DER ERSTE ARBEITSVERTRAG
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16. September 2014 Drucken Empfehlen
Berufsstart
WORAUF KOMMT ES AN?

DER ERSTE ARBEITSVERTRAG

Sobald Sie Ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben, geht es los mit der Suche nach dem ersten richtigen Job! Wenn auch das Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist und die Zusage der Apothekenleitung vorliegt, sollten Sie auf ein paar Details achten, damit der Start in das Berufsleben rundherum gelingt.

Ganz wichtig ist dabei, dass Sie einen schriftlichen Arbeitsvertrag erhalten haben, bevor Sie mit der Arbeit beginnen. Diesen Vertrag dann bitte gründlich durchlesen und alles, was Ihnen nicht gefällt oder unklar ist, markieren und mit der Apothekenleitung besprechen. Einige wichtige Punkte, auf die Sie achten sollten, sind im Folgenden zusammengefasst:

ARBEITSORT

Meist zu Beginn des Arbeitsvertrags steht der Ort, an dem Sie Ihre Arbeitsleistung erbringen sollen. In Zeiten zunehmender Filialisierung sollten Sie darauf achten, in welcher Apotheke Sie eingesetzt werden und gegebenenfalls den Einsatz in anderen Apotheken auf Ausnahmefälle begrenzen.

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Die Freude über den (ersten) Arbeitsvertrag ist groß. Damit man auch am Arbeitsplatz weiterstrahlt, sollte einiges vor dem Unterschreiben beachtet werden. (Foto: Bernd Leitner – Fotolia.com)

PROBEZEIT UND KÜNDIGUNGSFRIST

Danach kommt meist ein Hinweis auf die Probezeit. Bei einer dreimonatigen Probezeit beträgt die tarifliche Kündigungsfrist eine Woche, bei bis zu sechs Monaten Probezeit zwei Wochen. An dieser Stelle sollten Sie genau prüfen, ob es sich um einen unbefristeten Vertrag mit Probezeit handelt (das ist eigentlich die Regel) oder um ein Arbeitsverhältnis, das für die Dauer der Probezeit befristet ist und erst danach in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übergeht. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag müssen Sie sich drei Monate vor Ende bei der Arbeitsagentur melden, um ggf. Ihre Ansprüche nicht zu gefährden. Bei den Kündigungsfristen bitte ebenfalls auf die Formulierung achten: In vielen Arbeitsverträgen für approbierte Mitarbeiter befindet sich im Moment eine Klausel, mit der die gesetzlich verlängerten Kündigungsfristen, die üblicherweise nur für den Arbeitgeber gelten, auch bei einer Kündigung durch den Mitarbeiter gelten sollen. Hierdurch ist man bei langer Betriebszugehörigkeit unter Umständen sehr lange an den Arbeitgeber gebunden.

ARBEITSZEITEN UND GEHALT

Im Vertrag folgt jetzt meist die Regelung zu den Arbeitszeiten. Anstatt nur die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit festzulegen, empfehlen wir, auch die jeweilige Lage und Verteilung auf die einzelnen Wochentage in den Vertrag aufzunehmen. Damit sind die Zeiten dann Vertragsbestandteil und können nicht ohne Weiteres einseitig abgeändert werden. Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil des Vertrags ist das Gehalt. Auch hier ist die genaue Formulierung wichtig. Am günstigsten ist es, dort keinen Betrag einzusetzen, sondern zu formulieren: „Tarifgehalt ggf. + x Prozent“. Auf diese Weise nehmen Sie automatisch an zukünftigen Erhöhungen des Gehaltstarifvertrages teil. Sei es dadurch, dass Sie in eine höhere Gehaltsstufe wechseln oder dadurch, dass sich die Tarifgehälter allgemein erhöhen. Hier sollte auch die tarifliche Sonderzahlung erfasst werden.

WETTBEWERBSVERBOT

Gerade für approbierte Mitarbeiter wird teilweise ein sogenanntes Wettbewerbsverbot in den Arbeitsvertrag aufgenommen.

„Der Mitarbeiter verpflichtet sich, nach dem Ende der Beschäftigung in meiner Apotheke für die Dauer von zwei Jahren nicht im Umkreis von fünf Kilometern Luftlinie um meine Apotheke in einer anderen Apotheke tätig zu werden.“

Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts kann im Arbeitsvertrag ein Wettbewerbsverbot vereinbart werden. Für eine solche Klausel gilt: Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ist nur dann verbindlich, wenn sich der Arbeitgeber verpflichtet, für die Dauer des Verbots dem Mitarbeiter eine Entschädigung zu zahlen, die mindestens dem letzten halben Bruttogehalt entspricht. Diese sogenannte Karenzentschädigung muss schriftlich gleichzeitig mit dem Wettbewerbsverbot vereinbart werden. Dies ist ein Grund, warum die meisten Wettbewerbsverbote, die im Apothekenbereich in Arbeitsverträgen festgehalten sind, von vornherein nicht verbindlich sind. Ein weiterer Grund ist oft die Dauer. Höchstens zulässig sind hier zwei Jahre; alles, was darüber hinausgeht, ist nicht wirksam. Als ausscheidender Mitarbeiter muss ich mich also nur dann an ein solches Verbot bei meiner weiteren Stellensuche halten, wenn das Verbot für mich tatsächlich verbindlich ist.

LASSEN SIE SICH BERATEN

Wir empfehlen unseren Mitgliedern immer, den gesamten Vertrag vor der Unterschrift an uns zu schicken, damit wir ihn auf rechtliche Unstimmigkeiten prüfen und Ihnen Tipps zur weiteren Verhandlung geben können.

BESSER INFORMIERT

ADEXA-Mitglieder bekommen übrigens viermal im Jahr unsere neu designte Mitgliederzeitschrift Spektrum. Neben Beiträgen zum Arbeitsrecht, zu Tarifen und zur Berufspolitik gibt es dort auch die Rubrik Ausbildung & Studium für den Berufsnachwuchs. Sie finden uns zudem im Internet, bei Facebook und Twitter und können sich mit der kostenlosen ADEXA-App fürs Smartphone über News, Sprechzeiten etc. informieren.

Rechtsanwältin Minou Hansen,
ADEXA, Leitung Rechtsberatung

ADEXA – DIE APOTHEKENGEWERKSCHAFT
ADEXA ist die Gewerkschaft für alle Berufsgruppen in der öffentlichen Apotheke – auch für Auszubildende, SchülerInnen, Pharmaziestudierende und Pharmazeuten im Praktikum. Sie ist die einzige Tarifvertretung auf Arbeitnehmerseite und handelt mit den Arbeitgeberorganisationen die Gehälter und Rahmenbedingungen der Arbeitsverhältnisse aus. Dazu gehören auch die tariflichen Ausbildungsvergütungen für PhiP. Außerdem vertritt ADEXA die Interessen der rund 134.000 Apothekenangestellten in der Berufs- und Gesundheitspolitik und bietet ihren Mitgliedern qualifizierte Rechtsberatung und beruflichen Rechtsschutz.

Im ADEXA-Referat Schulen & Unis ist Rechtsanwältin Minou Hansen Ansprechpartnerin für die Fachschaften. Kontakt: m.hansen@adexa-online.de

Die Mitgliedschaft ist für Pharmaziestudierende kostenfrei, die Beiträge für PhiP und Approbierte finden Sie unter www.adexa-online.de.

Weitere Infos unter www.adexa-online.de/ausbildung-studium/studierende-phip/