What Is In It For Me?
17. September 2011 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Berufsstart
Promotion im Ausland

What Is In It For Me?

Was will ich mit meinem Leben machen, wie soll es nach der Ausbildung weitergehen? Diese Fragen habe ich mir oft während meines Studiums gestellt. Die Antwort kam nicht über Nacht, sondern war das Ergebnis langer überlegungen, verschiedener Praktika und insbesondere eines halbjährigen Aufenthaltes an der Universität von Florida…

Obwohl dem Pharmaziestudium immer eine gewisse Theorielastigkeit nachgesagt wird, erlaubt die breitgefächerte und wissenschaftlich fundierte Ausbildung eine Betätigung in den verschiedensten Bereichen. Neben der Apotheke kann auch eine Karriere in der Krankenhausapotheke, der pharmazeutischen Industrie und an der Universität durchaus reizvoll sein. Um herauszufinden welches Betätigungsfeld am besten zu einem passt, ist es hilfreich sich die verschiedenen Optionen im Rahmen eines Praktikums näher anzuschauen. Solch ein Praktikum kann entweder während des Studiums oder während des Praktischen Jahres absolviert werden. Besonders reizvoll erscheint in diesem Zusammenhang ein Auslandsaufenthalt, da dieser neben einer gerne gesehenen Erweiterung des Lebenslaufs auch die Gelegenheit bietet, das Apothekenwesen anderer Ländern persönlich kennenzulernen. Um den reibungslosen Ablauf des Auslandsaufenthaltes zu gewährleisten, ist es ratsam, frühzeitig mit der Vorbereitung zu beginnen. Dies gilt besonders für Aufenthalte im nichteuropäischen Ausland, da hier in der Regel entsprechende Visa und ggf. Arbeitsgenehmigungen beantragt werden müssen. Entsprechende Informationen zu den benötigten Reise- und Arbeitsunterlagen können entweder direkt bei der künftigen Praktikumsstelle, dem künftigen Arbeitgeber oder den jeweiligen Konsulaten erhalten werden. Darüber hinaus bieten beispielsweise der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD; www.daad.de) oder der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V. (BPhD e.V.; www.bphd.de) wertvolle Informationen auf ihren Webseiten an. Diese reichen von finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten bis hin zu Tipps und Tricks bei Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Darüber hinaus sind in diesem Zusammenhang die verschiedenen Studentenaustauschprogramme, wie zum Beispiel ERASMUS, oder diverse (Privat-)Stiftungen zu nennen. Ich Folgenden möchte ich exemplarisch Optionen für einen Aufenthalt im Ausland anhand persönlicher Erfahrungen vorstellen.

Football ist in Florida von großer Bedeutung (Foto: Autor)

Mit einem PJ im Ausland fing alles an

Bereits während des Abiturs reifte der Wunsch, eine gewisse Zeit im Ausland zu verbringen, jedoch ohne dabei „Ausbildungszeit zu verlieren“. Da das Pharmaziestudium reich an aufeinander aufbauenden Kursen und Praktika ist, erschien mir das Praktische Jahr als idealer Zeitpunkt, um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Allerdings muss ich mir im Nachhinein eingestehen, dass ich mich über mögliche Optionen während des Studiums zu dieser Zeit nicht ausreichend informiert hatte. Ich intensivierte daher unmittelbar nach Abschluss des 2. Prüfungsabschnitt meine Stellensuche, indem ich die oben genannten Quellen nach entsprechenden Praktikumsplätzen durchforstete und ehemalige Studienkollegen nach ihren Auslandserfahrungen befragte. In diesem Zusammenhang wurde ich auch auf eine Praktikumsstelle an der Universität von Florida (in Gainesville) unter Leitung von Prof. Derendorf aufmerksam. Nach kurzem Emailkontakt, eröffnete sich mir dann tatsächlich die Möglichkeit, die zweite Hälfte meines Praktischen Jahres in den USA zu verbringen. Während der nächsten sechs Monate vertiefte ich meine im Studium erworbenen Kenntnisse über Pharmakokinetik und Pharmakodynamik (PK/PD) durch Studien im Bereich der antiinfektiven Pharmakologie. Mit zunehmender Studiendauer stieg auch mein Interesse an einer universitären Laufbahn, weshalb ich Prof. Derendorfs Angebot bei ihm zu promovieren gerne annahm. Vor Antritt der Promotionsstelle mussten allerdings noch mehrere Aufnahmekriterien seitens der Universität, wie zum Beispiel der GRE (Graduate Record Examinations) und der TOEFL (Test of English as a Foreign Language) Test, erfüllt werden. Ich absolvierte diese Tests schon während der zweiten Hälfte meines Floridaaufenthaltes, so dass ich in Deutschland lediglich noch den 3. Prüfungsabschnitt abzulegen und ein Visum zu beantragen hatte.

Promotion in Florida

Im Gegensatz zur Promotion an einer deutschen Universität, ist die Doktorarbeit in den USA in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten Abschnitt liegt das Hauptaugenmerk auf einer theoretischen Ausbildung, gefolgt von einer Zwischenprüfung. Der zweite Teil ist praktischer Art und dient der Umsetzung verschiedener Forschungsvorhaben. Ich fand letzteren besonders interessant, da ich hier meine eigenen Ideen bezüglich Studiendesign, Durchführung, Auswertung und Diskussion der Ergebnisse einbringen konnte. Vor allem die experimentelle Bestimmung pharmakologisch aktiver Antibiotikagewebespiegel im Patienten hat mich während meiner Forschungstätigkeit in Florida fasziniert. Darüber hinaus bot mir die Promotion in Prof. Derendorfs Arbeitsgruppe die Gelegenheit, meine Ergebnisse auf diversen nationalen und internationalen Kongressen zu präsentieren. Die hierbei erworbenen Erkenntnisse und Erfahrungen erhöhten nicht nur die Qualität meiner Arbeit, sondern boten mir auch die Gelegenheit mich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Während es die Mehrzahl meiner Kommilitonen nach Abschluss der Promotion in die Industrie oder zur amerikanischen Zulassungsbehörde (Food and Drug Administration, FDA) zog, entschied ich mich für die Fortsetzung meiner universitären Laufbahn. Ich habe deshalb eine Stelle als Post-Doc an der Universität von Leiden (Niederlande) angetreten.

Post-Doc in Leiden

Das Ziel eines Post-Doctoral Fellowships ist es, die während der Doktorarbeit erworbenen Kenntnisse weiter zu vertiefen, Projekte selbstständig auszuarbeiten und durchzuführen sowie die Ausbildung von Studenten zu unterstützen – kurzum sich auf die Leitung eines eigenen Arbeitskreises vorzubereiten. Prinzipiell kann ein Post-doc im Anschluss an die Promotion an der gleichen Einrichtung absolviert werden. Allerdings ist ein Wechsel an eine andere Institution durchaus von Vorteil, da hierdurch weitere wertvolle Erfahrungen gesammelt werden können. Hierfür kommen nicht nur Universitäten sondern beispielsweise auch die pharmazeutische Industrie oder Zulassungsbehörden in Frage. Ich habe mich letzten Endes für eine Anstellung an der Universität von Leiden entschieden, da Prof. Danhofs Arbeitskreis bei der Entwicklung mathematischer Modelle, die zur Beschreibung von Krankheitsverläufen dienen, zu den weltweit führenden zählt. Diese Modelle werden in enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern erstellt und finden somit unmittelbare Anwendung in der Arzneistoffentwicklung. Darüber hinaus bot sich in Leiden die Gelegenheit an der Veröffentlichung eines Buches aktiv als Autor mitzuwirken, was mir sehr reizvoll erschien.

Zum Abschluss meiner kurzen übersicht über verschiedene Betätigungsmöglichkeiten im Ausland kann ich nur jedem empfehlen, diese Option wahrzunehmen, da man sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht ungemein von einem derartigen Aufenthalt profitiert.

von Dr. Stephan Schmidt, Post-Doc in Leiden (NL)

weitere Infos und Tipps zum Thema Auslandsaufenthalt:
Auslandsaufenthalt: Im Studium oder im PJ?

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