14. March 2013 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Pharma­zeutische Karrieren
Dr. Frank Milek

Fachapotheker für Pharmazeutische Analytik, Sachkundige Person § 14 AMG Leiter GMP & SHEQ bei Aug. Hedinger GmbH& Co. KG

Als Sohn eines  Apothekerehepaars mit 2 öffentlichen Apotheken war es wenig verwunderlich, dass auch ich Apotheker werden wollte. Im Wintersemester 1984 begann ich an der Universität Würzburg das Studium der Pharmazie. Dort lag der Schwerpunkt auf Pharmazeutischer Analytik und mit dem damaligen Institutsdirektor, Herrn Professor Ebel, waren wir mit einer der „Größen“ in der Pharmazeutischen Analytik gesegnet. Die Pharmakologie stand dagegen weniger im Fokus, es gab auch keinen eigenen Pharmakologischen Lehrstuhl im Pharmazeutischen Institut. Klinische Pharmazie gab es noch nicht. Nach dem Studium wollte ich mir die Chancen, in allen möglichen Bereichen der Pharmazie tätig zu sein, offen halten und entschloss mich zu einer Promotion, ohne die damals kaum Aussichten auf eine Tätigkeit außerhalb der Apotheke bestanden. Eine Apothekenübernahme war zum Zeitpunkt meines 3. Staatsexamens außerdem noch zu früh. In der Pharmazeutischen Biologie bei Professor Reinhard in Tübingen bekam  ich rasch ein Promotionsangebot. Dort beschäftigte ich mich von 1990 – 1994 mit einer stark  analytisch ausgerichteten Arbeit an Vorstufen von Herzglykosiden in Zellkulturen mit einem Schwerpunkt auf Gaschomatographie.

Als ich mich im Jahr 1993 kurz vor dem Ende meiner Promotion dann in der Pharmaindustrie bewarb, war das Angebot an Stellen mehr als dünn. Dann sah ich eine Anzeige des mittelständischen Unternehmens  Aug. Hedinger aus Stuttgart in der DAZ. Die Firma suchte einen Apotheker mit gaschomatographischen Kenntnissen und Erfahrungen. Davon hatte ich in meiner Promotion mehr als genug gesammelt und so bekam ich die Stelle.

Zuerst begann ich im Labor und führte diverse Analysen von pharmazeutischen Ausgangsstoffen nach Arzneibuch durch. Diese Ausgangsstoffe lieferte Hedinger mit Prüfzertifikat in erster Linie an Apotheken und Krankenhäuser in Deutschland.  Dann wurde das Geschäft immer stärker auf die Belieferung der pharmazeutischen Industrie ausgerichtet und damit auch internationaler. Ich begann daher, mich an Arbeitsgruppen in internationalen Verbänden zu beteiligen, in denen Hedinger Mitglied ist. Daneben ist es interessant, sich in Deutschen Verbänden, wie dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) oder der Arbeitsgemeinschaft für Pharmazeutische Verfahrenstechnik (APV) zu beteiligen, die den Kontakt zu vielen Kollegen ermöglichen.  Heute bin ich „Chair“ von IPEC Europe, einem Verband der sich aus Hilfsstoffherstellen und Pharmaunternehmen zusammensetzt.  Diese Position wurde bisher nur von Vertretern multinationaler Großkonzerne besetzt. Außerdem wurde ich von der United States Pharmacopoeia (USP) in deren Expert Panel für Good Distribution Practice von Hilfsstoffen berufen.  All diese Aktivitäten haben sich aus dem internationalen Geschäft meines Arbeitgebers entwickelt und tragen natürlich wesentlich zur Horizonterweiterung bei.  Die Kommunikationen mit Kollegen vieler Nationen und Kulturen sind eine angenehme Begleiterscheinung.

Der Umgang mit den Begriffen GMP, Validierung, Kalibrierung  und Qualifizierung sind für unser Unternehmen als Ausgangsstofflieferant  vieler internationaler Pharmaunternehmen selbstverständlich geworden. Analytisch arbeite ich jetzt immer weniger, dafür haben wir eine eigene Qualitätsabteilung mit Apothekern, Chemikern und CTAs. Vielmehr geht es  bei meiner heutigen Tätigkeit darum, das sich ändernde regulatorische und gesetzliche Umfeld für das Unternehmen aufzuarbeiten und die sich daraus ergebenden Änderungen der Prozesse zu implementieren.

Aus heutiger Sicht halte ich das Pharmaziestudium für ideal, eine Qualifikation im naturwissenschaftlichen Bereich zu erwerben, die vielfältige Möglichkeiten in der späteren Tätigkeit eröffnet. Das Studium mit der Absicht zu beginnen, später eine bestimmte Tätigkeit auszuüben, z. B. in Apotheke oder Krankenhaus, schränkt die Möglichkeit nicht ein, nach dem Studium doch in andere Bereiche zu gehen.  Die Weiterqualifikation und das Engagement im späteren Berufsumfeld sind dafür entscheidend. Das Studium liefert die Grundkenntnisse dazu.

Pharmazeuten, die über den Tellerrand hinaussehen wollen, rate ich außerdem weitere Kenntnisse, z.B. in juristischen oder betriebswirtschaftlichen Fächern zu erwerben, da viele Positionen in Management und Organisation mehr fordern als nur pharmazeutische Fachkenntnisse.

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