28. September 2015 Drucken Empfehlen
Studium
Uni-Leben: Was gibt´s Neues?

A, B, C oder D?

An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main verwendet Dr. Mario Wurglics in einigen Vorlesungen ein Votingsystem, das analog zum Publikumsjoker bei „Wer wird Millionär?“ funktioniert. Warum er das macht, wie es funktioniert und was die Studierenden davon halten, erzählt Dr. Wurglics im UniDAZ-Interview.

UniDAZ: Wie funktioniert das Votingsystem?
Dr. Wurglics: Ich verwende das System eduVote (www.eduvote.de). Dabei handelt es sich um eine webbasierte Lösung, die mithilfe internetfähiger Mobilgeräte der Teilnehmer arbeitet. Das bedeutet, dass die Studierenden bei den Abstimmungen ihr eigenes Handy, Tablet oder einen Laptop verwenden. Die dazu benötigten Apps können kostenlos heruntergeladen werden. Die Umfragen lassen sich direkt aus der Powerpoint-Präsentation heraus starten. So kann man sehr leicht und ohne Zeitverlust Umfragen in die Lehrveranstaltung einstreuen.

UniDAZ: In welchen Vorlesungen verwenden Sie das Votingsystem?
Dr. Wurglics: Ich verwende es in meinem Seminar „Toxikologie der Hilfs- und Schadstoffe“ sowie in meinen Lehreinheiten in der Winter- und Sommerschule. Im Seminar habe ich es an verschiedenen Stellen eingesetzt. So beginne ich jedes Seminar mit zwei bis drei Fragen zur vorangegangenen Stunde, quasi als Wiederholung. Außerdem nutze ich es, um das Vorwissen meines Publikums zu erheben: Wissen meine Studierenden schon, was sich hinter dem pH-Wert und Puffersystemen verbirgt? Mit diesen Informationen kann ich die Geschwindigkeit und den Umfang meiner Ausführungen besser anpassen.

UniDAZ: Warum nutzen Sie das System und welche Vorteile hat es?
Dr. Wurglics: Den Einsatz von eduVote sehe ich als einen Teilbereich des E-Learnings. So biete ich mein Seminar im Nachgang auch als Videostream im Internet an, allerdings ist die Teilnahme an den Umfragen nur den Hörern im Hörsaal möglich. Ich denke, dass der dosierte Einsatz die Aufmerksamkeit im Seminar verbessert. Die Studierenden bringen sich stärker ein als sonst. Von Vorteil ist natürlich auch die Anonymität. Bei Abstimmung mit Handzeichen muss man sich outen, bei eduVote nicht. Auch ich als Lehrender profitiere davon. Ich erhalte ein Real-Time-Feedback vom Wissensstand meines Publikums, da die Ergebnisse der Umfrage als Grafik unmittelbar zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt führen die Ergebnisse auch immer wieder zu lustigen Situationen, die die Stimmung im Seminar noch zusätzlich verbessern.

UniDAZ: Und wie finden die Studierenden das?
Dr. Wurglics: Mit der Erfahrung aus zwei Semestern kann ich sagen, dass die Studierenden diese interaktive Lehrumgebung sehr unterhaltsam finden. Ungefähr 80 bis 90 Prozent der Anwesenden nehmen an den Abstimmungen auch teil. In der letzten Evaluierung meiner Lehrveranstaltung gab es ausschließlich positive Rückmeldungen.

UniDAZ: Herr Dr. Wurglics, vielen Dank für das Gespräch!