24. October 2011 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Aktuelles
Kommentar zum Deutschen Apothekertag

Heilberufliche Aspekte stärken – das beginnt in der Ausbildung

(Dieser Kommentar ist am 13.10.2011 in der DAZ 2011, Nr. 41 erschienen.)

Die Apothekerschaft sieht ihre Zukunft im Heilberuf, sie möchte den heilberuflichen Aspekt des Berufes stärken. So heißt es immer wieder, auch auf diesem Apothekertag. Nur müssen die Apothekerinnen und Apotheker auch entsprechend ausgebildet sein. Deswegen wurde vor zehn Jahren das neue Ausbildungsfach Klinische Pharmazie eingeführt. Nur so richtig angekommen ist die Klinische Pharmazie in der Ausbildung – ob nun an der Uni oder im Praktischen Jahr – leider immer noch nicht überall.

Deshalb hatte der Deutsche Apothekertag 2010 auf Antrag des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland „die an der Ausbildung beteiligten Organisationen“ aufgefordert, ein Konzept zu entwickeln, wie die Klinische Pharmazie so in Studium, Praktisches Jahr und den praktikumsbegleitenden Unterricht integriert werden kann, dass die theoretischen Kenntnisse auch in der Praxis umgesetzt werden können.

In der Stellungnahme der ABDA, was in Bezug auf die letztjährigen Anträgen des Apothekertages in der Zwischenzeit unternommen wurde, heißt es lapidar: „Der Antrag wird derzeit bearbeitet.“ Damit zeigt die Berufsvertretung leider genau das Verhalten, dass mit diesem Antrag eigentlich kritisiert worden war: Sie tut nur das Nötigste bei der Einführung der Klinischen Pharmazie.

Professor Derendorf hat beim Jubiläumskongress der DAZ eindrucksvoll dargelegt, wie wichtig eine Patienten-zentrierte Pharmazie ist (Sie können den Vortrag hier auf DAZ.online abrufen). Wenn wir die heilberuflichen Aspekte unseres Berufes stärken wollen, müssen wir bei der Ausbildung beginnen!

Dr. Benjamin Wessinger

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    Kommentare zu Heilberufliche Aspekte stärken – das beginnt in der Ausbildung

  1. Das Problem wird sein, dass bei weiterer Liberalisierung des Apothekenmarktes die Anzahl der dort unterkommenden Pharmazeuten in Zukunft umgekehrt proportional zum sich hier abzeichnenden Überangebot sein dürfte.

  2. @medikamentenskepsis:

    Welches Überangebot? An Apothekern? Wie kommen Sie bei der momentanen Knappheit an Apothekern und den nur ganz leicht steigenden Zahlen an Studierenden darauf?
    Und welche Liberalisierung des Apothekenmarktes meinen Sie?

    Beste Grüße
    B. Wessinger

    • Nun, nur in Deutschland gibt es ein derart dichtes Apothekennetz, viele andere “zivilisierte” Staaten haben z.T. nur ein Viertel soviele Apotheken pro Kopf ihrer Bevölkerung. Dann gibt es die Einschränkung, wieviele Apotheken ein approbierter Apotheker allein führen bzw. besitzen darf. Weiterhin gibt es immer noch Einschränkungen hinsichtlich des Medikamenten-Online-Handels. Alle drei Faktoren zusammengenommen dürften im kommenden Jahrzehnt die bisher auch noch von Preisgarantieen verwöhnten deutschen Apotheker gewaltig Marge kosten und die Anzahl der freien Apotheker wird daher m.E. eher sinken als steigen. Ob das gut oder schlecht ist, darüber mag man trefflich streiten, aber die Tatsachen im europäischen Binnenmarkt lassen sich m.E. nicht wegleugnen. Rechnet man dazu, dass krisenbedingt Krankenkassen entweder insolvent werden oder aber Leistungen mehr und mehr einschränken müssen, dann können die künftigen Apotheker(innen) entweder sich mit niedrigen Gehältern zufriedengeben oder aber ihre Zahl wird sinken.

      • Falsche Tatsachen werden auch durch ständige Wiederholung nicht richtig! Die Apothekendichte in Deutschland liegt mit 1 Apotheke pro 3800 Einwohnern UNTER dem europäischen Durchschnitt von 1 Apotheke pro 3300 Einwohnern. U.a. in Irland (1 Apo / 2900 Einw.), Frankreich (1 Apo / 2800 Einw.) und Italien (1/3400) gibt es relativ zur Einwohnerzahl mehr Apotheken.
        Besonders interessieren täten mich die “Einschränkungen”, die Sie im Versandhandel mit Arzneimitteln sehen. Jede Apotheke darf – sofern sie einige Formalien erfüllt und die Erlaubnis beantragt – Arzneimittel im Versandhandel abgeben. Mal ganz davon abgesehen, dass man auch für den Versand Apotheker braucht.
        Auch hier wieder ein Blick ins europ. Ausland: In Österreich z.B. ist der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel ausdrücklich verboten. Das sind “Tatsachen im europäischen Binnenmarkt”. Und ob die – übrigens eher dem Schutz der Patienten als dem Schutz der Apotheker dienenden – Regulierungen und Gesetze wegen der EU geändert werden müssen, ist überhaupt nicht ausgemacht. Das EuGH-Urteil zum Fremdbesitzverbot sollte allen Apologeten einer grenzenlosen Deregulierung eine Lehre sein!