11. Pharmaweekend in Bonn
UniDAZ/Borsch
16. September 2013 Drucken Empfehlen
Studium
Vom „Usain Bolt unter den Antazida“ und anderen Stars der Selbstmedikation

11. Pharmaweekend in Bonn

„Jammern Sie als Apotheker nie“ schwor Dr. Chalid Ashri, einer der Referenten, die Teilnehmer ein. Zum Jammern gab es aber keinen Anlass, weder für Organisatoren noch für die Teilnehmer des Pharmaweekends, das vom 7. bis 9. Juni in Bonn stattfand und unter dem Motto “Selbstmedikation” stand. Spannende Vorträge, ein HV-Workshop und auch der “gemütliche” Teil mit Party und Rahmenprogramm sorgten für ein rundum gelungenes Wochenende.

Bereits zum 11. Mal fand dieses Jahr das Pharmaweekend statt, das der Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD) in Zusammenarbeit mit der jeweils vor Ort ansässigen Fachschaft veranstaltet. Zwar stand wie immer die wissenschaftliche Ausrichtung im Vordergrund, aber auch das gemeinsame Feiern am Freitag- und Samstagabend und die Gelegenheit, Kontakte zu Studierenden anderer Hochschulen zu knüpfen, sind seit der “Erfindung” des Pharmaweekends, das im Jahre 2003 in Erlangen seine Premiere hatte, ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung.

Die Teilnehmer des Pharmaweekends 2013 in Bonn.
Teilnehmer aus ganz Deutschland

Seit einigen Jahren steht das wissenschaftliche Programm des Wochenendes immer unter einem bestimmten Motto, in diesem Jahr “Selbstmedikation – Was muss in der Praxis beachtet werden?” So konnten die 137 zukünftigen Apothekerinnen und Apotheker, die aus ganz Deutschland den Weg nach Bonn gefunden hatten, einen Eindruck gewinnen, was später einmal auf sie zukommt. Die Ehre des Festvortrags am Freitagabend wurde einem der Hausherren zuteil: Prof. Dr. Ulrich Jaehde aus Bonn. In seinem Festvortrag bezeichnete er die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) als gemeinsame Herausforderung. Er gab einen Überblick über verschiedene Ansätze zur Verbesserung der AMTS und insbesondere welche Rolle die Apotheker dabei spielen können.


Stolz darauf Apotheker zu sein

Am Samstag standen dann mit Magen-Darm-Erkrankungen, Allergien, Erkältungskrankheiten und Schmerzen Top-Themen der Selbstmedikation auf dem Programm. Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz aus Frankfurt berichtete über klassische Antazida (aufgrund ihrer schnellen Wirkung von ihm als „Usain Bolt unter den Antazida“ bezeichnet) und Protonenpumpeninhibitoren in der Selbstmedikation. Im nächsten Vortrag wies Prof. Georg Kojda, Pharmakologe aus Düsseldorf, auf die besonderen Anforderungen an die Selbstmedikation bei Allergikern hin, bei denen beispielsweise pflanzliche Arzneimittel mit besonderer Vorsicht anzuwenden sind. Der letzte in der Vormittagsrunde war dann Dr. Chalid Ashry, der in seinem Vortrag zu Erkältungskrankheiten vor allem an das Selbstbewusstsein der zukünftigen Kollegen appellierte: „Sie können stolz darauf sein, wenn Sie Apotheker sind“. Apotheker in Deutschland seien weltweit die besten Dienstleister und trotzdem würden sie so erzogen, dass sie glauben, sie könnten nix, so Ashry.


Tatort HV-Tisch

Tatort HV: Gute Beratung ist auch Übungssache. Gelegenheit zum Üben gab es im Workshop.

Tatort HV: Gute Beratung ist auch Übungssache. Gelegenheit zum Üben gab es im Workshop.

Nachmittags durften die zukünftigen Kollegen dann selber ran. Im Workshop “Tatort HV-Tisch” zeigten die Apothekerinnen Dr. Ursula Hagedorn und Dr. Katja Renner eindrucksvoll an praktischen Beispielen, dass es mit Fachwissen allein nicht getan ist und wie kleine Details in der Kommunikation mit den Patienten eine große Rolle spielen. Im Anschluss durfte dann in kleineren Gruppen „gute Beratung“ unter den kritischen Blicken der Kommilitonen geübt werden. Der Workshop fand in Zusammenarbeit mit der Firma Bayer statt. Zum Abschluss des wissenschaftlichen Programms war dann noch etwas über Schmerzen in der Selbstmedikation zu hören. Referent Prof. Thomas Herdegen aus Kiel hielt ein Plädoyer für das in seinen Augen zu Unrecht vielgescholtene Paracetamol: Es sei viel leichter zu beraten (als die NSAR…), bei gleicher analgetischer Wirksamkeit. Es gäbe keine sichere Alternative, so Herdegen.


Gute Laune garantiert

Natürlich durfte neben all der hohen Wissenschaft auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Freitag- und Samstagabend wurde in den Bonner Clubs „3raumwohnung“ und „Carpe noctem“ kräftig gefeiert. Am Sonntag rundeten ein Sightseeing-Programm sowie die “Kill-den-Kater-Lounge” im pharmazeutischen Institut für diejenigen, denen die Party vom vorherigen Abend noch in den Knochen steckte, das Programm ab. Zu allem gab das größtenteils sonnige Wetter noch den letzten Schliff für ein erfolgreiches Pharmaweekend 2013.

 

Von Julia Borsch
Apothekerin und Redakteurin aus Stuttgart