21. September 2011 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Berufsstart
Studienkosten unter Umständen absetzbar

Steuern sparen durch Studieren?

Im August entschied der Bundesfinanzhof (BFH), das höchste deutsche Gericht in Steuerfragen, dass entgegen der bisherigen Praxis die Kosten für ein Erststudium bzw. die erste Berufsausbildung nach der Schule, voll steuerlich geltend gemacht werden können. Geklagt hatten ein Pilot und eine Ärztin, die Ihre Ausbildungskosten als Werbungskosten mit später im Beruf erzielten Einkünften verrechnen wollten.

Nach der bisherigen Regelung konnten während der Erstausbildung Kosten, die durch diese Ausbildung verursacht wurden, nur als Sonderausgaben in Höhe von maximal 4000 Euro jährlich abgesetzt werden. Das bedeutet, dass man in dem Jahr, in dem die Kosten entstanden sind, diese vom zu versteuernden Einkommen abziehen kann – dann bezahlt man am Ende weniger Steuern. Wenn man aber gar keine Steuern zahlen muss (bei Einkünften unter dem Grundfreibetrag von 8004 Euro), nutzt einem der Sonderausgabenabzug nichts.

Anders ist das, wenn die Ausbildungskosten als Werbungskosten (siehe Kasten) geltend gemacht werden können. Diese werden direkt von den Einnahmen abgezogen. Liegen keine Einnahmen vor, entsteht steuerrechtlich ein „Verlust“. Dieser kann mit Einnahmen in späteren Jahren verrechnet werden (sog. Verlustvortrag), wenn ein konkreter Zusammenhang zwischen Studium und späterem Beruf besteht.

Genau diese Verlustfeststellung hatten die Finanzämter aufgrund der bisherigen Gesetzeslage verweigert, wenn es sich um Kosten für die erste Ausbildung (Berufsausbildung oder Studium) gehandelt hat. Beim Erststudium fehle der nötige direkte Zusammenhang mit einer später der Einkünfteerzielung dienenden Berufstätigkeit. Bei einem Zweitstudium oder einem Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung hatte der BFH bereits entschieden, dass die Kosten hierfür Werbungskosten sein können. Nun hat der BFH aber entschieden, dass in den beiden strittigen Fällen eben doch ein Zusammenhang zwischen den Ausbildungskosten und der Berufstätigkeit auch schon in der Erstausbildung vorlag.

Dieses Urteil bedeutet aber nicht, dass nun jeder Student seine Ausbildungskosten von der Steuer absetzen kann. Wenn das Bundesfinanzministerium auf das Urteil mit einem sogenannten Nichtanwendungserlass reagiert, dann dürfen die Finanzämter auch weiterhin keine Werbungskosten für das Erststudium anerkennen und die Urteile bleiben auf die beiden konkreten Einzelfälle beschränkt, bis ein neues Gesetz solche Fälle regelt.

Wenn der Finanzminister dies nicht tut, können Studenten auch nachträglich (im Normalfall bis zu vier Jahre, in einigen Fällen sogar sieben Jahre) eine Steuererklärung, in der die Werbungskosten aufgeführt (und belegt!) sind, einreichen und einen Verlust feststellen lassen. Wurde für das betreffende Jahr bereits eine Steuererklärung abgegeben und ist diese bestandskräftig, können nachträglich keine Aufwendungen mehr geltend gemacht werden.

Selbst wenn es zu einem Nichtanwendungserlass kommt, können Studenten, die schon eine Berufsausbildung (oder ein Erststudium) absolviert haben, und deren Studium in Bezug zum späteren Beruf steht (also z.B. Pharmaziestudium nach Ausbildung zur PTA, danach Arbeit als Apothekerin) wie bisher ihre Ausbildungskosten als Werbungskosten geltend machen. Über die Einzelheiten und den Ablauf informieren Steuerberater und sog. Lohnsteuerhilfevereine.

Von Steuerberaterin Nina Leicht, Stuttgart

———————————————————————————————————————————————————–

Werbungskosten:

“Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen.“(§ 9 (1), Einkommensteuergesetz)

Das bedeutet, Werbungskosten sind die Kosten, die ein Arbeitnehmer hat, um seine Einnahmen zu erzielen. Das können z.B. Fahrtkosten zur Arbeit sein, Kosten für Fachbücher, Weiterbildungen, Kongresse usw. Werbungskosten sind sozusagen die „Betriebsausgaben“ der Angestellten. Diese Kosten werden von den Einnahmen abgezogen, um die Einkünfte und daraus das zu versteuernde Einkommen zu berechnen. Das heißt konkret, dass sich die Werbungskosten direkt auf die Höhe der Steuer auswirken.

Werbungskosten können auch im Voraus entstehen, also bevor ein Arbeitsverhältnis besteht, z.B. die Kosten für die Bewerbungsunterlagen (sog. vorweggenommene Werbungskosten). Trotzdem dienen diese Kosten ja der „Erwerbung von Einnahmen“. Bei Studenten können dies z.B. Studiengebühren, Fachbücher, Sonstige Arbeitsmittel wie Computer etc., Fahrtkosten zum Ausbildungsort oder Kosten für die Wohnung am Studienort sein.

Berühmt ist die sogenannte Werbungskostenpauschale. Da in vielen Fällen die Kosten, die im Zusammenhang mit einer Berufstätigkeit entstehen, nicht besonders hoch sind, und um das Bearbeiten von unzähligen Belegen mit nur kleinen Summen zu vermeiden, wurde eine Pauschale eingeführt. Bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (also dem Gehalt) beträgt der Werbungskostenpauschbetrag zurzeit 920 Euro im Jahr. Das heißt, jeder Angestellte bekommt Werbungskosten von 920 Euro von seinen Einnahmen abgezogen. Nur wer höhere Werbungskosten geltend machen will, muss diese nachweisen.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>