28. September 2015 Drucken Empfehlen
Studium
Uni-Leben: Was gibt´s Neues?

3D-Brillen im Hörsaal

Es bedarf schon einiger Vorstellungskraft, um sich Moleküle räumlich vorzustellen. Nicht so an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Denn dort lehrt Prof. Dr. Christian Peifer, der in einigen Vorlesungen 3D-Brillen verwendet.

UniDAZ: Wie funktionert die technische Nutzung der 3D-Brillen?
Prof. Peifer: Die 3D-Brillen basieren auf einer anaglyphen Technik und sind günstig in größeren Stückzahlen zu erhalten. Man nutzt den Hörsaalbeamer und eine entsprechende 3D-Software auf dem Laptop zur Darstellung in der Vorlesung. Dadurch ist man nicht auf einen Hörsaal festgelegt und es entsteht kein organisatorischer Aufwand.

UniDAZ: In welchen Vorlesungen verwenden Sie die 3D-Brillen?
Prof. Peifer: Ich nutze die Brillen vor allem in den Lehrveranstaltungen Stereochemie, Einführung in die Organische Chemie und in der Hauptvorlesung Pharmazeutische Chemie. Darüber hinaus halte ich oft Vorträge in Schulen (Uni kommt zur Schule) und auf Abendveranstaltungen für die Universitätsgesellschaft Schleswig-Holstein.

UniDAZ: Warum nutzen Sie die 3D-Brillen?
Prof. Peifer: Die Welt der Chemie und damit auch von Arzneistoffen wurde lange Zeit als zweidimensional vermittelt, die Strukturformeln enthalten allenfalls Keilstriche, um eine dreidimensionale Ausrichtung anzudeuten. Auf dieser Grundlage ist es oft schwierig, sich die tatsächlichen Ligand-Rezeptor-Interaktionen im 3D-Raum vorzustellen und die Relevanz von stereochemischen Aspekten zu begreifen. Beispielsweise liegen ja eine ganze Reihe von Arzneistoffen als Eutomer (wirksames Stereoisomer) und Distomer (weniger- bzw. unwirksames Stereoisomer) vor. Im Laufe meiner Entwicklung als Dozent habe ich festgestellt, dass viele Studierende Schwierigkeiten mit diesen Vorstellungen im 3D-Raum haben. Da wir in der Arbeitsgruppe die Schrödinger Software (3D-Software, Anm. d. Red.) für unsere Forschungsprojekte nutzen, war es naheliegend, diese moderne Technologie auch für die Lehre einzusetzen.

UniDAZ: Und wie finden die Studierenden das?
Prof. Peifer: Ich glaube, dass die 3D-Visualisierung bei vielen Studierenden und Schülern sehr gut ankommt und neben dem didaktischen Erlebnis einen zusätzlichen Aha-Effekt zum stereochemischen Verständnis auslöst.

UniDAZ: Herr Prof. Peifer, vielen Dank für das Gespräch!