9. March 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Pharma­zeutische Karrieren
Dr. Marc Muchow:

Über Umwege zur („grünen“) Selbstständigkeit.

Anfang letzten Jahres befragte die DPhG zusammen mit dem Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BphD) Pharmaziestudenten online nach ihren Berufswünschen. Lediglich 28% der Befragten gaben an, später einmal in die Offizin gehen zu wollen. Genau das Gegenteil ist aber dann der Fall: Mehr als 80% der Apotheker arbeiten in einer öffentlichen Apotheke.

Wird nun eine Mehrzahl der Absolventen in ein Tätigkeitsfeld gezwungen, in das sie womöglich gar nicht wollten? Das glaube ich nicht – auch wenn es zugegebenermaßen in der Offizin die meisten Stellen gibt. Vielleicht wird vielen erst im Verlauf Ihrer Ausbildung klar, welchen Reiz die öffentliche Apotheke hat.

Eigentlich gehörte ich, wohlmöglich auch wegen einer gewissen familiären Vorbelastung, zur erwähnten Minderheit, die ihre Zukunft in der öffentlichen Apotheke sahen. Dennoch wollte ich vor dem „richtigen“ Job noch meine wissenschaftliche Neugierde befriedigen, so dass ich mir für das PJ einen Platz an der Uni Nancy in Frankreich suchte. Meine Zukunftsplanung änderte sich nach dieser Zeit, denn das Arbeiten im Fachbereich Technologie machte mir richtig Spaß: Ich entschloss mich zu einer Promotion an der FU Berlin in diesem Fach. Aufgrund meiner gewonnenen Erfahrung und Kontakte im PJ, bot sich mir die Möglichkeit einer doppelbetreuten deutsch/französischen Promotion. Hierbei wird man von zwei Doktorvätern der beiden kooperierenden Universitäten betreut und verbringt auch an der ausländischen Universität einen signifikanten Teil der Zeit.

Für gewöhnlich führt es einen großen Teil der frisch promovierten Pharmazeuten in die Industrie, einige streben eine Karriere an der Universität an. Auch für mich ergaben sich in dieser Richtung verlockende Angebote – sie hatten alle nur einen Nachteil: Ich konnte nur begrenzt selbstständig arbeiten und schon gar nicht mein eigener Chef sein. Warum also nicht doch eine eigene Apotheke eröffnen? Die passende Offerte lies nicht lange auf sich warten und nach intensivem Rechnen und vielen Gesprächen stand die Entscheidung für die Selbstständigkeit mit einer neu gegründeten Apotheke fest!

Der Apothekenmarkt war zum damaligen Zeitpunkt (2009) an einem Scheideweg (mal wieder). Mir wurde klar, dass meine neue Apotheke ein wenig anders sein sollte als das Althergebrachte und so schaute ich mir viele Konzepte an. DocMorris schien für mich und einen Start in die Selbstständigkeit am neuen Standort ideal – nicht zuletzt in Hinblick auf ein damals drohendes Fallen des Fremd- und Mehrbesitzverbotes. Für viele ältere Kollegen war diese Entscheidung geradezu ein Tabubruch, für mich allerdings die Chance, etwas anders machen zu können und nicht nur in alten Kategorien zu denken. Schließlich war mir das grüne Kreuz nach zweieinhalb Jahren in Frankreich doch irgendwie sympathisch. Die Debatten über die neuen Apothekenkonzepte sind in letzter Zeit viel sachlicher geworden und auch Kritiker entdecken darin neue Chancen. Und gerade diese sollte man als junger Selbstständiger nutzen.

Ich bin mir nun sicher: Die Arbeit in der Offizin ist für mich die ideale Ausprägung des Apothekerberufs und sicherlich viel besser, als mancher Studienanfänger glauben mag. Die Möglichkeit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, würde ich auch für viel Geld nur ungern tauschen.

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