9. October 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Studium
Neuer Masterstudiengang in Bonn

EINSTIEG IN DIE ARZNEIMITTELFORSCHUNG

Neben dem Staatsexamensstudiengang bietet die Fachgruppe Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität Bonn seit 2008 den Masterstudiengang “Arzneimittelforschung“ (Drug Research) an, in dem gegenwärtig insgesamt 54 Studenten eingeschrieben sind. Dabei übersteigt die Anzahl der Interessenten und Bewerber die limitierte Zulassung bei Weitem.

Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn

Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn

Der viersemestrige Masterstudiengang soll mit seinem starken Forschungsbezug die Studierenden befähigen, pharmazeutisch-wissenschaftliche Methoden und Denkweisen zu erlernen und wissenschaftliche Problemstellungen und Aufgaben selbstständig zu bearbeiten. Damit sollen die Absolventinnen und Absolventen eine Qualifikation für pharmazeutisch-wissenschaftliche Tätigkeitsfelder, insbesondere in der pharmazeutischen und pharmazienahen Industrie oder in Forschungseinrichtungen erlangen. Das Umfeld für den forschungsorientierten Masterstudiengang „Arzneimittelforschung“ ist in Bonn ideal. Die Fachgruppe Pharmazie ist in der Forschung bestens ausgewiesen, was mit eingeworbenen Drittmitteln und der Teilhabe an Forschungsverbünden und Forschungszentren wie z. B dem „Pharma-Zentrum Bonn (PZB)“ sehr gut dokumentiert wird. Hier werden interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der unabhängigen akademischen Pharmaforschung durchgeführt.

Der Struktur des Studiengangs liegen zwei Konzepte zugrunde:

  • Absolventen des Studienganges Pharmazie soll durch ein in diesem Fall zweisemestriges „Aufbaustudium“ die Möglichkeit für eine Spezialisierung und zu einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit in einem Fachgebiet der Pharmazie geboten werden, die auf ihre umfangreiche, breit angelegte pharmazeutische Ausbildung aufbaut. In bestimmten Fällen kann ein Semester des Masterstudiums auf das Praktische Jahr, das zur Erlangung der Approbation erforderlich ist, angerechnet werden.
  • Zum anderen erhalten Studierende aus naturwissenschaftlichen, pharmazienahen Studiengängen die Möglichkeit pharmazeutische Kenntnisse, Methoden und Denkweisen zusätzlich zu ihrem Fachwissen zu erwerben. So soll eine interdisziplinäre Ausbildung ermöglicht werden, wobei das Masterstudium für die letztgenannte Zielgruppe nicht zur Erlangung der Approbation als Apotheker berechtigt.

„Unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen, dass sich neben den Pharmazie-Absolventen auch viele Studenten mit dem Bachelor aus verschiedensten Bereichen der Lebenswissenschaften mit diesem Masterstudium einen Bezug zur Arzneimittelforschung sichern“, so Fachgruppenvorsitzender Prof. Dr. Gerd Bendas.

Wie ist das Studium aufgebaut?

Das Studium zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Pflicht- und Wahlpflichtmodulen aus, die die Studierenden gemeinsam mit einem betreuenden Hochschullehrer im Sinne eines Mentorats individuell auswählen.

Mit der Auswahl eines Mentors entscheidet sich die/der Studierende für eines der folgenden sechs an der Universität Bonn vertretenen Fachgebiete:

  • Pharmazeutische Chemie
  • Pharmazeutische Technologie
  • Pharmazeutische Biologie
  • Pharmakologie und Toxikologie
  • Klinische Pharmazie
  • Pharmazeutische Mikrobiologie

Wie dem Studienverlaufsplan zu entnehmen ist, setzt sich der Studiengang aus 14 Modulen im Umfang von je sechs bzw. zwölf Leistungspunkten sowie der Masterarbeit im Umfang von 30 Leistungspunkten zusammen.

Tablettenproduktion mit einer Rundläufertablettenpresse

Tablettenproduktion mit einer Rundläufertablettenpresse

In den ersten beiden Semestern werden im Rahmen des „Wahlpflichtbereich A“ im Wesentlichen Lehrveranstaltungen mit fortgeschrittenen pharmazeutischen Kenntnissen und Methoden angeboten, um Studierende mit Bachelorgrad mit pharmazeutischen Grundlagen vertraut zu machen. Da diese Lehrveranstaltungen auch nach AAppO vermittelt werden, entfallen diese beiden Semester für Absolventen des Pharmaziestudiums.

Bei der Belegung der Module im Wahlpflichtbereich ist zu berücksichtigen, dass mindestens 18 Leistungspunkte aus dem gewählten Fachgebiet, sowie weitere 18 Leistungspunkte aus einem angrenzenden Fach erworben werden sollen. Hinsichtlich der weiteren Auswahl besteht freie Wahlmöglichkeit, so dass diese Einteilung die Breite der Ausbildung garantiert, ohne die Spezialisierung einzuschränken. Eine evtl. Fachgebietsnähe ist für jedes Modul eindeutig festgelegt.

Im dritten Semester wählen die Studenten zwei weitere Wahlmodule („Wahlpflichtbereich B“), in denen aktuelle und forschungsbezogene Kenntnisse vermittelt werden. Einige dieser Module werden auch in Kooperation mit Firmen oder Behörden, wie z.B. dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angeboten.

 

Arbeitskreisgespräch mit Masterstudenten

Arbeitskreisgespräch mit Masterstudenten

Im gewählten Fachgebiet werden dann zwei Pflichtmodule absolviert, die die theoretische und praktische Einarbeitung in die spezifische Forschungsthematik der Masterarbeit gewähren. Diese Module absolvieren die Studierenden demnach schon in der Arbeitsgruppe, in der sie im vierten Semester die Masterarbeit anfertigen werden.

„Eine Besonderheit unseres Masterstudiengangs ist die frühe Integration der Studierenden in die Arbeitsgruppe ihres Mentors. Auf diese Weise erlernen die Studierenden nicht nur die Planung und Durchführung wissenschaftlicher Projekte, sondern können auch die vielfältigen Kontakte und Netzwerke der jeweiligen Arbeitsgruppe für ihre eigene berufliche Entwicklung nutzen“, so Prof. Dr. Ulrich Jaehde aus dem Fachbereich Klinische Pharmazie.

 

Auch Studiengangsprecher Hannes Fuderer ist von dem Konzept überzeugt: „Ich schätze vor allem den offenen Dialog mit den Professoren, wodurch Lehre und Organisation des Studiums fortlaufend verbessert werden.“

Was vermittelt der Studiengang?

Der Studiengang vermittelt den Studierenden das Rüstzeug, um in entsprechenden Positionen in der pharmazeutischen Industrie oder in wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen arbeiten zu können. Nach Einschätzung der Gutachterkommission bei der Akkreditierung des Studienganges sind die Absolventinnen und Absolventen besonders gut für folgende Bereiche in der pharmazeutischen Industrie geeignet: Chemische Forschung (Suche nach neuen Wirksubstanzen), Analytische Entwicklung und Pharmazeutische Entwicklung (Galenik). Auch die Anforderungen für Positionen in Gesundheitsbehörden oder im Gesundheitsmanagement werden von den Absolventen in idealer Weise erfüllt. Aus Sicht der Gutachter enthält der Studiengang eine Vielzahl von Elementen, die den Studierenden die notwendige Berufsbefähigung verleihen wird.

An wen richtet sich der Studiengang?

Der Studiengang wendet sich in erster Linie an Absolventen des Pharmaziestudiums, die ihre Qualifikation zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Arzneimittelforschung vertiefen wollen. Eine weitere Zielgruppe des Studiengangs sind Absolventinnen und Absolventen „pharmazienaher Studiengänge“. Für diesen Personenkreis kommt neben dem Erlernen der wissenschaftlichen Arbeitstechniken noch der gezielte Erwerb an pharmazeutischem Fachwissen hinzu, das für die später anzufertigende wissenschaftliche Arbeit unabdingbar ist. Doch steht auch hier das primäre Ziel, nämlich wissenschaftliches Arbeiten im Bereich der Pharmazie zu erlernen, klar im Vordergrund. So schließt der Studiengang auch für diesen Personenkreis eine wichtige Lücke im nationalen Angebot. Die erwähnte Forschungsorientierung ist im Konzept des Studiengangs klar zu erkennen, da der Großteil der Leistungspunkte durch forschende Arbeit in den Laboratorien der Arbeitsgruppen erbracht wird.

Studienverlaufsplan Master Drug Research

Erste Erfahrungen mit den Absolventen des Studienganges (bisher ca. 42 erfolgreiche Masterabschlüsse) belegen, dass viele Studenten das Masterstudium auch für einen orientierenden Einblick in die Forschung nutzen, um eine Promotion anzuschließen.

Eine anschließende Promotion wird dahingehend gefördert, dass alle Masterstudierenden auch gleichzeitig Mitglied der „Bonn International Graduate School of Drug Science (BIGS DrugS)“ sind. Durch die freiwillige Teilnahme an englichsprachigen Doktorandenkolloquien erhalten die Masterstudierenden frühzeitig einen Überblick über die Promotionsmöglichkeiten in den verschiedenen pharmazeutischen Disziplinen und können sich dadurch gezielter auf passende Doktorandenstellen bewerben. Aber auch ohne anschließende Promotion hat ein Absolvent mit dem „Master of Science“  einen akademischen Grad erworben, der ein breites Tätigkeitsfeld eröffnet. Auch ausländische Studierende bekunden großes Interesse an dem Masterstudiengang. Gegenwärtig sind ca. 25 % der eingeschriebenen Studenten aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland.

Welche Zugangsvoraussetzungen gibt es?

Zugelassen werden können Interessenten mit einem abgeschlossenen Studium und einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss:

  • im Staatsexamensstudiengang Pharmazie, Human- oder Tiermedizin oder einem gleichwertigen Abschluss, oder
  • in einem mindestens sechssemestrigen Studiengang (Bachelor) der Pharmazie oder einem naturwissenschaftlichen, pharmazienahen Fach, erworben in der EU, oder
  • in einem Bachelor-Studiengang, erworben an einer Universität außerhalb der EU, nach Prüfung des Studienumfanges und/oder einer Kenntnisprüfung, oder
  • in einem Fachhochschul-Studiengang, erworben in einem fachnahen Studiengang innerhalb oder außerhalb der EU nach Prüfung des Studienumfanges und/oder einer Kenntnisprüfung.

Wie kann ich mich bewerben?

Die intensive Betreuung während des Studiums limitiert die Aufnahmekapazität auf ca. 10-15 Studenten pro Semester. Interessenten nehmen zunächst Kontakt mit einem Hochschullehrer aus dem gewünschten Fachgebiet auf und erkundigen sich nach den Möglichkeiten für die Übernahme eines Mentorats.

Im Falle einer Zusage durch den Hochschullehrer kann eine schriftliche Bewerbung beim Studien- und Prüfungsausschuss “M.Sc. Arzneimittelforschung”, c/o Fachgruppe Pharmazie der Universität Bonn, An der Immenburg 4, 53121 Bonn, erfolgen.

Bewerbungsfrist für das Sommersemester ist der 15.1., für das Wintersemester der 15.7. eines jeden Jahres.

 

Frank Umbach, Janine Antosch, Frauke Löhr und Hannes Fuderer, Studenten, Uni Bonn

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Weitere Informationen zum Masterstudiengang Arzneimittelforschung und zu den erforderlichen Bewerbungsunterlagen sind auf der Homepage der Fachgruppe Pharmazie der Universität Bonn zu finden.

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