9. March 2012 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Buch-Tipps
Buchbesprechung: Langner/Borchert/Mehnert, „Biopharmazie“

Alles drin

Dass die Biopharmazie von vielen Studenten eher stiefmütterlich behandelt wird, lässt sich ganz einfach erklären: Es gibt genug Anderes zu tun. Da erscheint dieser auf den ersten Blick doch recht trockene Stoff als unangenehme Randerscheinung, die man nur schnell hinter sich bringen möchte. Schade ist das allemal, da hier doch eigentlich die Stärken der pharmazeutischen Ausbildung ineinander laufen.

Ob man sich nun gezwungenermaßen oder vielleicht sogar gerne und aus echtem Interesse mit dem Thema auseinandersetzt, irgendwoher muss man sich das entsprechende Wissen aneignen. Zu einem Lehrbuch mit dem Titel „Biopharmazie“ zu greifen ist da nur naheliegend. Nun stellt sich die Frage: Kann dieses Buch auch, was der Titel verspricht, nämlich den Studenten in diese doch komplexe Materie einweihen?

Zum Inhalt

Angefangen wird mit einer allgemeinen Begriffserklärung mit Blick auf die Historie. Danach (Kapitel 2) geht es ans Eingemachte: Grundprinzipien des Stofftransports. Dazu ist ein Exkurs in die Biologie und Biochemie nötig, der aber zum Glück nicht zu sehr ausschweift, sondern bei den biopharmazeutisch relevanten Aspekten bleibt. Das schöne daran: Zwar sollte das in diesem Kapitel Angesprochene vom geneigten Leser/Studenten vorrausgesetzt werden können, aber eine kontextbezogene Wiederholung hilft ungemein, sich ein Gesamtbild zu machen.

Im nächsten Kapitel (3) geht es um das LADME-Modell, selbstredender Bestandteil eines Buches, welches sich die Biopharmazie zum Thema macht. Für die auf diesem Gebiet noch Unbedarften: „LADME“  ist das Akronym aus den Worten Liberation (Freisetzung), Absorption (Resorption), Distribution (Verteilung), Metabolism (Verstoffwechselung) und Excretion (Ausscheidung). Also das, was in (meist)chronologischer Reihenfolge mit Arzneistoffen im Körper passiert. Schön ist, dass die Autoren daran gedacht haben, die verschiedenen Resorptionsräume wie Mundhöhle, Magen, aber auch weniger geläufige wie z.B. die Resorption aus dem Pleuraspalt, genauer zu beleuchten. Bioverfügbarkeit und Biotransformation werden später in separaten Kapiteln noch ausfühlich(st) ausgebreitet, daher findet sich hier nur ein kurzer Abschnitt darüber.

Kapitel 4 nimmt sich die pharmakokinetische Analyse vor. Freundlicherweise wird man zuerst schonend in Textform vorbereitet, um danach mit dem gesammelten Formelwerk beinahe erschlagen zu werden. Ein Schmankerl für Freunde des komprimierten Wissens, der gewöhnliche Student hat hier etwas zu kämpfen. Da muss man sich dann doch wieder ins Gedächtnis rufen, dass man dieses Buch ja nicht nur zum Spaß liest. Dafür wird man danach auch für seine Mühen belohnt: Während man sich die Zusammenfassung zu Gemüte führt, stellt man doch fest, dass man nun beinahe alles verstanden hat. Schade nur, dass hier weder Übungsaufgaben noch andere Möglichkeiten zum Selbsttest vorhanden sind. Ich bin mir sicher, dass sich darüber auch Assistenten gefreut hätten, und das Erstellen von Testatfragen zum Thema wäre in gelenkteren Bahnen.

Wer denkt, damit sei das Buch am Ende, liegt falsch. Jetzt kommen mit den Kapiteln „Bioverfügbarkeit“ (5), „Biotransformation“ (6) und „Einflussfaktoren auf pharmakokinetische Parameter und Biotransformation“ (7) noch einmal rund 300 Seiten. Aber keine Angst, diese Kapitel sind deutlich angenehmer zu lesen als Kapitel 4, auch wenn sie von Fakten überquellen.

Fazit

Vieles, was sowohl wissenswert als auch prüfungsrelevant ist, wird eingebettet in den jeweiligen Kontext präsentiert. Dadurch ist das Buch angenehm zu lesen und Fakten lassen sich leichter merken. Schön sind auch die vielen gut gemachten Graphiken und Schaubilder, die ein anschauliches Bild des jeweils behandelten Kapitels ermöglichen, ohne den Lesefluss zu stören. Auch die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels sind hilfreich. Einziger Wermutstropfen: Einem Buch, dass sich in erster Linie an Studenten wendet, würden einige kleine Übungsaufgaben gut zu Gesicht stehen.

Alles in allem ein Buch, mit dem man als Student viel anfangen, in dem man aber auch mal etwas nachschlagen kann.

Von Matthias Hohner, Pharmaziestudent in Mainz

———————————————————————————

Langner / Borchert / Mehnert

Biopharmazie

Pharmakokinetik – Bioverfügbarkeit – Biotransformation

4., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2010.

Gebunden, 524 S., 250 s/w Abb., 98 Tabellen,EUR 44,90

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

ISBN: 978-3-8047-2554-6

 

Ganz einfach bestellen auf deutscher-apotheker-verlag.de

oder E-Mail an service@deutscher-apotheker-verlag.de

 

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>