28. September 2015 Drucken Empfehlen
Studium
16. Sommerschule in Aigen im Ennstal

Lernen unter dem Regenbogen

Die 16. Sommerschule der Frankfurter Pharmazie, während der 39 Studierende von insgesamt zehn Dozierenden unterrichtet wurden, fand vom 27. Juni bis zum 4. Juli 2015 in Aigen im Ennstal in Österreich statt. In jedem Semester wird eine Sommer- bzw. Winterschule vom Verein „Frankfurter Pharmazieschule e.V.“ organisiert, geplant und ausgerichtet, um die Studierenden des vierten Semesters auf den ersten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung vorzubereiten. Die Gruppe war im wunderschön gelegenen Puttererschlössl untergebracht. Angeboten wurde in dieser Woche ein 42-stündiges, anspruchsvolles und vielfältiges Lernprogramm, abgerundet von ereignisreichen Freizeitaktivitäten.

Samstag, 27. Juni

Für einige viel zu früh (7.30 Uhr) treffen wir uns auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt am Main, um uns auf den Weg in die Steiermark zu machen. Es regnet! Und leider sind heute auch noch ganz viele andere Menschen auf der Autobahn! Nach fast zehnstündiger Fahrt werden wir alle im Puttererschlössl herzlich begrüßt und können uns mit Kaffee und Kuchen stärken. Zum „Warmwerden“ startet noch am gleichen Abend eine Lehreinheit Organische Chemie im Seminarraum unterm Dach des Puttererschlössls. Obwohl der Abend etwas kühl ist, können wir die Begrüßungs-Erdbeerbowle noch unter freiem Himmel genießen.

Foto: Dr. Ilse Zündorf

Zeit für ein besonderes Gruppenfoto. Foto: Dr. Ilse Zündorf

Sonntag, 28. Juni

Um 6 Uhr – also eigentlich mitten in der Nacht – treffen sich die wackeren Sportler vor dem Schlössl. Angesichts des (leichten) Regens ziehen sich die Betreuer der Laufrunde jedoch wieder in ihre Betten zurück. Für die Schwimmer ist es aber egal, wie sie nass werden und so laufen doch einige den kleinen Berg hinunter zum Putterersee. Nach einem kräftigen Frühstück wird unsere Erinnerung an die Themen Allgemeine Chemie, Quantitative anorganische Analyse und Instrumentelle Analytik aufgefrischt. Noch hat sich das angekündigte Sommerwetter nicht eingestellt: Regen und Sonnenschein wechseln sich ab, finden sogar zusammen und es kommt zu einem perfekten, teilweise doppelten Regenbogen. Eine prima Gelegenheit für ein außergewöhnliches Gruppenbild!

Foto: Dr. Ilse Zündorf

Die Rafting-Tour auf der Salza war ein tolles und aufregendes Erlebnis. Foto: Dr. Ilse Zündorf

Montag, 29. Juni

Und wieder heißt es um 6 Uhr: sporteln! Die Präferenz liegt noch ganz klar beim Schwimmen! Der Vormittag steht unter dem Einfluss der Organischen Chemie (schon wieder!) und der Biologie mit Schwerpunkt Cytologie, Genetik und Stoffwechselphysiologie.
Für den Nachmittag ist eine Rafting-Tour auf der Salza vorgesehen. Einige, die so etwas noch nie gemacht haben, verspüren ein leicht mulmiges Gefühl in der Magengegend, das sich nur unwesentlich bessert, als wir unsere Neoprenanzüge, Schwimmwesten und Helme in die Hand gedrückt bekommen. Und warum genau müssen wir uns mit Unterschrift auf einer Teilnehmerliste eintragen …? Aber die genaue Einweisung durch die begleitenden Guides, wie wir uns auf dem Wasser zu verhalten haben, wie wir unsere über Bord gegangenen (oder geschubsten) Freunde wieder ins Boot holen, aber auch, wie wir am besten andere Boote entern können, bringt auch den verzagteren Teilnehmern etwas Sicherheit. Die zweistündige Rafting-Tour führt durch Schluchten, vorbei an Ruinen und prächtiger Natur durch das wunderschöne Gesäuse, ein Nationalpark in der Steiermark. An einer Stelle können alle Mutigen aus viereinhalb Metern Höhe in das glasklare Wasser springen (die besonders Wagemutigen sogar aus sieben Metern Höhe!). Als dann auch endlich die Sonne zum Vorschein kommt, ist das Glück perfekt.
Nachdem sich alle aus den Neoprenanzügen geschält haben, geht es zurück zur Unterkunft, wo schon der Duft nach gegrillten Würstchen und Fleisch sowie reichlich Salat und Gemüse die hungrige Gruppe empfängt.
Hoher Besuch beim Grillabend sind Rolf Breuer, ehemaliger Vorsitzender des Hochschulrates der Goethe-Universität Frankfurt, nebst Frau, und der Bürgermeister der Gemeinde Aigen, der – wie jedes Jahr – das Bier für den Grillabend spendiert. Und dann hat sich auch noch eine Gruppe einheitlich gekleideter Herren des Männergesangsvereins der Gemeinde Aigen eingefunden. Sie bieten nicht nur Herrn Breuer ein Geburtstagsständchen dar, sondern üben mit uns zusammen auch ein spezielles Apotheker-Trinklied ein.

Foto: Dr. Ilse Zündorf 

Eine entspannte Mittagspause im Sonnenschein – das haben wir uns verdient! Foto: Dr. Ilse Zündorf

Dienstag, 30. Juni

Nach dem fröhlichen und gemütlichen Abend fällt das Aufstehen zum Morgensport etwas schwerer. Trotzdem ist der Andrang so groß, dass diesmal sogar zwei Laufgruppen angeboten werden. Die weniger geübten Läufer können sich auf eine kleinere Runde mit ca. vier Kilometern begeben, während sich die anderen auf einer größeren, ca. sieben Kilometer langen Runde austoben. Und obwohl es immer noch sehr kühl ist, steigt auch heute eine recht große Gruppe Schwimmer in den Putterersee. Es folgt ein Lerntag mit vollem Programm, bei dem sich die Lücken in der Arzneipflanzensystematik auftun und einige Aspekte in Physik und Arzneiformenlehre aufgefrischt bzw. erläutert werden. Immerhin ist jetzt tatsächlich auch der Sommer in der Sommerschule angekommen und die lange Mittagspause kann gut für Sport oder einfach nur zum „Faulrumliegen“ genutzt werden.

Foto: Dr. Ilse Zündorf

Nach dem straff organisierten Lernprogramm waren wir fit für das erste Staatsexamen. Foto: Dr. Ilse Zündorf

Mittwoch, 1. Juli

Und wieder fängt morgens um 6 Uhr ein neuer Tag an. Angesichts der angekündigten hohen Tagestemperaturen macht der Sport in der angenehmen Kühle des Morgens richtig Spaß. Auf dem heutigen Lernprogramm stehen Organische Chemie, Qualitative Analytik und Biologie. Mittlerweile ist aber auch die Hitze im Seminarraum unter dem Dach angekommen, sodass es allen etwas schwerer fällt, sich die Merkmale der Apocynaceae und Rubiaceae einzuprägen. Das Qualmen der Köpfe relativiert sich allerdings beim qualmenden, aber sehr idyllischen Lagerfeuer in den späten Abendstunden.

Donnerstag, 2. Juli

So langsam zehren die kurzen Nächte an unseren Kräften. Aber trotzdem sind noch viele Wackere beim Morgensport dabei! Nach den letzten beiden sehr ausgiebigen Lerntagen geht es am Mittag – nach Seminaren in Organischer Chemie (wieder einmal) und Humanbiologie – in das wunderschöne Graz. Die Führung durch die Designstadt zeigt uns nicht nur Kunst und Kultur sowie atemberaubende Ausblicke vom Uhrturm aus über die Stadt, sondern bietet auch viele Informationen zur Grazer Geschichte. Nach den Tagen in der ländlichen Umgebung von Aigen ist die zwar heiße, aber urbane Luft eine willkommene Abwechslung, die wir noch bis 21 Uhr nach Belieben genießen können. Um den Kopf von den zahlreichen Lerneinheiten etwas freizubekommen, schlendern wir durch die Altstadt, setzen uns hier und da in einige der zahlreichen Bars und Restaurants und genießen das Leben.

Freitag, 3. Juli

Foto: Dr. Ilse Zündorf

Tolle Gemeinschaft: Bei den gemeinsamen Abenden am Lagerfeuer wurde geredet, gelacht und gesungen! Foto: Dr. Ilse Zündorf

Was, schon der letzte Tag? Irgendwie ist die Zeit verflogen! Die letzten Lerneinheiten in Organischer Chemie und Arzneipflanzensystematik werden abgerundet durch ein allgemeines Strategietraining: Wie kann ich mich am besten auf den ersten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung vorbereiten? Aber auch – und das ist ganz wichtig: Wie bleibe ich in der Prüfung ruhig und kann dann all das abrufen, was ich mir zuvor angeeignet habe?
Die Tour am Nachmittag in das Benediktinerstift Admont ist ein beeindruckendes Erlebnis. Wir sind noch etwas zu früh vor Ort und so führt unser Weg zuerst durch den Arzneipflanzengarten des Klosters, wo das in den letzten Tagen angeeignete Wissen über die Pflanzensystematik in der Praxis vertieft werden kann. Sehr viel kühler als im sonnigen Garten des Klosters ist es in der berühmten Stiftsbibliothek. Subprior Winfried Schwab zeigt uns die weltgrößte Klosterbibliothek, die ca. 70.000 Bände umfasst. Lichtdurchflutet, wie sich die Stiftsbibliothek präsentiert, passt sie zum Gedanken der Aufklärung: „Wie den Verstand soll auch den Raum Licht erfüllen.“ Als Kontrast zur Architektur und klassischen Kunst des Stifts präsentiert uns Pater Winfried die neue Ausstellung „Feuer & Flamme – Vom Stiftsbrand 1865 bis heute“ mit zum Teil sehr ungewöhnlichen modernen Kunstwerken. Nach den ermutigenden Worten des Paters und den besten Wünschen für Glück und Erfolg beginnt der letzte Abschlussabend beim Kirchenwirt in Aigen.
Zum traditionellen Ripperl-Essen lädt inzwischen seit einigen Semestern eine Gönnerin der Frankfurter Pharmazieschule, Bettina Langenberg, ein. Sie ist für diesen Abend (und für eine entspannende Runde Golf) extra aus Frankfurt eingeflogen und gibt uns Studierenden ein paar motivierende Worte mit auf den Weg. Und noch weitere Gäste sind nur für diesen Abend (und die köstlichen Ripperln) angereist: Michael Röhr und Dennis Mertens vom Apothekenrechenzentrum wollen wenigstens kurz miterleben, wie toll die Stimmung auf der Sommerschule 2015 ist. Schließlich ist das ARZ der Hauptsponsor für die Frankfurter Sommer- und Winterschulen, sodass es uns Studierenden finanziell leichter gemacht wird, an dieser Lernwoche teilzunehmen. Alle Gäste genießen zusammen mit uns den Abschlussabend. Zum Ausklang des Tages und ein letztes Mal für diese Sommerschule sitzen wir dann noch am Puttererschlössl zusammen am Lagerfeuer und lassen die vergangene Woche Revue passieren.

Samstag, 4. Juli

Nach einer für die meisten sehr kurzen Nacht fährt der Bus pünktlich um 8 Uhr in Aigen ab und bringt uns in gewohnter Manier sicher zurück in die Studienheimat.
Die Sommerschule hinterlässt bei allen Teilnehmern große Motivation für die anstehende Lernphase und sehr viele sehr glückliche Erinnerungen an eine Woche in inspirierendem Zusammenhalt. Alle Studierenden durften erleben, dass die Anstrengungen der Dozierenden, die anspruchsvollen Lerninhalte zu vermitteln, in dieser Atmosphäre besonders fruchtbar waren. Danke an die Dozierenden für die ausgezeichnete Vorbereitung und Umsetzung und an alle, die diese Woche ermöglicht haben.

Von Alice Walther und Maximilian Molitor,
Pharmaziestudierende aus Frankfurt