Der große UniDAZ-Gehaltsreport
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9. March 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Aktuelles

Der große UniDAZ-Gehaltsreport

Je näher das Studienende rückt, desto häufiger stellen sich nicht nur Pharmaziestudenten die Frage, was sie nach ihrem Universitätsabschluss eigentlich verdienen werden. Klar, für die Apotheke gibt es Tarifverträge, die relativ leicht zugänglich sind und zur ersten Orientierung dienen können. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass alle Apothekenmitarbeiter genau dieses Tarifgehalt bekommen. Zudem gibt es auch zahlreiche pharmazeutische Betätigungsfelder außerhalb der Apotheke. Hier ist es schon wesentlich schwieriger, an verlässliche Zahlen zu kommen, denn so vielfältig wie die Betätigungsmöglichkeiten sind die auch die rechtlichen Grundlagen und praktizierten Bezahlungsmodelle. Ferner gilt in der pharmazeutischen Industrie – wie auch in vielen anderen Branchen: Über Geld spricht man nicht! So bedauern Studenten immer wieder, dass pharmazeutische Betriebe ihnen gegenüber zwar viel über die „spannenden Tätigkeiten“ und das „attraktive Arbeitsumfeld“ berichten, bei der Frage nach dem Einstiegsgehalt jedoch meist nicht bereit sind, konkrete Zahlen zu nennen. Grund genug für UniDAZ mal genauer nachzuhaken, um Ihnen einen realistischen Eindruck Ihrer späteren Verdienstmöglichkeiten zu vermitteln.

Apotheke

angestellte Apotheker

Wie die Statistik (vgl. Abb. 1) eindrucksvoll belegt, arbeiten über 80 % aller Pharmaziestudenten später in der Apotheke. Einen ersten Anhaltspunkt für die in diesem Bereich bezahlten Gehälter liefern die Tarifverträge, die zwischen der Apothekengewerkschaft ADEXA und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken ADA ausgehandelt wurden (s. Tab. 1).Für den Kammerbezirk Nordrhein existiert ein eigener Tarifvertrag, der zwischen ADEXA und der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein abgeschlossen wurde (s. Tab. 2). In den Tarifverträgen ist die Zahlung eines 13. Monatsgehalts vorgesehen, das allerdings auf 50% gekürzt werden kann, sofern dies dem Apothekeninhaber aus wirtschaftlichen Gründen notwendig erscheint. Rechtlich verbindlich ist der Tarifvertrag allerdings nur, wenn sowohl der Arbeitgeber Mitglied einer Tarifgemeinschaft (ADA, TGL) als auch der Arbeitnehmer Mitglied der Apothekengewerkschaft ADEXA ist. Dementsprechend entsteht keine Tarifbindung, sobald ein Arbeitsvertragspartner nicht Mitglied des ihn betreffenden Verbandes ist. Nichtsdestotrotz ist auch im letztgenannten Fall der Tarifvertrag in der Regel Ausgangs- bzw. Bezugspunkt für Gehaltsverhandlungen zwischen Apothekenleitern und Angestellten. Unabhängig davon ist die letztendliche Gehaltssumme im Sinne der juristisch garantierten Vertragsfreiheit zwischen den Vertragspartnern natürlich frei verhandelbar und wird letztlich auch über die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage geregelt. So ist das Gehaltsniveau in Universitätsstädten, in denen Pharmazie studiert werden kann, tendenziell niedriger, da viele Absolventen nach dem Examen noch einige Zeit an ihrem Studienort bleiben, bevor sie sich beruflich und/oder privat neu orientierten. Demzufolge steht hier einem limitierten Angebot an Arbeitsplätzen häufig eine hohe Nachfrage von Berufsanfängern und damit vergleichsweise kostengünstigen Approbierten gegenüber, was die Gehälter sinken lässt – möglicherweise sogar unter Tarifniveau. In ländlichen Gegenden, die gerade auf jüngere Apotheker häufig eine geringere Anziehungskraft entfalten, ist es für Apothekenleiter oft schwierig, überhaupt approbierte Mitarbeiter zu finden. Der Marktsituation entsprechend werden hier nicht selten Gehälter gezahlt, die über dem Tarif liegen. Hinzu kommen Fragen der allgemeinen Lebenshaltungskosten, die natürlich auch auf das Gehaltsniveau durchschlagen und sich zwischen den Gestaden des Starnberger Sees und den abgelegenen Tälern des Zittauer Gebirges an der polnischen Grenze deutlich unterscheiden. Neben solchen regionalen Unterschieden, die von der Attraktivität des Standortes und seiner Infrastruktur abhängen, spielt natürlich die Ertragssituation der jeweiligen Apotheke eine wichtige Rolle. Wie in anderen Branchen, so gibt es auch bei den Apotheken besser und schlechter laufende Betriebe. Nach Berechnungen der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover GmbH, die zahlreiche Apotheken betreut, verdient mancher Apothekenleiter nach Abzug aller Kosten bereits heute weniger als ein angestellter Approbierter (s.u.). Klar, dass in solchen Betrieben auch der Gehaltsentwicklung bei den Mitarbeitern „natürliche“ Grenzen gesetzt sind.

Filialleiter und Positionen mit herausgehobener Verantwortung

Ein Umstand, dem die vorliegenden Tarifverträge bisher nicht Rechnung tragen, ist die Tatsache, dass sich – gerade in größeren Apotheken – in jüngster Vergangenheit sowohl innerhalb von Einzelapotheken als auch innerhalb von Apothekenverbünden Positionen mit höherer Führungsverantwortung herausgebildet haben. Zuallererst wären hier natürlich die mittlerweile rund 3.500 Filialleiter zu nennen, die den ihnen übertragenen Filialbetrieb laut Gesetz persönlich zu leiten haben und mitverantwortlich dafür sind, dass die Apotheke unter Beachtung der geltenden Vorschriften betrieben wird. Die sich aus dieser Position ergebenden Pflichten gehen deutlich über jene eines „normalen“ angestellten Apothekers hinaus, was sich natürlich auch im Gehalt niederschlägt. Auch wenn für Berufsanfänger der direkte Einstieg als Filialleiter sicher die Ausnahme sein dürfte, soll deren Einkommenssituation hier kurz skizziert werden. Dies fällt ungleich schwerer als bei den übrigen Angestellten, da der Tarifvertrag hierfür, wie erwähnt, keine Anhaltspunkte bietet. Entsprechend vielfältig und individuell ist auch die vertragliche Gestaltung solcher Arbeitsverhältnisse geregelt. Gängige Modelle reichen von einem Fixzuschlag auf den jeweils gültigen Apothekentarif (in der Regel zwischen 15 und 20 %, in Einzelfällen auch darüber) über die Bereitstellung von Dienstwagen zur privaten Nutzung oder Boni für die Erreichung bestimmter Ziele (Einführung eines QM-Systems, Umsatzsteigerungen, Minimierung von Rezeptretaxationen oder Retourenquote, etc.) bis hin zu Gewinnbeteiligungen und Provisionen. Die sich aus Grundgehalt, etwaigen Boni und geldwerten Vorteilen letztlich ergebende Gesamtvergütung ist allerdings nicht nur ins Verhältnis zu setzen zur höheren Verantwortung, sondern auch zu den tatsächlich übernommenen Aufgaben (Einkauf, Personalgespräche, QMS etc.) und dem realen Zeitaufwand. D.h. mitentscheidend für die Entlohnung ist letztlich auch die Frage wie zentral bzw. dezentral ein Filialverbund organisiert ist.

Filialeiter sind jedoch nicht die einzigen denkbaren Positionen mit herausgehobener Verantwortung in einer Offizin. Hier wären auch Apotheker zu nennen, die die Versorgung von Kranken- und Pflegeeinrichtungen betreuen, die die patientenindividuelle Zytostatikaherstellung (einzeln zubereitete und individuell dosierte Krebsmedikamente) oder Arzneimittelverblisterung leiten oder die in einer internationalen Apotheke den Arzneimittelimport koordinieren… eine Reihe, die sich problemlos fortsetzen ließe. Natürlich wird es im Einzelfall zu entscheiden sein, welche Aufgaben grundsätzlich noch zum üblichen Verantwortungsbereich eines angestellten Apothekers gehören bzw. welche darüber hinaus gehen und eine Sondervergütung rechtfertigen. Dies abzubilden würde den Rahmen eines solchen Gehaltsreports jedoch bei Weitem sprengen.

Selbständige Apotheker

Zu guter Letzt bleibt im Hinblick auf eine offizinelle Tätigkeit noch die Frage: Wie lukrativ ist es eigentlich sich selbständig zu machen? Auch hier gilt wieder: Die wirtschaftliche Lage von Apotheken ist so unterschiedlich, wie es ihre Standorte sind und die Menschen, die sie betreiben. Ohne tiefergehende statistische Analysen, bilden Ertragsbetrachtungen die Realität daher immer nur zum Teil ab. In einem Interview mit der DAZ im Mai 2011 bezeichnet Dr. Frank Diener von der Treuhand Hannover GmbH die betriebswirtschaftliche Lage vieler Apotheken als problematisch. Auf Basis der im Quartal I/2011 erhobenen Zahlen errechnete sich damals für eine typische Apotheke ein Rückgang des Jahresgewinns von 75.000 Euro im Jahr 2010 auf nur noch 54.600 Euro im Jahr 2011. Nach Steuern und Abgaben blieben für den Apothekeninhaber demnach nur noch 25.600 Euro zum Leben (diese Summe entspricht inhaltlich dem Nettogehalt bei Angestellten) nach 39.100 Euro im Vorjahr, rechnete Diener vor und konstatierte: „Das ist ein historischer Rückgang um 35 Prozent“ – und weniger als ein erfahrener Pharmazeut im Angestelltenverhältnis verdient und das obwohl der Selbständige das gesamte wirtschaftliche Risiko trägt. Die von der Treuhand Hannover GmbH für die Berechnung ausgewählte typische Apotheke hat einen Jahresumsatz von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro, das ist die Umsatzklasse in die die meisten deutschen Apotheken fallen (vgl. Abb. 2). Sie liegt damit unterhalb der durchschnittlichen Apotheke mit einem Umsatz von rund 1,6 Millionen Euro. Wie aus Abb. 2 hervorgeht liegt der Umsatz von 23,3 % aller Apotheken und damit erwartbar auch deren Gewinn teilweise noch deutlich unter dem einer branchentypischen Apotheke. Andererseits bedeutet dieser Blickwinkel im Umkehrschluss auch, dass rund 60 % aller selbständigen Apotheker über den genannten branchentypischen Zahlen liegen. Insgesamt gibt es aber so viele individuelle und standortspezifische Kriterien (Miete, Anzahl/Struktur der verschreibenden Ärzte, ortsübliche Öffnungszeiten (Landapotheke vs. Einkaufszentrum) und sich daraus ergebender Personalbedarf etc.), dass bei jeder Apothekeneröffnung bzw. -übernahme ein detaillierter Businessplan erstellt und die wirtschaftlichen Chancen des Betriebs kritisch durchgerechnet und hinterfragt werden müssen. Jede Angabe zur Einkommenssituation selbständiger Apotheker, die den Eindruck erweckt für die gesamte Branche repräsentativ zu sein und so einerseits möglicherweise überzogene Erwartungen generiert oder andererseits ungerechtfertigte Ängste schürt, wäre demnach unseriös.

 

 

Öffentlicher Dienst

Die potentiellen Arbeitgeber für Apotheker im öffentlichen Dienst sind wesentlich vielfältiger als gemeinhin angenommen. Neben Landesbehörden, Bezirksregierungen/Regierungspräsidien, Gesundheitsämtern, Ministerien oder Arzneimitteluntersuchungsstellen kommen auch Berufsschulen und Lehranstalten für pharmazeutisch-kaufmännische und pharmazeutisch-technische Assistenten in Betracht, sowie Apothekerkammern, Hochschulen, Krankenkassen und die Bundeswehr (vgl. Abb. 1). Hinzukommen Tätigkeiten auf internationaler Ebene wie beispielsweise bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency, EMA) oder dem Europäischen Patentamt (European Patent Office, EPO). Trotz dieser Vielfalt potentieller Arbeitgeber lässt sich relativ genau sagen, was ein Apotheker als Berufseinsteiger in diesem Bereich verdient, da das Besoldungssystem staatlicher Behörden und Institutionen gesetzlich geregelt und damit sehr starr ist. Ein Spielraum für individuelle Gehaltsverhandlungen existiert in diesem Bereich faktisch nicht. Die Besoldung von beamteten Apothekern, die auf Bundesebene tätig sind, ist in der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) geregelt. Berufseinsteiger werden regelmäßig in die Besoldungsgruppe A13 eingruppiert. Dies entspricht bei unverheirateten, kinderlosen Arbeitnehmern gegenwärtig einem Jahresgehalt von rund 42.000 Euro. Die Besoldung von Landesbeamten liegt in einer ähnlichen Größenordnung, kann jedoch von Bundesland zu Bundesland teils beträchtlich variieren. Beispielsweise liegt das Jahresgehalt eines Berliner Amtsapothekers rund 5.000 Euro unter dem Gehalt seines baden-württembergischen Kollegen (vgl. Tab. 3). Sowohl bei Landes- wie auch bei Bundesbeamten ist zu berücksichtigen, dass diese grundsätzlich der Versicherungsfreiheit unterliegen, d.h. von der (Brutto-)Besoldung werden keine Beiträge zur gesetzlichen Renten- oder Arbeitslosenversicherung einbehalten. Ferner kann der Beamte frei wählen, ob er sich gesetzlich oder privat krankenversichert. Das Netto-Einkommen eines beamteten Apothekers zu Beginn seiner Berufslaufbahn liegt demnach bei rund 33.000 Euro während ein angestellter Apotheker mit gleichem Bruttogehalt nur rund 25.000 Euro überwiesen bekäme. Allerdings muss der Beamte daraus noch seine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung begleichen, sodass die Differenz insgesamt etwas geringer ausfällt, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Die Vergütung von Apothekern, die nicht als Beamte sondern als Angestellte in staatlichen Institutionen beschäftigt werden, errechnet sich auf Basis des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L), der sich, wie der Name schon vermuten lässt von Bundesland zu Bundesland unterscheiden kann. Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss, also auch Apotheker, werden in die Tarifgruppe E13 eingruppiert, was bei ledigen, kinderlosen Arbeitnehmern in den meisten Bundesländern einem Bruttogehalt von derzeit rund 40.000 Euro entspricht, lediglich Berlin liegt merklich darunter. Da im Fall eines Angestelltenverhältnisses die genannten beamtenrechtlichen Vorteile bei den Sozialversicherungsbeiträgen nicht zum Tragen kommen, entspricht dies einem Nettogehalt von etwa 24.000 Euro. Das Gehalt von Apothekern, die beim Bund oder in kommunalen Einrichtungen (z.B. Krankenhäusern) angestellt sind, richtet sich nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) und liegt in derselben Größenordnung (vgl. Tab. 3). Deutlich über dem deutschen Gehaltsniveau rangiert hingegen die Besoldung von Beamten der Europäischen Union. Dort liegt das Einstiegsgehalt bei rund 52.000 Euro. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass bei Bediensteten der Europäischen Institutionen keine nationale Einkommenssteuer auf das Gehalt erhoben wird, da EU-Gehälter unmittelbar einer Gemeinschaftssteuer unterliegen, die zurück in den EU-Haushalt fließt. D.h. Steuersätze und Sozialabgaben sind bei diesen Beamten nicht mit den auf nationaler Ebene gezahlten Gehältern vergleichbar. Hinzukommt bei EU-Beamten noch ein kompliziertes Modell zum Kaufkraftausgleich je nach Beschäftigungsort. So wird beispielsweise in London, wo die Europäische Arzneimittelbehörde EMA ihren Sitz hat, auf das in Tab. 3 genannte Grundgehalt noch ein Zuschlag von derzeit 34,4 % gezahlt. Zum Vergleich: EU-Beamte mit Dienstort in München erhalten einen Aufschlag von lediglich 3,7 % (in einigen europäischen Ländern erfolgt zum Kaufkraftausgleich sogar ein Abschlag vom Grundgehalt, z.B. in Bulgarien -37,3 %).

Während bei einigen Tätigkeitsfeldern (Behörde, Bundeswehr) obligatorisch der Staat als Arbeitgeber fungiert, ist dies z.B. bei Krankenhausapothekern nicht zwingend der Fall. Neben den in der Regel landeseigenen Universitätskliniken oder kommunalen Krankenhäusern gibt es auch Einrichtungen, die von privaten Kapitalgesellschaften betrieben werden. Die Bezahlung der Mitarbeiter richtet sich dabei in erster Linie nach dem Träger der jeweiligen Einrichtung. Wobei sich auch viele privat betriebene Kliniken an den in Tab. 3 genannten Gehältern orientieren, sodass die Schwankungsbreite der Einkommen bei Berufseinsteigern gerade in diesem Bereich relativ gering ausfällt. Auch bei Apothekern, die außerhalb der Universitäten in der Ausbildung tätig sind, kommt nicht nur der Staat als Arbeitgeber in Frage. So werden beispielsweise PTA-Lehranstalten in manchen Bundesländern auch oder ausschließlich von gemeinnützigen Vereinen oder privaten Trägern betrieben. Während sich die Gehälter bei Schulen mit gemeinnützigen Trägervereinen häufig am Tarifvertrag für Apothekenmitarbeiter (vgl. Tab. 1 bzw. Tab. 2) orientieren, ist dies bei privaten Schulträgern nicht immer der Fall, da die PTA-Ausbildung hier häufig Teil einer größeren Einrichtung mit weiteren Ausbildungsgängen ist. In diesen Fällen werden Apotheker daher wie Lehrkräfte anderer Fachrichtungen behandelt und bezahlt – meist nach TV-L oder TVÖD (Tab. 3). Das Gehalt von Mitarbeitern der Apothekerkammern richtet sich weitgehend nach dem Tarifvertrag für Apothekenmitarbeiter, je nach Verantwortungsbereich und Leistungsumfang, sind moderate Zuschläge möglich.

Industrie

Zu guter Letzt, die – aufgrund der wenigen verfügbaren Informationen – für viele vermutlich spannendste Frage: Wie hoch sind die Einstiegsgehälter in der pharmazeutischen Industrie? Unternehmenssprecher würden wahrscheinlich antworten: „Das kann man so pauschal nicht sagen!“ Und damit haben sie auch nicht ganz unrecht, dennoch soll an dieser Stelle versucht werden, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Hierzu sind bei den potentiellen Arbeitgebern zunächst einmal zwei Gruppen zu unterscheiden: die forschenden Pharmaunternehmen auf der einen und die Generika- bzw. Lohnhersteller und pharmazeutischen Dienstleistungsunternehmen auf der anderen Seite. Während Pharmazeuten ohne Promotion in der nicht-forschenden Pharmaindustrie mit Einstiegsgehältern von rund 42.000 bis 47.000 Euro rechnen dürfen, liegen diese bei forschenden Unternehmen rund 10% höher (ca. 45.000 bis 52.000 Euro). Hierbei ist allerdings anzumerken, dass der Einstieg in die pharmazeutische Industrie unmittelbar nach dem Studium bei Generikaherstellern wesentlich einfacher ist als bei forschenden Unternehmen, wo der Doktortitel häufig als Einstellungskriterium vorausgesetzt wird oder zumindest zeitnah innerhalb des Unternehmens erworben werden soll. Ferner erleichtert eine Industrietätigkeit während des praktischen Jahres den Einstieg in ein pharmazeutisches Unternehmen oft spürbar. Bewerber mit abgeschlossener Promotion erwartet beim Einstieg in ein nicht-forschendes Unternehmen gegenwärtig ein Jahresgehalt von etwa 48.000 bis 54.000 Euro, die Gehälter in forschenden Unternehmen liegen, je nach Standort um bis zu 15 % darüber (55.000 bis 64.000 Euro). Zu bedenken ist hier jedoch, dass ein Apotheker während der in der Regel drei- bis vierjährigen Promotionszeit an der Uni meist nur eine halbe Stelle bezahlt bekommt. Das entspricht einem monatlichen Bruttolohn von ca. 1.800 Euro für Arbeitszeiten von nicht selten 50 bis 60 Stunden pro Woche.

In der Industrie ist die Gehaltsspanne relativ breit, was sich einerseits durch regionale Besonderheiten und andererseits durch das unterschiedliche Anforderungsprofil der verschiedenen Stellen erklärt. Nach wie vor existiert ein West-Ost-Gefälle, das allerdings zu gewissem Maße durch unterschiedliche Lebenshaltungskosten kompensiert wird. Dieser Effekt ist in umgekehrter Weise auch bei den nominell deutlich höheren Jahressalären in der Schweiz zu berücksichtigen. Dort liegen die Gehälter von promovierten Berufseinsteigern zwar am oberen Ende der angegebenen Gehaltsspannen, und auch die Einkommenssteuern sind deutlich niedriger als in Deutschland. Dem stehen aber auch deutlich höhere Lebenshaltungskosten gegenüber, die den Differenzbetrag im Vergleich zu deutschen Standorten relativ schnell aufzehren. Was die verschiedenen Tätigkeitsfelder anbelangt, so sind Forschung und Entwicklung naturgemäß besonders lukrativ, allerdings kommen in diesem Bereich in der Regel nur Bewerber zum Zug, die sich durch ihren bisherigen Werdegang hierfür in besonderer Weise qualifiziert haben. Mitarbeiter in der Medizinischen Wissenschaft oder der Qualitätskontrolle verdienen demgegenüber im Allgemeinen etwas weniger, allerdings geringfügig mehr als Ihre Kollegen in den Zulassungs- oder Pharmakovigilanz- (Arzneimittelsicherheits-)Abteilungen. Doch auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel! Vergleicht man die Einstiegsgehälter in der Industrie mit jenen in der Apotheke oder im öffentlichen Dienst, so sind diese absolut betrachtet zwar merklich höher, allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass mit einer Industrietätigkeit üblicherweise eine zeitliche Mehrbelastung einhergeht, die in der Regel deutlich über 40 Wochenstunden hinausgeht und häufig durch das Grundgehalt abgegolten ist. Der auf die tatsächliche Arbeitszeit bezogene Stundenlohn unterscheidet sich daher wesentlich weniger als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Bei entsprechender Leistung sind in der Industrie jedoch schnellere und höhere Gehaltssprünge wahrscheinlich als in der Apotheke oder im öffentlichen Dienst. Allerdings fällt auch innerhalb der Pharmazeutischen Industrie die Gehaltsdynamisierung von Betrieb zu Betrieb, ja mitunter sogar von Abteilung zu Abteilung sehr unterschiedlich aus. Die Koexistenz einer Vielzahl von Vergütungsmodellen und -bestandteilen (persönliche Zielvereinbarungen, Erfolgsbeteiligungen, Dienstwagen, betriebliche Altersvorsorge u.v.m.) macht allgemeingültige Aussagen über die Gehälter in der pharmazeutischen für den Berufseinstieg schwierig und für den weiteren Karriereverlauf nahezu unmöglich, denn je höher die Position und die Verantwortung innerhalb eines Unternehmens, desto häufiger werden Arbeitsverträge mit einer Vielzahl individueller Absprachen geschlossen.

Freude am Beruf darf nicht zu kurz kommen

Auch wenn hier jetzt viel von den Gehaltsaussichten die Rede war, soll am Ende noch kurz ein Aspekt genannt werden, der neben der Sicherung der materiellen Existenzgrundlage nicht zu kurz kommen darf: die Freude am Beruf. Denn ohne Spaß bei der Arbeit bleibt man auf Dauer weder gesund noch zufrieden mit seinem Job, selbst bei weit überdurchschnittlichem Verdienst. Natürlich kann Arbeit nicht immer Spaß machen, aber wenigstens immer mal wieder, oder anders gesagt „nicht immer, aber immer öfter!“ Lassen Sie sich daher bei der Wahl Ihres Arbeitsplatzes nicht in erster Linie von Gehaltsaussichten leiten, sondern von Ihren Interessen und Neigungen. Nur so treffen Sie eine nachhaltige Entscheidung und werden in der Folge langfristig mehr Befriedigung aus Ihrem Beruf ziehen. Insofern bietet Ihnen das vorliegende Zahlenmaterial für künftige Gehaltsverhandlungen eine hoffentlich hilfreiche Orientierung, die allerdings für den individuellen Einzelfall nicht überbewertet werden sollte.

(zie)

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Weiterlesen auf unidaz.de:

Interview mit Prof. Kaapke: \”Der Gehaltsunterschied ist gewaltig\”

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