EASY GOING ODER AM RANDE DES WAHNSINNS?
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27. March 2014 Drucken Empfehlen
Studium
MEINE ERFAHRUNGEN IM ZWEITEN STAATSEXAMEN

EASY GOING ODER AM RANDE DES WAHNSINNS?

Wer Pharmazie studiert, erkennt schnell: Nach der Prüfung ist vor der Prüfung. Und unabhängig davon, wie viele Prüfungen ich auch schon erfolgreich absolviert hatte, vermutete ich, dass die nächste Prüfung immer schwieriger sein würde als alle vorherigen. Vor allem wenn es sich um das zweite Staatsexamen handelt.

Ich musste mich, wie alle anderen auch, für fünf große Fächer vorbereiten, um dann in einer 30-minütigen mündlichen Prüfung den Profs und Prüfungsbeisitzern zu beweisen, dass ich im Hauptstudium immer fleißig in den Vorlesungen zugehört und das Material auch nachgearbeitet hatte.

NACH DER PANIK KAM DER PLAN

Wo sollte ich nun anfangen mit dem Lernen? Der Berg an Lernmaterial war riesig, und die Zeit bis zum Examen wurde immer knapper. Nachdem meine Kommilitonin und ich panisch festgestellt hatten, dass wir niemals in der Lage wären, das Examen zu bestehen, setzten wir uns zusammen, um uns gegenseitig zu beruhigen und einen Lernplan zu erstellen. Gemeinsam entschieden wir, welche Themen wir in jedem Fach vorbereiten wollten und bei welchen wir unseren Mut zur Lücke beweisen wollten. Nachdem die – rasch aufeinanderfolgenden – Prüfungstermine bekannt wurden, planten wir im Detail, wie viele Tage für das jeweilige Fach zum Lernen zur Verfügung standen. Die Tage wurden in Stunden aufgeteilt und die Stunden in die unterschiedlichen Themengebiete. Unser Ziel war es, bis zur ersten Prüfung alle Fächer ausreichend vorbereitet zu haben. Die letzten Tage vor der Prüfung konzentrierten wir uns nur noch auf das jeweilige Fachgebiet und wiederholten das bereits Gelernte.

BIS TIEF IN DIE NACHT

Wir arbeiteten hauptsächlich mit den Skripten des jeweiligen Fachs und unseren Mitschriften aus den Vorlesungen. Aus diesen schrieben wir das Wichtigste zusammen. Das war der aufwendigste Schritt, der aber dazu beitrug, dass man sich mit den Themen solange beschäftigte, bis man alles verstanden hatte. Zudem festigten sich die Themen in unseren Köpfen. Unter Zuhilfenahme von Fachliteratur, die von den Dozenten am Anfang jeden Semesters empfohlen wurde, klärten wir offene Fragen. Der letzte Schritt bestand darin, die Zusammenschrift immer wieder durchzuarbeiten und sich selbst in Dauerschleife zu erzählen. Die anstrengendsten, aber auch intensivsten Tage (und Nächte) waren die, an denen wir uns gegenseitig den Lernstoff abfragten. So konnten wir das Gelernte nochmal aus dem Mund des anderen hören und Fragen klären. Das freie Sprechen für die mündliche Prüfung wurde automatisch mittrainiert.

DER TAG DER WAHRHEIT

Ich war kurz am überlegen, ob ich in der Technologie-Prüfung den Notausstieg benutzen sollte – habe mich glücklicherweise aber dagegen entschieden. (Foto: ThinMan – Fotolia.com.)

Ich war kurz am überlegen, ob ich in der Technologie-Prüfung den Notausstieg benutzen sollte – habe mich glücklicherweise aber dagegen entschieden. (Foto: ThinMan – Fotolia.com.)

Mit nur zwei bis drei Stunden Schlaf und einem nervösen Magen ging ich zu meiner ersten Prüfung: Klinische Pharmazie. Vor der Tür traf ich auf einen aufgeregten Kommilitonen, dessen Prüfung nach meiner stattfinden sollte. Gemeinsam warteten wir, während im Prüfungsraum schon eine andere Kommilitonin geprüft wurde. Kurze Zeit später kam sie mit einer guten Note erleichtert aus dem Raum. Ich wusste, mein großer Moment war nun gekommen.

WAS, SCHON VORBEI?

Ich betrat den Raum und wurde freundlich von der Prüferin und Beisitzerin, beides bekannte Gesichter, begrüßt. Der Ablauf der Prüfung entsprach dem der Seminare. Die gestellten Fragen waren verständlich; die meiste Zeit durfte ich ununterbrochen reden und so mein Wissen preisgeben. Die Prüfung war gefühlte zehn Minuten später vorbei und ich wollte doch noch so vieles loswerden! Erleichtert und mit einer Supernote wurde ich schließlich entlassen. Jede Prüfung trat ich nervös an, um immer wieder festzustellen, dass die Prüfer uns nichts Böses wollten, aus meiner Sicht vernünftige Fragen stellten und eine halbe Stunde sehr kurz sein kann.

WENN ES MAL NICHT NACH PLAN LÄUFT

Wenn man die richtige Antwort nicht kennt, kann einem die halbe Stunde aber auch sehr lang vorkommen. So überraschend gut und souverän ich alle Prüfungen absolviert hatte, bereitete mir eine Prüfung große Schwierigkeiten: Pharmazeutische Technologie. Ich hatte mich genauso intensiv für die Prüfung vorbereitet wie für die anderen, wurde aber auf dem falschen Fuß erwischt. Die Professorin begann mit einem Thema, dass in der Vorlesung scheinbar komplett an mir vorbeigegangen war. Ich versuchte, mir aus meinem Wissen etwas herzuleiten, aber irgendwann ging es nicht weiter, egal wie die Professorin auch nachhakte. Mein einziger Gedanke war, dass ich die Prüfung wiederholen müsste und ich suchte nach einem Notfenster, aus dem ich von dieser Situation flüchten konnte. Das Springen aus dem Fenster empfand ich jedoch als zu gefährlich und ich beschloss, die Prüfung würdevoll bis zum Ende zu ertragen. Dank der nachfolgenden Themen, in denen ich mich auskannte, gelang mir das zum Glück. Somit bestand ich auch diese Prüfung mit einer akzeptablen Note. Ich war dankbar, dass die Prüferin wie ihre Kollegen mehrere Themengebiete abgefragt hatte und mir somit die Chance gab, Gelerntes zeigen zu können. Die Professorin gab zu, dass sie an dem Tag „mal etwas seltener geprüfte Themen” abfragte, damit es nicht langweilig werden würde. Und sie hatte Recht, langweilig war diese Prüfung definitiv nicht!

PRÜFUNGEN ÄHNELTEN UNTERHALTUNG

Zwar möchte ich diese Prüfungen niemals in meinem Leben freiwillig wiederholen müssen, aber im Nachhinein betrachtet musste ich zugeben, dass alles halb so schlimm war und die Prüfungen keineswegs schwieriger waren als vorherige. Sie ähnelten mehr einer Unterhaltung und die Themen waren größtenteils vorhersehbar. In jeder Prüfung wurden Fragen gestellt, auf die man sich nicht vorbereitet hatte, aber wenn man regelmäßig die Vorlesungen besuchte und während der Studienzeit aufmerksam war, konnten auch diese beantwortet werden.

UNSER ZIEL: ENTSPANNT DAS BESTE GEBEN

Die Prüfungen haben vor uns auch andere erfolgreich bestanden und wer schon bis zum zweiten Examen gekommen ist, wird auch dieses bestehen. Man kann sich aussuchen, ob man in Ruhe sein Bestes gibt, das was möglich ist lernt und entspannt in die Prüfung geht oder sich in der Zeit vorher quälen möchte. So oder so, wer lernt, der besteht auch. Und wenn es mal anders kommen sollte: Es gibt immer eine zweite Chance.

Von Helena Shalibeik,
Apothekerin aus Hamburg