ZWISCHEN ENZYMEN UND FISH´N´CHIPS
Foto: Lisa Eisenbeiß
27. March 2014 Drucken Empfehlen
Internationales
EIN AUSLANDSSEMESTER IN ENGLAND

ZWISCHEN ENZYMEN UND FISH´N´CHIPS

Den Unialltag hinter sich lassen, durchatmen und einfach mal die Tapeten wechseln – da kommt ein Auslandsaufenthalt während des Studiums gerade recht. Dabei gleichzeitig seine Sprachkenntnisse auffrischen und ein neues Land kennenlernen: trifft sich gut, dachte ich mir. Aber bevor es losging, hatte ich noch viele Fragen im Kopf: Was wird mich wohl in England erwarten? Wie werden die Leute sein? Aber vor allem: Was muss vorher noch alles organisiert werden?

Während des Studiums ins Ausland zu gehen, war schon immer ein Wunsch von mir. Wohin es dabei gehen sollte, war dabei erst einmal zweitrangig – Hauptsache weg und eine kleine Auszeit vom doch sehr intensiven Studium nehmen. Da zwischen dem Fachbereich Pharmazie der Universität Saarbrücken und der University of Exeter eine Zusammenarbeit besteht, was die Vorrausetzung für eine Teilnahme am Erasmus-Programm ist und zudem eine Kommilitonin auch ins Ausland wollte, fiel mir die Entscheidung, nach England zu gehen, nicht schwer.

MIT ERASMUS NACH EXETER

Idylle in Exeter. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Idylle in Exeter. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Neun Monate bevor es losgehen sollte, fingen wir an, uns intensiv über die Voraussetzungen für ein Auslandssemester und die Anforderungen der englischen Uni zu informieren. Wichtig für uns war außerdem, dass der Auslandsaufenthalt anerkannt wurde. Antworten auf seine unzähligen Fragen bekommt man im International Office der eigenen oder der Partner-Uni; in Letzterem wird auch die Ankunfts- und Aufenthaltsbestätigung ausgestellt. Die Unterstützung durch das Erasmus-Stipendium ermöglichte uns eine finanzielle Bezuschussung und ersparte uns die Studiengebühren an der englischen Universität. Dafür mussten wir ein Learning Agreement ausfüllen, in dem wir die belegten Kurse an der Gastuniversität eintrugen. Auf der Homepage der University of Exeter fanden wir Anmeldeformulare für Erasmus-Studenten, sowie weitere Informationen über die geforderten Dokumente, wie beispielsweise eine Bescheinigung über die Sprachkenntnisse. Auch ein Motivationsschreiben gehörte in die Bewerbung. Eine Anerkennung der Studienleistungen im Ausland ist nicht automatisch gewährleistet und sollte unbedingt vorher mit den jeweiligen Lehrstühlen abgesprochen werden.

BESTER ZEITPUNKT: NACH DEM STAATSEXAMEN

Der Zeitpunkt für den Auslandsaufenthalt war auch schnell gefunden: Nach dem1. Staatsexamen beginnt das Scheinesammeln von vorne, sodass ein Wiedereinstieg leicht fällt. Zudem wurde das Praktikum „Biochemie” aufgrund unserer Labortätigkeit in England anerkannt, sodass nur noch die Klausur geschrieben werden musste.

SELBSTSTÄNDIGES ARBEITEN IM LABOR

Während der Zeit in Exeter arbeiteten wir an der Fakultät für Biochemie. Betreut wurden wir jeweils von einem Doktoranden, der uns ein Projekt seiner aktuellen Arbeit zuteilte. Ich beschäftigte mich dabei mit der Expression eines Enzyms und dessen Aufreinigung, mit dem Ziel, Kristalle zur Strukturaufklärung zu erhalten. Dazu wurde das Enzym mittels Escherichia-coli-Bakterien exprimiert und anschließend durch verschiedene Chromatographie-Verfahren aufgereinigt. Durch die Arbeit erhielt ich Einblicke in neue Arbeitsmethoden sowie in das wissenschaftliche Arbeiten an sich, das weit über das bis dahin im Studium Erlernte hinausging. Durch die tägliche Übung fühlte ich mich schnell sicher und konnte rasch selbstständig arbeiten. Der Einblick in den Laboralltag gab mir zudem eine Vorstellung davon, wie ich mir eine Promotion vorzustellen habe. Die Sprache stellte bei der Verständigung im Labor kein Hindernis dar. Anfangs noch stockend, war man durch das tägliche Sprechen sehr schnell mit der Sprache vertraut.

WOHNEN UND LEBEN AUF DEM CAMPUS

Das Institut für Biochemie auf dem Campus. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Das Institut für Biochemie auf dem Campus. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Die Universität selber ist sehr schön und weitläufig, es gibt viele Grünflächen. Wir haben in einem Studentenwohnheim direkt auf dem Campus gewohnt, nur fünf Minuten vom Labor entfernt. Mit uns teilten sich weitere zehn Studenten aus der ganzen Welt die Wohnung, was stets zu interessanten Gesprächen und leckeren Dinnern führte. Auch vorwitzige Eichhörnchen, die gerne mal in die Küche im dritten Stock kletterten, wenn sie hungrig waren, kamen zu Besuch. Als wir im April ankamen, war die Vorlesungszeit leider schon vorbei und die meisten Studenten im Klausurenstress, weshalb die Uni mitunter etwas leer war. Es gab aber zahlreiche „societies”, denen man sich anschließen konnte. Das sind Interessensgruppen wie Sportclubs, Kunstclubs oder Musikclubs, die beispielsweise gemeinsam Wanderungen an der Küste oder in den Nationalparks unternehmen oder Ausstellungen besuchen. Auch das International Office der Universität organisierte regelmäßig Veranstaltungen für die Erasmusstudenten, was immer sehr viel Spaß machte und die Möglichkeit bot, neue Leute kennenzulernen.

EXETER UND UMGEBUNG

Blick auf einen Teil der Jurassic Coast an der Südküste. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Blick auf einen Teil der Jurassic Coast an der Südküste. (Foto: Lisa Eisenbeiß)

Da die Freizeit nicht zu kurz kommen sollte und man während des Auslandssemesters eben doch weniger als zu Hause lernt, wurden die Wochenenden ausgiebig genutzt, um Exeter und Umgebung zu erkunden. Exeter ist eine Stadt in der Grafschaft von Devon, die vor allem historisch viel zu bieten hat. Zur Küste Exmouths ist es auch nicht weit: Dort kann man am Strand etwas Zeit verbringen und die typischen Fish ‘n‘ Chips essen. Der Freizeitplanung sind (fast) keine Grenzen gesetzt: In Bath auf den Spuren der Römer wandeln, nahe Salisbury über die Stonehenge-Rätsel grübeln oder im Dartmoor National Park das Gefühl haben, gleich Inspector Barnaby um die Ecke kommen zu sehen? Alles von Exeter aus möglich. Auch das Großstadtgetümmel in London muss man erlebt haben!

BEREICHERNDER AUSLANDSAUFENTHALT

Einen Auslandsaufenthalt in sein Studium zu integrieren, kann ich nur jedem empfehlen, selbst wenn es nur ein kurzes Praktikum ist. Für mich war es eine willkommene Abwechslung vom gewohnten „Unitrott”. Auch das tägliche Arbeiten im Labor anstelle der üblichen Vorlesungen und Pflichtpraktika war eine neue und interessante Erfahrung. Einen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten zu bekommen, hat auf jeden Fall mein Interesse geweckt. Nicht zuletzt war auch das Kennenlernen von Land und Leuten eine Bereicherung, die ich nicht missen möchte.

Von Lisa Eisenbeiß,
Pharmaziestudentin aus Saarbrücken