Wie funktioniert eigentlich der Pharmagroßhandel?
Phoenix Pharmahandel
9. October 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Allgemein
„Eilige Arzneimittel“

Wie funktioniert eigentlich der Pharmagroßhandel?

Jeden Morgen stehen sie schon im Eingangsflur der Apotheken und sind voll gepackt mit Medikamenten, die Kisten des Pharmagroßhändlers, die über Nacht geliefert wurden. Jetzt werden sie von der PKA freundlich empfangen, geöffnet, ausgepackt und der Inhalt abgescannt, gründlich begutachtet und schließlich eingeräumt. Doch wie finden die Kisten eigentlich den Weg in die  Apotheke? Wer bringt sie dorthin? Und woher weiß die Kiste, welche Medikamente in der Apotheke fehlen?

Dahinter steckt der pharmazeutische Großhandel, einer der wichtigsten Partner der Apotheken und das Bindeglied zwischen Apotheke und Herstellern. Ein Pharmagroßhändler handelt mit pharmazeutischen Produkten und ist damit Teil des Gesundheitssystems, er dient der gesetzlich geforderten sicheren Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Zu seinen Aufgaben gehören nach dem Arzneimittelgesetz die Beschaffung, Lagerung, Abgabe und Ausfuhr von Arzneimitteln (AMG, § 4 (22)), um die Apotheken zu versorgen. Alle Großhändler sind im Bundesverband des Pharmazeutischen Großhandels PHAGRO e.V. organisiert.

Ein Besuch in Bad Kreuznach bringt noch mehr Licht ins Dunkel. Hier steht eines von zwanzig Vertriebszentren des Großhändlers Phoenix, mit 21 Vertriebszentren, die über 10.000 Apotheken beliefern, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland.

Die meisten Apotheken in Deutschland werden dreimal täglich, morgens, mittags und abends, beliefert. Das sorgt für eine schnelle und zuverlässige Arzneimittelbelieferung, wie sie nicht nur vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist, sondern auch von den Kunden der öffentlichen Apotheke geschätzt wird. Die Frachtführer der transmed, die die Kisten in die Apotheke bringen, sind dabei aber nur das letzte Glied in einer langen Kette von logistischen Prozessen einer Bestellung. Bei Phoenix arbeiten auch zahlreiche Lagerarbeiter, Telefonistinnen, PTAs, Kaufleute für Groß- und Außenhandel, Fachkräfte für Lagerlogistik und und und. Jeder der Angestellten trägt seinen Teil zu einer sicheren und effizienten Lieferung bei.

 

Wie funktioniert eigentlich der Pharmagroßhandel?

Quelle: Phoenix Pharmahandel

„Los geht`s!“

Häufig beginnt eine Bestellung mit einem Anruf der Apotheke beim Pharmagroßhandel. Das Telefon steht bei täglich 2.500 Anrufen im Vertriebszentrum Bad Kreuznach nie still. Montags ist besonders viel los, denn nach einem relativ ruhigen Wochenende beginnt die neue Woche mit vielen dringenden Anforderungen. Oft erkundigt sich der Anrufende nach einem ganz bestimmten Medikament, das ganz sicher Teil der Sendung werden soll oder noch kurzfristig bestellt werden muss. Die eigentliche Bestellung kommt in der Regel digital beim Großhändler an und wird dann vom Computer bearbeitet.

Auch in Zeiten des Computers wird vom einen oder anderen Apotheker noch die komplette Bestellung mündlich mit Pharmazentralnummer (PZN) und Stückzahl durchgegeben. Dann dauert es an dieser Stelle etwas länger, aber nach Eingabe der Daten wird auch dieser Auftrag zügig bearbeitet und umgesetzt. Vom Bestelleingang bis zur Übergabe der Kisten an die Fahrer vergehen durchschnittlich nicht mehr als 45 Minuten!

Die Mitarbeiter am Telefon sind auch Berater bei ganz speziellen Fragestellungen, sie kennen das gesamte Sortiment und können dem Apothekenangestellten in der Regel schnell und kompetent weiterhelfen. An den insgesamt 13 Arbeitsplätzen werden Bestellungen mit einem Gesamtgewicht von rund 25.000 Kilo bearbeitet – und das jeden Tag.

Nach der Auftragszusammenstellung geht es in der Lagerhalle weiter: Je nach Umfang der kalkulierten Lieferung entscheidet der Rechner am sogenannten „I-Punkt“ zwischen der großen oder der kleinen Kiste. Mit den kleineren Wannen kann Raum gespart werden, wenn es sich nur um eine wenig umfangreiche Bestellung handelt, in die großen Wannen passen auch große Bestellungen. Die am I-Punkt gedruckten Rechnungen und Lieferscheine werden vom System nach Touren vorsortiert und mit Hilfe der Belegeinwurfmaschine der Kiste zugeführt.

Eine Zielsteuerung per Strichcode sorgt nun dafür, dass jede Auftragskiste an allen Stationen im rund 6.500 Quadratmeter großen Lager ausgeschleust wird, an denen Ware kommissioniert werden muss. Rund zwei Drittel aller Aufträge werden von zwei Hochleistungs-Kommissionierautomaten abgearbeitet. Die Auftragskisten durchlaufen die Automaten und werden dabei maschinell mit den bestellten Artikeln in Windeseile bestückt. Der Rest wird manuell kommissioniert. Das ist immer dann der Fall, wenn es sich um zerbrechliche Ware handelt oder um Verpackungen, die den Kommissionierautomaten nicht unbeschadet verlassen würden, da der Stoß zu stark ist.

Auch die meisten Medizinprodukte, unhandliche Verpackungen oder selten gefragte Artikel werden von Mitarbeitern per Hand in die Kisten gelegt. Am Ende einer jeden Auftragsbearbeitung werden die Kisten zur Überprüfung der zusammengestellten Waren gewogen. Stimmt das tatsächliche mit dem vom Computer errechneten Gewicht der gepackten Artikel überein, ist die Kiste für den Transport bereit. Bei einer Gewichtsabweichung werden die Kisten auf eine der Kontrollstationen zur manuellen Nachkontrolle ausgeschleust.

Ein Warenlager in dem Umfang eines Pharmagroßhandels und mit einer solch hohen Frequenz an Arzneimitteln bedarf natürlich einer besonders guten Logistik, die immer wieder erneuert werden muss und sich ständig ändert: Immerhin hat Phoenix ein Sortiment von über 100.000 Artikeln. Was im Winter häufig bestellt wird, ist im Frühling oft ein Ladenhüter und wird von seinem Lagerort umgeräumt. So wird beispielsweise ein Heuschnupfen-Medikament saisonal stark unterschiedlich angefordert und steht im Winter in weit entfernten Lagerregalen, während es im Frühjahr einen Platz in der ersten Reihe bekommt. So wird die Lagerdurchlaufzeit ständig optimiert.

Wie funktioniert eigentlich der Pharmagroßhandel?

Quelle: Phoneix Pharmahandel

Entscheidend für die Arzneimittel-Sicherheit ist die konsequente Einhaltung der Kühlkette bei entsprechenden Produkten. Mit dem Auffüllsystem „First In – First Out“ wird der Kühlschrank von innen eingeräumt und kann zur Entnahme eines Medikamentes von außen, wie an einem Kühlregal, geöffnet und die Ware entnommen werden. In der Kühlzelle befinden sich alle Artikel die bei 2 bis 8 Grad Celsius gelagert werden müssen, dies ist der wohl kälteste Arbeitsplatz in der Niederlassung. Alle anderen Bereiche werden im Sommer auf 22 Grad Celsius klimatisiert, damit die Temperatur immer den Anforderungen für eine ordnungsgemäße Lagerung entspricht. Lange bleibt aber kein Medikament im Vertriebszentrum, denn schließlich wartet schon die Apotheke auf den bestellten Artikel. Großvolumige Artikel, Gifte, Säuren und feuergefährliche Stoffe, die auch beim Großhändler bestellt werden können, werden in einem separaten Lagerbereich im Untergeschoss kommissioniert.

„Zu guter Letzt“

Eine stolze Zahl von 12.000 Kisten wird durchschnittlich jeden Tag gepackt. Nach geschätzten fünf Kilometern Wegstrecke über etliche Fließbänder und einzelne Stationen kommt die Kiste ans Ende ihrer Reise quer durch die Hallen zur Versandstation. Die Kisten werden automatisch verschlossen, verschnürt und an die einzelnen Tourenbahnhöfe ausgeschleust. Hier verbringt die Bestellung ihre letzten Minuten beim Großhändler, bevor sie sich auf den Weg in die Apotheke macht. Die Fahrer packen die Kisten ins Auto packen und starten die Ausfahrt in Richtung Apotheke. Doch halt, an dieser Stelle werden dem Fahrer möglicherweise auch noch die Betäubungsmittel für die Apotheke mitgegeben. Alles wird genau dokumentiert und erst dann können die Fahrer tatsächlich losfahren. Einige Fahrzeuge machen sich auf den Weg zu einem Zwischenhalt, an dem die Lieferungen auf weitere Fahrer in Kleinwagen aufgeteilt werden. Auf über 300 Tag- und 50 Nachttouren fahren 40 Spediteure mit 350 Fahrern täglich etwa 45.000 Kilometer (sozusagen einmal um die Erde!).

Die meisten Apotheken in Deutschland werden dreimal täglich, morgens, mittags und abends, beliefert. Das sorgt für eine schnelle und zuverlässige Arzneimittelbelieferung, wie sie nicht nur vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist, sondern auch von den Kunden der öffentlichen Apotheke geschätzt wird. Die Frachtführer der transmed, die die Kisten in die Apotheke bringen, sind dabei aber nur das letzte Glied in einer langen Kette von logistischen Prozessen einer Bestellung. Bei Phoenix arbeiten auch zahlreiche Lagerarbeiter, Telefonistinnen, PTAs, Kaufleute für Groß- und Außenhandel, Fachkräfte für Lagerlogistik und und und. Jeder der Angestellten trägt seinen Teil zu einer sicheren und effizienten Lieferung bei.

Von Annika van der Linde, Pharmazeutin im Praktikum

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