Beratung und Betreuung in der Offizin und im Pflegeheim
Adler-Apotheke Hamburg
9. October 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Berufsstart
Praktisches Jahr in der Privilegierten Adler Apotheke, Hamburg

Beratung und Betreuung in der Offizin und im Pflegeheim

Von ihrem abwechslungsreichen, spannenden und anspruchsvollen Praktikum in einer öffentlichen Apotheke berichtet Sophie Gottschling, die heute als Apothekerin in ihrer Ausbildungs-Apotheke arbeitet. Unter anderem konnte sie während ihres PJs in einer Projektarbeit die Medikation der Bewohner einer Pflegeeinrichtung untersuchen.

2006 begann ich mit meinem Pharmaziestudium in Bonn. Das Studium verging wie im Flug und bald musste ich mir Gedanken über das Praktische Jahr machen. Das tat ich sehr früh, da ich wusste: Meine Erfahrungen möchte ich in der Adler Apotheke in Hamburg sammeln, die ich – gebürtige Hamburgerin – als Kundin kannte. Ich wusste, dass ich dort viele Bereiche kennenlernen kann wie z.B. die Heimversorgung, die Sterilherstellung und eine Rezeptur, in der nicht nur Salben gerührt, sondern auch regelmäßig z.B. Kapseln und Augentropfen hergestellt werden. Hinzu kommt, dass die Offizin sehr stark frequentiert ist und die Pharmazeutische Betreuung und Beratung im Vordergrund stehen. Somit hat man die Möglichkeit in der kurzen Zeit viel zu lernen und zu erleben. Außerdem ist die Apotheke als „Akademische Ausbildungsapotheke“ bei der Apothekerkammer Hamburg akkreditiert, das heißt, sie erfüllt bestimmte Kriterien, die eine besonders gute Betreuung der Praktikanten gewährleisten sollen (siehe Infokasten „PJ in der Apotheke“).

Aller Anfang ist schwer

Praktikant bei der Beratung

Praktikant bei der Beratung, Quelle: Adler-Apotheke Hamburg

In der Einarbeitungszeit lief ich mit den Kollegen mit und lernte so mit der Kasse und den Bedürfnissen der Kunden umzugehen. Nach zwei Wochen durfte ich dann alleine starten. In der Uni lernt man viel über die pharmazeutische Betreuung und die Beratung der Kunden. Dieser Aspekt war für mich auch sehr wichtig und so versuchte ich mein Bestes zu geben. Wären da doch bloß nicht der Computer und die Rabattverträge, die Handelsnamen, die Lieferverträge bei Inkontinenzartikeln und, und, und. Das Tolle war, dass ich immer eine große Anzahl netter Kollegen um mich hatte, die ich alles fragen konnte. Zudem gab es für die Pharmazeuten im Praktikum eine ganze Bandbreite an internen Schulungen, die die Kollegen organisierten, wenn wir Interesse daran hatten.

Ich hatte mich dafür entschieden das gesamte praktische Jahr in der Adler Apotheke zu verbringen. Die Stationen, die ich während des Jahrs durchlaufen habe, waren die Heimabteilung, die Rezeptur und die Offizin. Zusätzlich wurde mir die Möglichkeit geboten, gemeinsam mit einer erfahrenen, sehr netten Kollegin ein Projekt in einem Heim zu gestalten und durchzuführen. Im Rahmen dieser Projektarbeit haben wir die Medikationen der Bewohner zweier Hamburger Pflegeeinrichtungen unter die Lupe genommen.

Medikationsprofile und Interaktionscheck

Nach Anmeldung und Beschreibung des Projektes in der Pflegeeinrichtung folgte eine intensive Auseinandersetzung mit den Medikationsprofilen der Bewohner. Da auch überprüft werden sollte, ob die Medikamente eine entsprechende Indikation hatten, wurden die Diagnosen hinzugezogen. Es folgte ein ausführlicher Interaktionscheck. Ziel dieses Projektes war, auf individuelle Parameter der Patienten einzugehen und mit Hilfe der Erkenntnisse mögliche Interaktionen zwischen den verordneten Arzneimitteln zu vermeiden. Dazu wurden, natürlich mit dem Einverständnis des Pflegepersonals und der Bewohner, intensive Gespräche geführt. Dabei ging es neben der Überprüfung der Therapietreue (Compliance) der Bewohner auch um die Ermittlung Medikamenten-spezifischer unerwünschter Arzneimittelwirkungen, um diese anschließend mit Hilfe des Arztes zu beheben. Ein Schwerpunkt lag dabei auf anticholinergen Wirkungen und erhöhter Sturzgefahr durch diverse Medikamente, insbesondere Pharmaka mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem wie z.B Citalopram, Risperidon, Melperon, Pipamperon und viele mehr, die in der Geriatrie häufig verordnet werden. Ein weiteres Ziel war, eventuell überflüssige oder nicht mehr benötigte Medikamente sowie ungeeignete Arzneiformen zu ermitteln. Solche ungeeignete Arzneiformen waren besonders im Wachkoma-Bereich zu finden. Zu ihnen zählten retardierte Arzneiformen oder Tabletten mit einem magensaftresistenten Überzug wie Omeprazol, welche gemörsert über die PEG-Sonde (PEG = perkutane endoskopische Gastrostomie, eine Sonde, die durch die Bauchhaut in den Magen führt und zur Ernährung und Arzneimittelgabe dient) verabreicht wurden. Auf der Wachkoma-Station haben wir die Medikationspläne von etwa 30 Bewohnern auf die Sondengängigkeit überprüft. Dabei wurde bei jedem Plan mindestens eine ungeeignete Arzneiform entdeckt. In Gesprächen mit dem zuständigen Arzt und dem Pflegepersonal konnten wir auf die Probleme aufmerksam machen und zahlreiche Verbesserungen in der Versorgung erreichen.

In anderen Wohnbereichen habe ich – nach vorheriger Absprache mit dem zuständigen Pflegepersonal – dann auch Gespräche mit etwa 25 Bewohnern geführt. Wichtig waren im Vorfeld gezielte Hinweise zum gesundheitlichen Zustand zu erlangen, um gezielte Fragen stellen zu können. Bei einigen Bewohnern wurde ich so auch auf Compliance-Probleme aufmerksam, wie bei dem Herrn, der in einem Versteck 16 nicht eingenommene Tabletten gebunkert hatte.

In meinem Praktischen Jahr habe ich sehr viel gelernt und mit der Zeit auch in der Offizin eine immer größere Sicherheit bei der Beratung und Betreuung der Kunden gewonnen, auch dank der stetigen Unterstützung meiner Kollegen. Insgesamt hat es mir in meinem Praktischen Jahr so gut gefallen, dass ich nach dem Dritten Staatsexamen als Apothekerin in der Adler Apotheke geblieben bin.

Von Sophie Gottschling, Apothekerin in Hamburg

Akkreditierte Ausbildungsapotheken
Alle öffentlichen Apotheken in Deutschland dürfen PhiPs ausbilden. In einigen Bundesländern bzw. Kammerbezirken gibt es neuerdings „Siegel“ für Apotheken, die sich besonders in der Ausbildung engagieren. Die Anforderungen beispielsweise an Schulungen, Ausstattung, Ausbildungsinhalte und auch Struktur der Apotheke sollen eine besonders hochqualifizierte Ausbildung gewährleisten. In Baden-Württemberg und Hamburg gibt es die Akkreditierung zur „Akademischen Ausbildungsapotheke“ (www.lak-bw.de/ausbildung/akademische-ausbildungsapotheke.html und http://www.apothekerkammer-hamburg.de/ausbildung/ausbildung-apotheker/akademische-ausbildungsapotheke/), im Kammerbezirk Westfalen Lippe gibt es in Zusammenarbeit mit der Uni Münster die „Ausbildungsapotheke NRW“ (http://unidaz.de/2012/ausbildungsapotheke-nrw-soll-pj-verbessern/). Infos über die geforderten Kriterien und Listen der akkreditierten Apotheken finden sich auf den Websites der entsprechenden Apothekerkammern.

 

Auf der Website der Privilegierten Adler Apotheke Hamburg (www.adler-apotheke-hh.de) berichten zwei PhiPs in Podcasts über ihr Praktikum.

Weitere Tipps zum PJ und Informationen zu den Rechten und Pflichten eines PhiPs finden sich in der UniDAZ 1/2011 im Artikel „Es gibt ein Leben nach dem Studium“.

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    Kommentare zu Beratung und Betreuung in der Offizin und im Pflegeheim

  1. hektor am 19. October 2012 um 12:35

    Ein schöner Bericht. Spricht nicht nur für Sie, sondern auch für die Adlerapotheke in Hamburg. Ich kenne sie hauptsächlich vom vorbei Laufen, hab aber schon mal Kleinigkeiten wie Aspirin da geholt. Man merkt sofort, dass gute Klima in der Apotheke. :)