15. December 2011 Drucken Empfehlen
Aktuelles
Schließung der Fakultät Pharmazie

Fachschaft fordert: Ausbau statt Schließung!

Leipziger Pharmaziestudenten wollen Schließung der pharmazeutischen Fakultät nicht hinnehmenDie Studenten der pharmazeutischen Fakultät wehren sich: Mit einer Demonstration zeigten sie dem Rektorat der Universität gestern, was sie vom Plan der Leipziger Fakultätsschließung halten. Für sie liegt der Denkfehler ganz klar beim Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), das die Universität mit seinem Hochschulentwicklungsplan zu dieser Entscheidung zwinge. Dabei wäre nach Meinung der Studenten ein Ausbau, keine Schließung angebracht.

Das Unverständnis ist groß unter den Studierenden. Pro Jahr immatrikulieren sich rund 50 neue Studenten im Fach Pharmazie. Aber es könnten deutlich mehr sein, denn der Studiengang erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die sächsischen Absolventen sind gefragt und bekommen mit großer Sicherheit einen Arbeitsplatz. Apothekerkammer und –verband in Sachsen melden, dass im Jahr 2009 fast jede zweite der von öffentlichen Apotheken angebotenen Stellen nicht besetzt werden konnte.

Der eigentliche Denkfehler liegt für die Studenten daher beim Hochschulentwicklungsplan des SMWK. Dort gehe man von sinkenden Studierendenzahlen aus, was in der universitären Realität nicht beobachtbar sei, kritisiert Christin Nitzschke vom Fachschaftsrat (FSR) der Biowissenschaften und Pharmazie. Dennoch zwinge der Hochschulentwicklungsplan die Universität zu solch „drastischen“ und „unüberlegten“ Entscheidungen.  „Wenn die Argumentation ist, dass wir im Gegensatz zu Halle zu klein und daher nicht konkurrenzfähig sind, dann müssen die Uni und das Land eben Geld in die Hand nehmen und für Vergrößerung und Stärkung sorgen“, ergänzt der FSR-Sprecher Chris Graichen. „Unsere Forderung beinhaltet demnach nicht die Schließung, sondern den Ausbau des Instituts der Pharmazie und die Nutzung der neu erworbenen Stärken und Kooperationen.“

Daher machte es sich die FSR zur Aufgabe, für viel Aufmerksamkeit zu sorgen: „Quasi über Nacht haben wir alle Pharmaziestudenten und alle verfügbaren Absolventen mobilisiert“, berichtet Nitzschke gegenüber DAZ.online. Rund 200 von ihnen versammelten sich gestern in Kittel und mit Koffer vor der Pressekonferenz, um „symbolisch die Abreise der Pharmazeuten zu zelebrieren“. Alle sollten sehen, wen diese Entscheidung zukünftig treffen wird: „Junge, vorwiegend weibliche Studenten eines MINT-Faches, das eine Arbeitslosigkeit von 0 Prozent vorweisen kann, das wohnortnahe, familienfreundliche Arbeitsplätze schafft und einen wichtigen Dienst im Gesundheitswesen leistet“, erklärt Nitzschke.

Anschließend zog man unterstützt vom „Bündnis Leipzig 72“, das sich gegen die Streichung von 72 Professuren in Leipzig richtet, durch die Innenstadt und über den Weihnachtsmarkt, um auf die drohende Schließung aufmerksam zu machen. Am Abend setzten sich die Studenten dann mit Professoren und Vertretern der Sächsischen Apothekerkammer zu einer Art Krisengipfel zusammen. Auch zur ABDA und der Bundesapothekerkammer besteht bereits Kontakt.

Der FSR bemüht sich jedoch insbesondere um einen Dialog mit dem Rektorat. Weitere Protestaktionen werden sich daher größtenteils gegen das Ministerium richten: „Wir fragen das Ministerium, ob es wirklich auf die Apothekerausbildung im Freistaat verzichten will, sich auch so dem Apothekermangel gewappnet sieht und tatsächlich seine Abiturbesten, die Pharmazie studieren wollen, freiwillig in andere Bundesländer abziehen lassen will“, erklärt Nitzschke.

Die Partner in Forschung und Beruf sollen nun ebenso einbezogen werden. Laut Nitzschke ist die Fakultät gut in regionale Forschungsverbünde eingeflochten. Beruflicher Partner seien natürlich vor allem die Apotheken, die sich nun berechtigterweise um ihren Nachwuchs sorgten. Aber auch das Uniklinikum in Leipzig sei betroffen, dort seien mehrere vielversprechende klinisch-pharmazeutische Projekte in Kooperation mit Prof. Thilo Bertsche angelaufen, die langfristig finanziert werden sollten. Daher setzen die Studenten nun auch auf die Unterstützung ihrer Partner und Förderer, „dass sie an die Pharmazie in Leipzig glauben und hinter uns stehen, denn wir geben alles für unseren Erhalt“, so Nitzschke.

Juliane Ziegler