14. March 2013 Drucken Empfehlen
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Standpunkt

Der praktikumsbegleitende Unterricht – Klass enfahrt oder sinnvoll er Teil der Ausbildung?

Daniel Mädler BPhD-Präsident

Daniel Mädler BPhD-Präsident

Wer erinnert sich nicht gern an früher? An die Schulzeit? Da war die Welt noch in Ordnung, Stress ein Fremdwort und Verpflichtungen gab es kaum. Die Klassenfahrten waren besonders schöne Zeiten, ohne Mama und Papa in den Urlaub, zusammen mit den besten Freunden, bis spät in die Nacht tratschen …

Und vielleicht erinnert sich so mancher genau so an den Praktikums-begleitenden Unterricht. Egal ob öffentliche oder Krankenhausapotheke, Industrie oder Universität für zwei mal zwei Wochen kommen alle wieder zusammen. Mehr oder weniger freiwillig pilgern die angehenden Apotheker zu den Kammern oder Universitäten. Mieten sich ein Appartement, Hostel, Jugendherbergszimmer oder schlafen bei Freunden um in Selbstmedikation, BWL oder Rechtlichem fürs das dritte Examen fit zu werden.

Nach Approbationsordnung § 4 Absatz 4 besteht das Ziel dieses Unterrichts darin, dem angehenden Apotheker Grundprinzipien der Pharamzeutischen Praxis sowie ein Grundverständnis der Rechtsgebiete zu vermitteln. Was sich in der Theorie fantastisch anhört scheitert meiner Auffassung nach oft in und an der Praxis.

Wir sollten uns die Frage erlauben, macht es Sinn, diesen Unterricht mitten in der Arbeitszeit zu haben? Die Hälfte der vermittelten Inhalte hat sich der eine oder andere bereits selbst beigebracht, da diese essentiell für den Alltag in der Apotheke sind. Abhängig davon, ob die Ausbildungsstätte viel oder wenig Zeit in die Ausbildung der PhiPs investiert hat, sind diese zwei Wochen zum Teil vergeudete Zeit, aber eine tolle Klassenfahrt.

Es ist doch eine ungeschriebene Wahrheit: Probieren geht über Studieren. Kommunikation lernt man nicht in acht Stunden Vortrag, sondern in der Praxis. Und so wäre die logische Konsequenz doch die, im Begleitenden Unterricht Hilfestellungen für die Praxis zu geben, anstelle lang und breit über praktische Erlebnisse zu referieren, da hört eh kaum einer zu. Freilich hat nicht jeder die Gabe, ein Thema so zu vermitteln, dass die Zuhörer mitgerissen werden und wir wissen auch alle, dass es Themengebiete gibt, welchen man selbst bei einem erhöhten Koffeinplasmaspiegel nur schwer folgen kann ohne einzuschlafen.

Der einzige Weg, der sich hier eröffnet, ist die Investition in mitreißende Referenten und die Freiheit, den einen oder anderen „ach so wichtigen Punkt“ zu sparen um sich auf den Kern zu konzentrieren. Dann geht der Unterricht vielleicht nicht mehr zwei mal zwei Wochen, sondern einmal drei oder vielleicht sogar noch kürzer.

Wie wäre denn die Idee, den Unterricht an den Beginn der praktischen Tätigkeit zu stellen? Oder ihn in kleineren Einheiten zu 5-10 PhiPs in den Ausbildungsstätten stattfinden zu lassen?

Diese Ideen werden oft viel zu schnell vom Tisch gefegt, zu unausgereift, zu umständlich oder es war doch schon immer so. Diese „Argumente“ hindern uns daran, unsere Ausbildung zukunftsfähig zu gestalten. Entweder die Apotheker beginnen selbst etwas zu bewegen, oder sie werden bewegt, von Krankenkassen, der Politik oder sogar der Industrie. Die Frage ist doch: Sind wir zufrieden mit dem, was wir haben oder einfach nur zu faul, uns über mögliche Verbesserungen Gedanken zu machen? Ideen gibt es viele, Wünsche noch viel mehr. Ich wünsche mir eine offenen Debatte darüber, wie dieser Teil unserer Ausbildung endlich vereinheitlicht und zugleich verbessert werden kann.

Von Daniel Mädler, Pharmazeut im Praktikum in einer öffentlichen Apotheke in München und Präsident des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V. (BHhD)