Beste Qualität für die Krebstherapie
20. September 2011 Drucken FEEDBACK Empfehlen
Berufsstart
Sommerakademie für Pharmaziestudenten

Beste Qualität für die Krebstherapie

Wie kann ich als Apotheker das Beste für den Krebspatienten leisten? Viele junge Pharmazeuten fühlen sich im Umgang mit krebskranken Patienten unsicher. Darum veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) jedes Jahr eine Sommerakademie, um Aspekte des Tumorleidens zu beleuchten. Rund 30 Pharmaziestudenten nahmen dieses Jahr die Möglichkeit zur Weiterbildung in Hamburg wahr.

Die Sommerakademie hat sich schon zu einer kleinen Tradition gemausert. Bereits zum vierten Mal hatte die DGOP diese Weiterbildung in Kooperation mit dem Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) organisiert.

Schon der erste Vortrag war ein richtiger Höhepunkt: Klaus Meier, der Präsident der DGOP und auch des europäischen Dachverbands ESOP (European Society of Oncology Pharmacy), hielt eine richtungsweisende Einführung über die Verbindung zwischen Pharmazie und Onkologie. In beiden Verbänden setzt sich der Klinikapotheker für einen hohen Qualitätsstandard in der Onkologischen Pharmazie ein. Einer der Grundsätze von ESOP ist, dass der Apotheker in der Krebstherapie ein vollwertiges Mitglied in einem multiprofessionellen Team aus Ärzten, Pflegern und weiteren Gesundheitsberufen ist und gute Zusammenarbeit leistet. Deutschland ist neben den USA das einzige Land, in dem sich Apotheker in der Onkologie weiterbilden können. Derzeit nutzen 280 Pharmazeuten diese Möglichkeit.

Psychosoziale Aspekte der Onkologie

Kommunikation ist für den Apotheker ein sehr wertvolles Handwerkszeug. Umso wichtiger ist es, dass der Pharmazeut sich auch in den Krebspatienten hinversetzt und auf ihn im Gespräch eingehen kann. Susanne Bertels beleuchtete psychosoziale Aspekte in der Krebstherapie. „Die Psychoonkologie betrachtet alle seelischen Faktoren des Krebsleidens. Es wird nicht nur auf den Betroffenen, sondern auf das ganze soziale Umfeld eingegangen“, sagte die Pastoralpsychologin und Krankenhausseelsorgerin. In Gruppenarbeit erarbeiteten sich die Studierenden verschiedene Möglichkeit, auf der Sach- und Gefühlsebene auf die Patienten in der Apotheke einzugehen.

Neue Kraft durch Kunst

Die Sommerakademie trägt den Untertitel „Ars pharmaceutica – Kunst und Können in der Pharmazie“. Den künstlerischen Aspekt betrachteten die angehenden Apotheker zusammen mit dem Maler Vladimir Kamendy. Viele Patienten, die unter einer schweren Krankheit leiden, schöpfen aus der Kunst neue Kraft. Diese besondere Therapieform sollten die Studierenden durch die Zeichenstunde mit Kohle kennen lernen und innerhalb kurzer Zeit entstanden viele sehenswerte Skizzen eines Stilllebens. Interessant war vor allem die Kritik des Künstlers, der in jedem Bild wertvolle Ansätze und etwas Besonderes fand.

Qualität und Standards

Wie stelle ich sicher, dass in meiner Apotheke immer eine hohe Qualität produziert wird? Dr. Karla Domagk aus Cottbus stellte den Studierenden Prinzipien des Qualitätsmanagementsystems vor. Nicht nur die Zytostatikaherstellung in einer Krankenhausapotheke, sondern auch jede noch so kleine Offizin kann vom Qualitätsmanagementsystem profitieren. „Es wird nicht mehr fokussiert, wer etwas verkehrt macht, sondern was und warum es verkehrt gemacht wird“, erklärte die Apothekerin. Schon Mitte der 90er Jahre hat die DGOP Qualitätsstandards für den pharmazeutisch-onkologischen Service (QuapoS) herausgebracht, zu denen es auch umfangreiche Kommentare gibt. Für alle Bereiche des pharmazeutisch-onkologischen Service gibt es Standards, so etwa über aseptische Arbeitstechniken und mikrobiologische Validierung, aber auch über die Fortbildung und Einarbeitung von Mitarbeitern. Diese werden ständig aktualisiert und sind auch schon in viele andere Sprachen übersetzt.

Einblicke in den Alltag…

Doch welche Arbeiten fallen in einer Krankenhausapotheke noch neben der Zytostatikaherstellung an? Über den Alltag in der Klinik berichtete Goentje-Gesine Marquardt. Als besondere pharmazeutische Dienstleistung stellte die Krankenhausapothekerin aus Soltau das Unit-Dose-System dar. Hier wird jede Tablette des Patienten mithilfe einer Baxter-Maschine in einer schlauch-artigen Folie einzeln verpackt. Auf dem Etikett stehen die wichtigen Informationen für das Pflegepersonal, wie der Name des Patienten und die Zeit der Einnahme. „Ich kenne nur eine Hand voll Klinikapotheken, die über dieses System verfügen“, sagte Goentje-Gesine Marquardt.

… und wertvolle Tipps

Viele Krebspatienten leider unter den Nebenwirkungen der Chemotherapie. Erbrechen, chronische Müdigkeit (Fatigue), Haarausfall, Mundtrockenheit sind nur einige davon. Dr. Annette Freidank vermittelte den angehenden Apothekern viel Hintergrundwissen und gab Ratschläge, um Krebspatienten zu den Nebenwirkungen ihrer Therapie gut zu beraten und zum Weiterverfolgen der therapeutischen Maßnahmen zu ermutigen. Wertvoll waren vor allem die Hinweise zur nichtmedikamentösen Behandlung. „Die Patienten sollten kleine Mahlzeiten und keine heißen, stark gewürzten Speisen einnehmen“, riet die Klinikapothekerin aus Fulda.

In Ergänzung zum Vortrag zur Supportivtherapie schilderte Michael Höckel Besonderheiten in der pharmazeutischen Betreuung von Krebspatienten. Ein gut informierter Patient hat Verständnis für seine Arzneimitteltherapie. Durch eine gute Beratung in der öffentlichen Apotheke, zum Beispiel bei der Abgabe von oralen Zytostatika, kann die Compliance gefördert werden, so dass der Patient die Therapie richtig einhält. „Gut ist es, offene Fragen in einer Beratung zu stellen. Damit kann ich abklären, ob der Patient mich versteht“, riet der Fachapotheker für Offizin.

Neuigkeiten in der PharmakotherapieAbends wird in der Kneipe weiterdiskutiert

Krebs wurde früher fast ausschließlich durch Operationen oder durch Bestrahlung behandelt. Doch in den vergangenen Jahrzehnten vergrößerte sich die Zahl der Medikamente zur Krebsbehandlung immens. Prof. Dr. Günther Wiedemann, Onkologe aus Ravensburg, stellte den Studierenden das pharmakologische Spektrum der Tumorbehandlung vor. „Mehr als 500 Stoffe sind in der klinischen Entwicklung“, sagte der Arzt.

Praxisbezug und Fallbeispiele

Zum Schluss des Seminars wendeten die Teilnehmer ihr Wissen an. Mit Fällen aus der Praxis galt es, pharmazeutische Probleme zu lösen. Als Handwerkszeug nutzten die angehenden Apotheker das sogenannte SOAP-Schema. Zuerst werden die subjektiven (S) Beschwerden des Patienten erfasst, danach werden die Probleme objektiv (O) betrachtet. Mit dem pharmazeutischen Hintergrundwissen erfolgt anschließend eine Analyse (A), um einen Plan (P) zur Lösung des Problems zu finden. Anhand von Präsentationen und Rollenspielen zeigten die Studierenden ihre pharmazeutische Kompetenz und berieten Patienten zur Krebstherapie. Die Fallbeispiele zeigten jedoch auch, wie wichtig es ist, mit anderen Gesundheitsberufen wie Ärzten oder Psychologen zusammenzuarbeiten.

Fast jeder kennt einen Krebspatienten in seiner Bekanntschaft. Umso wichtiger ist es, dass auch Pharmaziestudenten umfassende Kompetenzen in diesem Bereich sammeln. Die Sommerakademie ist ein guter Anfang, um sich für eine gute pharmazeutische Beratung in diesem Bereich zu begeistern. Zudem kann man auch als Student bereits Mitglied der DGOP werden. Neben Kontakten zu anderen Pharmazeuten im Bereich Onkologie und Weiterbildungsmöglichkeiten erhält jedes Mitglied die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Onkologie Pharmazie“.

Von Elisabeth Kersten, PhiP und Diplomandin in der pharmazeutischen Industrie

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Weiterführende Informationen:

www.dgop.org – Website der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie

www.esop.eu –europäische Gesellschaft für onkologische Pharmazie

www.nzw.de – die NZW-Kongresse der DGOP finden mehrmals pro Jahr statt. Ermäßigte Anmeldegebühr für PhiP.

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