27. March 2014 Drucken Empfehlen
Hochschulpolitik
BPhD e.V.

PHARMAZIE 2020 BEIM BPhD

Die Zukunft macht auch vor dem Beruf des Apothekers nicht halt. Da aber noch viele veraltete Inhalte gelehrt werden, muss man auch sicherstellen, dass die Zukunft unser Studium auch erreicht. Von der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e.V. (DPhG) wurde Anfang 2013 das Projekt „Pharmazie 2020″ ins Leben gerufen, in dessen Rahmen auch der BPhD die Gelegenheit bekam, seine Standpunkte darzulegen.

Insbesondere der Eingang des bereits 2012 verabschiedeten, globalen Dokuments über die Zukunft des Apothekerberufes der Pharmaziestudierenden (EPSA & IPSF Students´ Declaration on the Future of Pharmacists) war hier bedeutsam (siehe Abb.1). Ebenso zog der BPhD mit einer eigenen Arbeitsgruppe zu Pharmazie 2020 unter Leitung von Sven Lobeda (BPhD-Beauftragter für Lehre & Studium) nach, die eine studentische Bewertung der Ausbildungsinhalte vornehmen soll.

NEUE INHALTE IMPLEMENTIEREN

Das Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, das Pharmaziestudium den geänderten Bedingungen anzupassen. In Zukunft soll es praxisorientierter, qualitativ noch hochwertiger und nachhaltiger gestaltet werden. Daher ist eine Umstrukturierung des Studiums notwendig, da veraltete Inhalte durch neue ersetzt werden müssen (wie z.B. den Kationentrennungsgang), ohne aber den Blick für die wichtigsten Aspekte des Studiums zu verlieren. Die Arbeitsgruppe „Pharmazie 2020″ steht momentan noch am Anfang. Im Jahr 2012 machte der BPhD eine Umfrage zu den strukturellen Bedingungen im Studium der Pharmazie, an der sich 1143 Studenten aus allen Pharmaziestandorten beteiligten. Hier kristallisierte sich heraus, dass es einige Aspekte gibt, die verbessert werden können. Ein großer Aspekt ist vor allem die Lehre in der klinischen Pharmazie (siehe Abb. 2).

UMFRAGE ZUR LEHRE „KLINISCHE PHARMAZIE”

Abb.1: Das Dokument ist in die Überlegungen der DPhG-Arbeitsgemeinschaft eingegangen.

Abb.1: Das Dokument ist in die Überlegungen der DPhG-Arbeitsgemeinschaft eingegangen.

Um ein besseres und differenzierteres Bild der Lehre an den einzelnen Standorten zu erhalten, verfasste die Arbeitsgruppe „Vergleich pharmazeutischer Curricula in Deutschland” unter der Leitung von BPhD-Präsident David Reiner mittels Umfrage eine Tabelle. In dieser werden die vorgeschriebenen Gesamtstunden der jeweiligen Studienordnung sowie die tatsächlichen Stunden erfasst. Hiermit soll die Umsetzung der Approbationsordnung an den einzelnen Standorten ermittelt werden und nach vollständiger Auswertung auch eine Empfehlung seitens des BPhD mit dem Ziel erfolgen, einen einheitlichen Stundenplan zu schaffen. Natürlich darf bei dieser Empfehlung nicht in die Autonomie der Hochschulen eingegriffen werden. Dennoch wurde mit dem Curriculavergleich ein Instrument geschaffen, das Transparenz in die Umsetzung der Lehrinhalte bringt. Bei Redaktionsschluss lief diese Umfrage noch; nach Abschluss der Umfrage werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppe gesondert veröffentlicht.

PHARMAZIE IN AUSSERGEWÖHNLICHEN SITUATIONEN

Zudem beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Pharmazie 2020″ mit Themen, die potentielle neue Studieninhalte werden könnten, wie die Katastrophenpharmazie. Damit ist die Arzneimittelversorgung in außergewöhnlichen Situationen gemeint. Hierzu werden seit einigen Jahren von der Akademie für Krisenmanagement, Notfallhilfe und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Ahrweiler in Kooperation mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)und der AG Katastrophenpharmazie Aus- und Fortbildungen vor allem für Apotheker, PTA und PKA angeboten. Erfreulicherweise dürfen ebenfalls Studenten der höheren Semester an diesen Seminaren teilnehmen, was sich dieses Jahr großer Beliebtheit erfreute. Leider gibt es noch einige Unstimmigkeiten unter den Kammern; so können Studenten aus Sachsen-Anhalt problemlos an den Seminaren teilnehmen, während es in Bayern nicht möglich ist. Andere Bundesländer sperren sich zum Teil. Hier wünschen wir uns eine klare Richtlinie, um allen Studenten deutschlandweit die gleichen Fortbildungsmöglichkeiten zu gewähren. Zudem befürwortet der Vorstand des BPhD die Aufnahme des Fachgebietes in die Lehrinhalte.

WIE WERDEN ARZNEIMITTEL WAHRGENOMMEN?

Abb. 2: Aus Sicht der Studierenden gibt es einiges im Studium zu verbessern.

Abb.2: Aus Sicht der Studierenden gibt es einiges im Studium zu verbessern.

Das Gebiet der Sozialpharmazie wurde als Folge der Ereignisse um den Wirkstoff Thalidomid seit 1965 in einigen Ländern als Lehr- und Forschungsfach vorgeschrieben. Die Sozialpharmazie beleuchtet, wie bestimmte Menschengruppen sich mit Arzneimitteln auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um Patienten, Ärzte, Apotheker, andere Heilberufler, Politiker, Organisationen und Verbände, sowie die Gesellschaft als Ganzes. In ganz Deutschland bietet nur das Landeszentrum Nordrhein-Westfalen ein Praktikum in Sozialpharmazie an. Die Inhalte überschneiden sich zum Teil mit Themen der Pharmakoepidemiologie und -ökonomie, gehen aber – beispielsweise mit ethischen Fragestellungen – auch darüber hinaus. Die Arbeitsgruppe um Sven Lobeda plant derzeit, sich mit dem Landeszentrum in Verbindung zu setzen, um gegebenenfalls einen Lehrplan bzw. Lehrinhalte für das Hauptstudium auszuarbeiten.

APOTHEKENSOFTWARE ZUM AUSPROBIEREN

Aber auch die Auseinandersetzung mit Apothekenbetriebssystemen in der Lehre ist ein Thema. So wurde im Rahmen der Expopharm 2013 und der Bundesverbandstagung (BVT) die Frage aufgeworfen, inwiefern es Sinn hat, sich mit diesen Softwareprogrammen in der Lehre zu beschäftigen. Hierzu wurde eine Umfrage durchgeführt, bei der sich ein eindeutiges Befürworten herausbildete. Das am meisten gewünschte Konzept waren Tagesseminare, die mit einem Vortrag der Herstellerfirma gekoppelt sind. Im Anschluss daran hätte man dann die Möglichkeit, selbst mit diesen Programmen zu arbeiten. Derzeit werden noch weitere Gespräche mit den Studenten und Herstellern geführt.

ZUSAMMENARBEIT IST DAS ZIEL

Ein Hauptproblem ist momentan die aus unserer Sicht mangelnde Zusammenarbeit der Kammern und Gesellschaften untereinander. Wünschenswert wäre eine stärkere, gemeinsame Auseinandersetzung aller standespolitischen Akteure über gegenwärtige Ausbildungsinhalte. Wenn ihr als Studierende Interesse habt, an eurer Ausbildung mitzuarbeiten und das Studium zukunftsfähig zu machen, könnt ihr euch in den Verteiler der Gruppe eintragen lassen. Schreibt dazu einfach eine Mail an pharmazie2020@bphd.de. Wir freuen uns über euer Interesse!

Sascha Manier,
BPhD-Beauftragter für Internet & Presse