt sich auch im Urin eine Vielzahl von Fremdstoffen nachweisen. Drogen (insbesondere deren Metabolite) liegen hier in hoher Konzentration vor und lassen sich auch noch über einen längeren Zeitraum nachweisen. Allerdings dauert es, bedingt durch die Verstoffwechselung, eine gewisse Zeit, bis sich die Substanz selbst bzw. der Metabolit im Urin nachweisen lässt. Man bezeichnet diese Zeit als „lag time“.
Zwar scheint es zunächst einfach, eine Urinprobe abzunehmen, es gibt aber doch ein paar Dinge zu beachten. Vorteilhaft ist sicherlich, dass der Urin ohne Aufbereitung zur Analyse genutzt werden kann. Aber das für eine Urinprobe notwendige Probenvolumen ist nicht unerheblich, weshalb die Probennahme im Vergleich zu anderen Testverfahren eher umständlich ist und entsprechende Örtlichkeiten erfordert. Die Manipulationsmöglichkeiten sind vielfältig, und somit ist das Ergebnis in bestimmten Fällen immer noch einmal zu überprüfen. Auch ermöglicht der Schnelltest keine sicheren Rückschlüsse über den genauen Zeitpunkt bzw. Umfang der Drogenaufnahme und die akute Beeinträchtigung des Konsumenten. Der Test gibt demnach nur Auskunft darüber, ob ein Drogenkonsum vorlag, nicht aber in welchem Ausmaß. Alle im Urin nachgewiesenen Stoffe sind Ausscheidungsprodukte des Körpers – wieviel der eingenommenen Droge noch im Blut vorhanden ist, kann damit nicht nachgewiesen werden. Auch kann bei Metaboliten kein eindeutiger Rückschluss auf den aktiven Wirkstoff gezogen werden. Dies lässt sich nur vermuten, was den tatsächlichen Konsum der Droge nicht beweist. Die Gerichte erkennen beispielsweise lediglich den direkten THC-Nachweis als Beweis für eine Fahruntüchtigkeit an. Der Nachweis des Abbauprodukts hingegen ist rechtlich irrelevant. Bevor man zu einem Schnelltest greift, sollte man sich gut überlegen, was nachgewiesen werden soll und welche Methode sich dazu am besten eignet. Von den Anfängen der Blasröhrchen bis zur heute immer häufigeren Speichelprobe gibt es viele interessante Entwicklungen. Sicherlich wird sich noch einiges auf dem Drogenschnelltest-Markt tun – es bleibt also spannend.

Von Annika van der Linde,
Apothekerin in Hamburg