14. March 2013 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Berufsstart
Ein Fall für die Rechtsberatung

Krankheit und Urlaubsanspruch im Praktischen Jahr

Die ersten sechs Monate seines PJs verbrachte Arne D. in einer Berliner Krankenhausapotheke, die zweite Hälfte absolviert er jetzt in einer lebhaften kleinen Kiez-Apotheke statt. Die Tätigkeit macht D. großen Spaß, so dass er sich jeden Morgen beschwingt auf den Weg zur Arbeit macht. Vielleicht etwas zu beschwingt, denn an einem kalten Februar-Morgen rutscht er auf dem Weg zur S-Bahn auf einer Eisplatte aus und zieht sich eine Prellung der Hüfte sowie ein verstauchtes Handgelenk zu. Für zwölf Tage schreibt der Arzt ihn krank, da die rechte Hand kaum zu gebrauchen ist. Als er in die Apotheke zurückkehrt, gibt es eine Diskussion mit seiner Chefin: Er soll die zwölf Fehltage nacharbeiten. Außerdem hat sie sich mit dem Steuerberater beraten und ist darauf gestoßen, dass sie ihm zu viel Praktikumsvergütung gezahlt hat. Sie meint, ihm stünde nur die Vergütung für die ersten sechs Monate des PJs zu.

Gehalt

Gina Sanders - Fotolia

Foto: Gina Sanders - Fotolia

Um für das nächste Gespräch mit seiner Arbeitgeberin besser gewappnet zu sein, lässt Arne D. sich rechtlich beraten. Im Moment sind zwei Fragen zwischen ihm und seiner Arbeitgeberin streitig. Zunächst ist die Frage der Ausbildungsvergütung zu klären. In seinem Praktikumsvertrag, der einer Vorlage des Deutschen Apotheker Verlags entspricht, ist bei der Vergütung geregelt: “laut Tarif“ heißt es dort. Im aktuellen Gehaltstarifvertrag, der seit dem 1.1.2011 gültig ist*, findet sich zur Ausbildungsvergütung für Pharmazeuten im Praktikum die folgende Regelung:

„Pharmazeuten im Praktikum erhalten während ihrer Ausbildungszeit in öffentlichen Apotheken eine Ausbildungsvergütung, die

in den ersten sechs Monaten                        670,00 €

und danach                                        880,00 € beträgt.“

Es ist nicht ausdrücklich formuliert, das die höhere Vergütung nur dann anfällt, wenn schon die ersten sechs Monate in einer öffentlichen Apotheke absolviert wurden. Bei Abschluss des Gehaltstarifvertrags waren sich die Tarifparteien einig darüber, dass die höhere Vergütung für alle Praktikanten nach sechs Monaten gezahlt werden sollte, weil diese aufgrund ihrer dann höheren Berufserfahrung einen größeren wirtschaftlichen Nutzen für die Apotheke darstellen. Für Arne D. steht also fest, dass seine Arbeitgeberin ihm völlig zu Recht eine Vergütung von 880,00 Euro je Monat gezahlt hat, denn er hatte ja zuvor bereits sechs Monate seines Pharmaziepraktikums in der Krankenhausapotheke absolviert.

Zu viele Fehltage, hießt nacharbeiten

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Der Anspruch auf tarifliche Ausbildungsvergütung und 33 Tage Urlaub, dazu die kostenlose berufliche Rechtsberatung sowie viermal pro Jahr die Mitgliederzeitschrift Spektrum – das sind wichtige Gründe, warum auch Studierende und PhiP mit einer Mitgliedschaft bei ADEXA gut fahren. Und zwar kostenlos während des Studiums bzw. bei niedrigen Beiträgen im PJ! Gleich informieren unter www.adexa-online.de/mitglied-werden

Der zweite Streitpunkt ist das „Nacharbeiten“ der krankheitsbedingten Fehltage. Hier könnte die Arbeitgeberin eventuell im Recht sein. Die praktische Ausbildung der Apotheker richtet sich nach der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO), spezielle Regelungen zu diesem Ausbildungsabschnitt sind in § 4 AAppO getroffen. Danach darf die praktische Ausbildung insgesamt nur für einen Zeitraum unterbrochen werden, der dem Urlaubsanspruch nach dem Bundesrahmentarifvertrag (BRTV) entspricht. Die Approbationsordnung geht davon aus, dass bei längeren Unterbrechungen der Ausbildungszweck nicht mehr gewährleistet wäre.

Nach § 11 BRTV steht jedem Mitarbeiter ein Urlaubsanspruch von 33 Werktagen je Kalenderjahr zu; dauert das Ausbildungsverhältnis nicht das ganze Kalenderjahr, ist entsprechend umzurechnen. Für Arne D. müssen wir also zunächst den tariflichen Urlaubsanspruch berechnen: 33 : 12 x 6 = 16,5 aufgerundet 17 Werktage.

Krankheitsbedingt hat er sein Praktikum für 12 Werktage unterbrochen. Wenn er darüber hinaus schon Urlaub genommen hatte oder noch weitere Tage krank war, kommt es darauf an, wie lange die Unterbrechung insgesamt war. Sofern er nicht mehr als 17 Werktage gefehlt hat, muss er nicht nacharbeiten. Alle weiteren Fehlzeiten müssten allerdings tatsächlich nachgearbeitet werden, damit Arne D. seine Approbation als Apotheker erhalten kann.

Minou Hansen, Rechtsanwältin bei ADEXA

Der vorgestellte Fall ist beispielhaft und orientiert sich an echten Fällen aus der ADEXA-Rechtsberatung.

*Bei Redaktionsschluss waren die Tarifverhandlungen für einen neuen Gehaltstarifvertrag noch nicht abgeschlossen; den jeweils gültigen Tarifvertrag für das Bundesgebiet bzw. für Nordrhein finden Sie unter www.adexa-online.de/tarife

Online-Umfrage

Apothekenpraxis in Studium und PJ

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