9. March 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Neue Professoren
Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie, Hamburg

Prof. Wolfgang Maison

Wie kamen Sie zur Pharmazie?

Ich habe in Oldenburg Chemie studiert und auf dem Gebiet der präparativen Organischen Chemie promoviert. Dann war ich ein Jahr in Boston am MIT als Post-Doc, wo ich mich unter anderem mit Proteinstrukturen und Peptidsynthesen beschäftigt habe. Danach bin ich zurück nach Deutschland und habe bis 2006 eine Nachwuchsgruppe geleitet. Hier habe ich das synthetische Know How und meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Proteinchemie zusammengeführt und mich in Richtung Medizinische Chemie entwickelt. In diesem Bereich habe ich dann auch als W2-Professor für Organische Chemie an der Uni Giessen gearbeitet. Ich sehe keine Barrieren zwischen der Organischen und der Pharmazeutischen Chemie und glaube, dass Pharmazeutische und Medizinische Chemiker sowohl aus der Organischen Chemie als auch aus der Pharmazie kommen können. In beiden Bereichen gibt es Wissenschaftler, die das Gleiche tun, und lediglich in unterschiedlichen Lehreinheiten verhaftet sind.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Chemie studiert hätten?

Dann wäre ich wahrscheinlich Förster geworden!

Warum würden Sie Schulabgängern raten Pharmazie zu studieren?

Das Pharmaziestudium verbindet einige interessante Aspekte: Es ist zum einen (alleine aufgrund der Apothekerausbildung) recht praxisorientiert und man kann sich zudem auch sehr einfach auf den sehr interdisziplinären forschungsbezogenen Teil der Pharmazie spezialisieren.

Was ist das Spannende an Ihrem Forschungsgebiet?

Wir beschäftigen uns mit der spezifischen Erkennung von Oberflächenstrukturen. Das hat sich aus Arbeiten zum Tumor Targeting (zielgerichtete Tumoransteuerung) ergeben. Wir haben uns bemüht, Zelltypen anhand von Zelloberflächenstrukturen zu differenzieren. Das hat sich ausgeweitet auf Pathogene wie Viren, Bakterien und sogar Materialoberflächen. Dabei machen wir uns die Mustererkennung von Zelloberflächenstrukturen, ein elementares Prinzip des Immunsystems, zu Nutze. Das Spannende daran ist, dass wir in der Lage sind komplexe Interaktionen beispielsweise an Zelloberflächen mit kleinen Molekülen zu modulieren. Das Schöne dabei ist, dass man seine Projekte nicht nur theoretisch entwerfen, sondern Sie auch mit den eigenen Händen durch Organische Synthese in die Tat umsetzen kann.

Wann waren Sie das letztes Mal als Kunde in einer Offizin und wie Nahe ist Ihnen der Berufsalltag der Apotheker dort?

Es ist glücklicherweise schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal in einer Apotheke war… Ich muss gestehen, dass mir der Arbeitsalltag eines Apothekers nicht besonders gut bekannt ist. Dennoch stelle ich mir die Verknüpfung der pharmazeutischen Tätigkeit mit dem Kundenkontakt äußerst interessant vor. Vielleicht bekomme ich ja in nächster Zeit noch einmal die Gelegenheit diese Wissenslücke zu füllen!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

Sport: Ich bin Rennradler und laufe. Außerdem handwerke ich gerne mit Holz.

Welche Musik hören Sie gerne?

Ich höre sehr unterschiedliche Musik: das reicht von Wagner bis zu AC/DC.

Sie sind jetzt seit 6 Monaten Professor in Hamburg. Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer neuen Heimatstadt und was vermissen Sie?

Hamburg ist eine sehr schöne Stadt. Was mich besonders reizt ist die Architektur und, als gebürtiger Norddeutscher, die Nähe zum Wasser und der Hafen. Manchmal vermisse ich in der Großstadt ein bisschen Ruhe.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pharmazie?

Ich wünsche mir, dass die Pharmazie auch in Zukunft ein so attraktives Studienfach bleibt. Mir ist als Chemiker das etwas starre Korsett der Approbationsordnung fremd und ich würde mir wünschen, dass es gelockert wird, damit einzelne Standorte noch mehr als bisher ein individuelles Profil ausbilden können. Hier bieten BSc.- und MSc.-Studiengänge eine gute Möglichkeit zur Profilbildung, die ja auch an einigen Standorten schon genutzt wird.

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