27. March 2014 Drucken Empfehlen
Studium
BESINNLICHE WEIHNACHTSZEIT BEIM DRITTEN STAATSEXAMEN

PRÜFER BEISSEN NICHT!

Kurz vor Weihnachten fuhren meine Lieblingskommilitonin und ich zur Prüfung. Während ich sehnsüchtig der Müllabfuhr hinterherblickte, riss sie mich mit den Worten „Jetzt ist es zu spät. Du kannst nicht mehr abbrechen und einen anderen Beruf erlernen” aus meinen Gedanken. Dass sie Recht hat wusste ich – aber man darf doch wohl noch träumen!

Am Prüfungsort angekommen, lief uns einer der drei Prüfer über den Weg. Aufmunternd lächelte er uns zu und raunte: „Das wird schon, keine Sorge!” Die Angst stand uns wohl ins Gesicht geschrieben. Aber jetzt konnte man eh nichts mehr ändern, das Gelernte musste reichen.

VIEL BEKANNTES

Die Themen der drei großen Blöcke „Alles aus dem Studium”, „Wissen aus dem PJ” und „Recht” waren auf den ersten Blick schier uferlos. Die Unterlagen vom ersten und zweiten Staatsexamen, die ich mir aus Vorlesungen und Büchern zusammengeschrieben hatte, haben mir sehr geholfen. Da einer der Prüfer Technologieprofessor war, habe ich einen Schwerpunkt auf Technologie und Arzneiformenlehre gelegt. Den Bereich Recht habe ich durch den berufsbegleitenden Unterricht und das Buch „Pharmazeutische Gesetzeskunde” von Neukirchen abgedeckt.

WISSEN, WO ES STEHT

Da einige Kommilitonen schon vor mir geprüft wurden, hatten wir dank E-Mail-Verteilersystem einen detaillierten Ablauf der vorangegangenen Prüfungen, sodass ich mein Wissen damit auf die Probe stellen konnte. Vorsorglich habe ich mir zudem das Europäische Arzneibuch und den DAC genau angeschaut, getreu nach dem Motto „Man muss nicht alles wissen, aber man muss wissen, wo man nachschlagen kann”.

LÄCHELN – REDEN – NICKEN

Foto: Superhasi – Fotolia.com

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Nach kurzem Warten wurden wir in den Prüfungsraum gebeten. Händeschütteln, Lächeln und eine entspannte Haltung simulieren lautete die Devise. Die drei Prüfer knobelten noch kurz aus, wer mit seinen Fragen anfangen durfte. Der Technologe gewann. Dank der Vorweihnachtszeit stand eine Weihnachtspyramide auf dem Tisch, deren Flügel von der Wärme der Kerzenflamme bewegt wurden. Der Prüfer zeigte darauf und fragte mich, was das denn sei. Super! Die Frage (und Antwort) hatte ich bereits im Protokoll gelesen, es ging um Weihrauch. Beherzt plapperte ich drauf los und erzählte die Geschichte der heiligen drei Könige, um auf den Weihrauch zu kommen. Aber der Prüfer unterbrach mich mit den Worten: „Nein, das da! Woraus bestehen die Kerzen?” „Oh. Aus Wachs”, antwortete ich. „Ja und woraus besteht Wachs?” lautete die unausweichliche Frage. Mist. Die Seite aus dem Arzneiformenlehre-Skript hatte ich vor Augen, aber nicht deren Inhalt. Nach einigem Überlegen fiel es mir ein und dann lief es. Der rechtliche Teil war etwas kniffliger – die Frage habe ich bis heute nicht richtig verstanden, aber meine Überlegungen, die ich fleißig mit Paragraphen untermauerte, schienen gut zu sein. Zumindest bedankte sich der Prüfer im Nachhinein für die „angeregte Diskussion”.

BILD DIR DEINE MEINUNG!

Für den praktischen Teil wurde uns geraten, Fachzeitschriften zu lesen, um Fragen zu den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung beantworten zu können. Statt einer Fachzeitschrift legte mir der Prüfer allerdings die BILD vor die Nase! Dort waren die „besten Nasensprays” aufgeführt. Die Beratung zu Nasensprays und Zusatztipps waren eine meiner leichtesten Übungen, schließlich war Winter und alle waren verschnupft. Nach ein paar weiteren Fragen und einer kurzen Beratungsrunde wurde uns zu unserem bestandenen dritten Staatsexamen gratuliert und frohe Weihnachten gewünscht.

ALLES HALB SO SCHLIMM

Dank der Unterlagen aus dem Studium, dem praktikumsbegleitenden Unterricht, Büchern und Fachzeitschriften ist man gut gerüstet. Sobald die Prüfer bekannt sind, kann man sich zudem ein Bild davon machen, welche Themen auf jeden Fall vertieft werden sollten. Die Prüfer sind außerdem wie in fast jeder Prüfung nett und wollen einem zur richtigen Antwort verhelfen. Im Nachhinein war es wie immer, nämlich alles halb so schlimm.

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